Der Begriff des Femizids wird immer häufiger in der Berichterstattung über Tötungen von Frauen verwendet. Wie geht unsere Redaktion damit um?
Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs Femizid. In den meisten Fällen wird der Femizid jedoch als vorsätzliche Tötung von Frauen oder Mädchen aufgrund ihres Geschlechts definiert.
Einfacher ausgedrückt: Ein Femizid ist die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Auch unsere Redaktion wendet diese Begriffsauslegung in ihrer Berichterstattung an. Ist das Motiv einer solchen Tat nicht oder noch nicht bekannt, sprechen wir von einem Tötungsdelikt, ohne den Begriff Femizid zu verwenden.
Den Straftatbestand des Femizids gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht. Es ist schwierig, die Motivlage statistisch zu erheben, daher werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik aller drei Länder Femizide nicht eigens aufgeführt.
In Österreich lassen sich Femizide jedoch dennoch statistisch auswerten: Die Nationale Koordinierungsstelle "Gewalt gegen Frauen" erklärt auf ihrer Webseite, dass neben Geschlecht von Täter und Opfer seit Jänner 2024 auch ihr Beziehungsverhältnis erfasst wird, nämlich in der Datenkategorie "(Ex-)Partnerschaft". Seit 2020 besteht zudem die Möglichkeit, sogenannte Vorurteilsmotive ("Hate Crimes") zu erheben. Durch das Hate-Crime-Identitätsmerkmal "Geschlecht" "kann erhoben werden, welchen Tötungsdelikten ein (feststellbarer) genereller Hass gegen Frauen zugrunde liegt", so die Koordinierungsstelle. In dieser Hinsicht ist Österreich etwas weiter fortgeschritten als seine Nachbarländer.
Welche Motive stecken hinter Femiziden?
Bei Femiziden spielt meist die Ausübung von Macht und Kontrolle des Täters gegenüber dem Opfer in einer Beziehung eine Rolle – und zwar insbesondere dann, wenn der Tat eine Trennung vorausgegangen ist, wie die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt. Der Täter spreche dem Opfer in solchen Konstellationen "häufig kein selbstbestimmtes Leben zu". "Dahinter stehen ein Besitzanspruch gegenüber dem Opfer, geschlechtsbezogene Erwartungen an 'die Rolle der Frau' und Vorstellungen einer Ungleichwertigkeit der Geschlechter", heißt es weiter von der bpb.
In seiner ursprünglichen Bedeutung wurde Femizid als Bezeichnung für jegliche Frauentötungen verwendet. Das ist heute auch noch in manchen Teilen der Forschung der Fall. Dieser Definition schließt sich unsere Redaktion wie oben erläutert jedoch nicht an: Nicht jeder Mord an einer Frau ist ein Femizid.
Die Verwendung des Begriffs Femizid soll vielmehr strukturelle geschlechtsbezogene Gewalt sichtbar machen: Denn Femizide sind keine Einzelfälle, sondern eine Folge von strukturellen patriarchalen Machtverhältnissen in der Gesellschaft, in denen die Geschlechter ungleich behandelt werden.
Um die Verantwortung und Schuld der Täter nicht zu relativieren, vermeiden wir zudem unpräzise Begriffe wie "Familiendrama" oder "Familientragödie". Sie sind dazu geeignet, das Geschehen zu verharmlosen und den Fokus zu verschieben.
Verwendete Quellen
- coordination-vaw.gv.at: Statistische Erfassung von Femiziden in Österreich
- bpb.de: Femizide – Definition und Debatte