• In der Formel 1 ändert sich in der neuen Saison einiges.
  • Vor allem soll eine technische Neuerung die Rennen unberechenbarer und spannender machen.
  • Zudem wirkt sich auch der Krieg in der Ukraine auf den Rennsport aus.

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Nach zwei Jahren Corona-Improvisation läutet die Formel 1 eine neue Ära ein. Ein neues Aerodynamik-Konzept soll die Rennen spannender machen. Wird Max Verstappen wieder Weltmeister? Oder krönt sich Lewis Hamilton nach dem Frust-Finale von Abu Dhabi endlich zum Rekordchampion?

Und wie schneiden Sebastian Vettel sowie Mick Schumacher nach Chaoswochen bei Haas ab? Die Formel-1-Saison hat 245 Tage Zeit für die Antworten.

Formel 1: Warum ist diese Saison so vieles anders?

Die Formel 1 will spannender werden. Deshalb hat sie ihr technisches Reglement überholt. Ein komplett verändertes Aerodynamik-Konzept soll dafür sorgen, dass mehr Zweikämpfe auf dem Asphalt möglich sind und auch das Überholen erleichtert wird.

Die Ingenieure von Fia und Formel 1 haben für das Konzept 7.500 Simulationen durchgespielt und dabei rund ein halbes Petabyte an Daten erzeugt. Das entspricht etwa einem Drittel der zehn Milliarden Fotos auf Facebook. Rausgekommen sind tiefgreifende Änderungen. So ist zum Beispiel der Unterboden Rennfahrzeuge nicht mehr flach, sondern gewölbt und hat Luftkanäle.

Der Frontflügel wurde vereinfacht, er besteht nur noch aus vier Elementen und ist direkt mit der Nase verbunden. Dazu kommt ein neuer geschwungener Heckflügel, die Seitenkästen wurde ebenfalls markant überholt. All das soll dafür sorgen, dass es weniger Luftverwirbelungen am Heck gibt. Dadurch sollen die Verfolger nicht mehr so viel Abtrieb verlieren, enger am Vordermann bleiben und so den Fans mehr Action bieten können.

Im Idealfall wird der Ausgang eines Rennens also unberechenbarer, weil auch Außenseiter ganz nach vorne fahren können. Das ist zumindest die Hoffnung der Formel-1-Bosse. "Ich bin sehr optimistisch für die Saison und denke, dass wir einige interessante Ergebnisse sehen werden", meinte Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn.

Ein weiteres Ergebnis der Technik-Revolution ist der überarbeitete Reifen. Statt der ballonartigen 13-Zoll-Reifen, die auch fast gar nicht mehr bei Straßenautos verwendet werden, kommen 18-Zoll-Reifen zum Einsatz. Ihr Profil ist flach, sie sehen dadurch moderner aus. Zudem sind die Radkappen zurück. Über den Vorderreifen gibt es außerdem Kotflügel. Durch diese Luftleitelemente gibt es weniger Verwirbelungen am Heck.

Formel 1, Regeln, Änderungen, Rennwagen, 2022
Die neuen Formel-1-Rennwagen zur Saison 2022 unterscheiden sich aufgrund des Reglements in wesentlichen Punkten von den Vorjahresmodellen.

Hat der Ukraine-Krieg Auswirkungen auf die Formel 1?

Auch in der Formel 1 hat Russlands Angriffskrieg für Entsetzen gesorgt. Das Russland-Rennen in Sotschi wurde deshalb bereits aus dem Kalender gestrichen. Auf absehbare Zeit wird es dort gar keinen Grand Prix geben. Die Formel 1 hofft weiter, "auf eine rasche und friedliche Lösung" nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Die Fahrer setzten bei den Testfahrten in Bahrain Friedenszeichen, indem sie unter anderem auf der Zielgeraden der Rennstrecke in Sakhir ein Plakat mit der Aufschrift "No War" (Kein Krieg) entrollten.

Weitere symbolische Akte dürften folgen. Mick Schumachers US-Team Haas trennte sich sogar vom russischen Titelsponsor Uralkali und dem zweiten Fahrer Nikita Masepin aus Russland.

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Wer sind die WM-Favoriten in dieser Saison?

Als Weltmeister natürlich Max Verstappen. Der Niederländer von Red Bull konnte Lewis Hamilton im vergangenen Jahr die WM im kontroversen Finale von Abu Dhabi entreißen und drehte zum Test-Abschluss am Samstag die mit Abstand schnellste Runde. Verstappen startet diese Saison mit der Nummer 1 des Champions und will eine Ära prägen.

Hamilton möchte das verhindern und seine achte WM gewinnen. Damit wäre er alleiniger Rekordchampion vor Michael Schumacher. "Ich fühle mich so frisch wie noch nie", befand Hamilton vor dem Saisonstart, äußerte aber nach den Tests Zweifel an der sofortigen Siegfähigkeit seines Rennstalls.

Sein Mercedes-Team brachte die Konkurrenz in Bahrain aber schon mal mit einem Auto ohne echte Seitenkästen ins Staunen. Ein Geniestreich? Oder könnte sogar ein Ferrari mit Charles Leclerc oder Carlos Sainz die WM-Sensation schaffen?

Formel-1-Saison 2022: Welche deutschen Piloten sind am Start?

Sebastian Vettel und Mick Schumacher. Vettel bestreitet seine zweite Saison mit dem englischen Werksteam Aston Martin. Der viermalige Weltmeister hofft auch mit dem neuen Teamchef Mike Krack, den er noch aus gemeinsamen BMW-Sauber-Zeiten kennt, auf die Rückkehr ganz nach vorne.

Im Idealfall könne man "um Siege und Podestplätze" kämpfen, äußerte Vettel seine Hoffnung. In Nico Hülkenberg hat Aston Martin noch einen deutschen Ersatzfahrer. Mick Schumacher will nach einem Lehrjahr beim Hinterbänkler-Team Haas erstmals auch Punkte holen.

Der Zoff mit den Masepins und Verzögerungen bei den Bahrain-Tests waren aber alles andere als eine optimale Einstimmung. Nach der Absetzung von Michael Masi als Rennleiter gibt es in Niels Wittich zudem einen Deutschen als Oberschiedsrichter der Formel 1.

Fährt die Formel 1 endlich wieder in Deutschland?

Die Formel 1 macht einen Bogen um Deutschland. Nürburgring und Hockenheimring haben durchaus weiter Interesse an dem Produkt, doch es ist ihnen schlicht zu teuer. In anderen Ländern helfen der jeweilige Staat oder private Investoren, um die millionenschweren Antrittsgagen zu bezahlen. In Deutschland müssen sich die Strecken selbst refinanzieren.

Daher bleibt es vorerst dabei, dass der Nürburgring 2020 nur als Corona-Aushilfe einsprang. Die Formel 1 expandiert aber in anderen Ländern weiter. Im aktuell 22 Grand Prix umfassenden Kalender findet im Mai ein zweites USA-Rennen statt, wenn erstmals in Miami gefahren wird.

Wo läuft die Formel 1 im TV?

Das zweite Jahr in Folge gibt es alle Rennen nur für Kunden des Pay-TV-Senders Sky zu sehen. Im frei empfangbaren Fernsehen können Motorsport-Fans erneut nur vier Rennen bei RTL schauen.

Der Kölner Sender beginnt am 24. April mit der Live-Übertragung vom Großen Preis der Emilia Romagna in Imola. Die weiteren Rennen des Free-TV-Senders sollen Silverstone (3. Juli), Zandvoort (4. September) und Sao Paulo (13. November) sein. RTL hat die notwendigen Sub-Lizenzen von Sky erworben.

Diese vier Rennen sehen Sie bei RTL:

  • 24. April, Großer Preis von Emilia Romagna in Imola
  • 3. Juli: Großer Preis von Großbritannien in Silverstone
  • 4. September: Großer Preis der Niederlande in Zandvoort
  • 13. November: Großer Preis von Brasilien in Sao Paulo

Auch bei der Übertragung der Formel 1 gibt es Änderungen. Weil aktuell noch 22 Rennen im Kalender stehen, entschied sich die Formel 1 zu einer Anpassung des Wochenendformats. An Grand-Prix-Wochenenden, an denen kein Sprint ausgetragen wird, sind die ersten beiden jeweils einstündigen Trainings erst für Freitagnachmittag angesetzt.

Am Vormittag finden die Mediensprechstunden statt, die sonst für Donnerstag terminiert waren. Dadurch sollen die Teams entlastet werden, die Fans bekommen weiter drei Tage mit Action auf dem Asphalt geboten.

Was hat sich sonst noch getan?

  • Ein Deutscher als Oberschiedsrichter: Nach dem umstrittenen Formel-1-Finale von Abu Dhabi hat der Motorsport-Weltverband Fia Michael Masi als Renndirektor abgesetzt. Der Australier hatte mit kontroversen Entscheidungen erst das entscheidende Überholmanöver von Max Verstappen gegen Lewis Hamilton ermöglicht. Seine Aufgaben teilen sich der Deutsche Niels Wittich, früher Rennleiter der DTM, und Eduardo Freitas aus Portugal.
  • Ein Grand Prix in Florida: Die Formel 1 expandiert in den USA. Nach dem Großen Preis der Vereinigten Staaten in Austin (Texas) macht die Königsklasse des Motorsports am 8. Mai erstmals in Miami Station. Der Grand Prix von Miami hat einen Vertrag über zehn Jahre. Der Kurs wird 5,41 Kilometer lang sein und rund um das Hard Rock Stadium führen, das die Heimstätte des American-Football-Teams Miami Dolphins ist. Installiert wird zudem ein virtueller Rennkontrollraum, ähnlich dem Videoreferee im Fußball, wodurch auch in direktem Kontakt mit dem Rennleiter die Entscheidungsfindung verbessert werden soll. Der Funkverkehr zwischen Rennleitung und Teams wird nicht mehr übertragen.
  • Ein Chinese in der Formel 1 als Stammpilot: Mit Guanyu Zhou bekommt erstmals ein Chinese ein Stammcockpit in der Formel 1. Zhou ersetzt bei Alfa Romeo Antonio Giovinazzi aus Italien. Zhou fuhr seit 2019 in der Formel 2 und war auch Formel-1-Testpilot bei Alpine. In der höchsten Nachwuchsklasse landete der 22-Jährige aus Shanghai in der vergangenen Saison auf Rang drei. Ma Qinghua war 2012 der erste Chinese in der Formel 1 gewesen, für einen Renneinsatz reichte es bei ihm nie.

(dpa/thp)  © dpa

Formel 1, Test, Barcelona, Spanien, Katalonien, Fernando Alonso, Alpine, 2022
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2022 startete die Formel 1 in eine neue Ära

In Bahrain begann am 20. März die Jagd auf Weltmeister Max Verstappen. Nach der Streichung des Grand Prix von Russland umfasst der Rennkalender wie im Vorjahr 22 WM-Läufe. Zehn Teams treten unter einem geänderten Reglement an. Die beiden deutschen Fahrer Sebastian Vettel und Mick Schumacher stehen unter besonderem Druck.
Teaserbild: © picture alliance/dpa/Hasan Bratic