Ferrari fehlt: Alfa Romeo ist im ersten Formel-1-Rennen der WM-Geschichte unschlagbar

Der Startschuss fällt vor den Augen der britischen Royals: Am 13. Mai 1950 beginnt in Silverstone die WM-Geschichte der Formel 1. Während Ferrari noch fehlt, nutzt der italienische Konkurrent Alfa Romeo die Gunst der Stunde. Der Adel verfolgt das Spektakel aber nicht nur vom Rand. Zwei Blaublütige sind mittendrin.

21 Fahrer stehen bereit, um am 13. Mai 1950 im englischen Silverstone den Großen Preis von Europa in Angriff zu nehmen. Am Beginn steht ein königlicher Handschlag: König Georg VI., Vater von Elizabeth II., begrüßt Landsmann Reg Parnell.
Wie Parnell geht auch der Italiener Luigi Fagioli mit einem Alfa Romeo an den Start. Dessen Antrieb stammt - wie die meisten Fahrer auch - noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Es ist ein Tipo 158.
Der Blick aus der dritten Startreihe auf die beiden Reihen davor. Auf der Pole Position steht mit der Nummer zwei der Italiener Giuseppe Farina.
70 Rennrunden vor etwa 100.000 Zuschauern liegen vor den Fahrern. Der Franzose Eugène Martin rast in diesem Moment seinen Landsleuten Louis Chiron und Yves Giraud-Cabantous davon. Mit dem Ausgang des Grand Prix wird niemand von ihnen etwas zu tun haben.
Der königliche Ausguck: Die Familie Windsor verfolgt, wie sich das Rennen auf einem stillgelegten Militärflugplatz entwickelt.
Prinzessin Margaret, Elizabeths jüngere Schwester, und der Earl Mountbatten fiebern nach wie vor mit: Wer gewinnt dieses historische Formel-1-Rennen in Silverstone?
Parnell ist einer von acht Briten im Feld. Der 38-Jährige fährt nur zwei von sieben Saisonrennen, das zweite in Frankreich in einem Maserati.
Fagioli ist damals schon 51 Jahre alt und hat zehn Geschwister. Die Presse nennt ihn den "alten Räuber aus den Abruzzen". "Der alte Räuber" kämpft mit Parnell um einen Platz auf dem Podium.
Juan Manuel Fangios Stern leuchtet an diesem Tag in Silverstone nur 61 Runden lang. Der spätere Rekord-Weltmeister aus Argentinien verliert gleich im ersten Rennen die entscheidenden Zähler im Kampf um den WM-Titel.
Standesgemäß fährt Fangio mit der Startnummer eins und als Drittschnellster des Qualifyings lange um den Sieg mit.
Davon zeugt nach 56 von 70 Runden auch die Platzierungstafel. Weit weg von der späteren Digitalisierung, zeigt sie: Farina vor Fangio und Fagioli, dahinter Parnell, Giraud-Cabantous und Louis Rosier.
Fangio aber muss seinen Alfa im teaminternen Kampf um den Sieg nach 61 Runden abstellen. Zum Verhängnis wird dem 38-Jährigen eine gerissene Ölleitung.
Nach Fangios Ausfall ist der Weg frei für Farina.
Fangio gewinnt im Laufe der Saison wie Farina drei Mal, weist jedoch letzten Endes drei Punkte weniger auf. Als Weltmeister der Jahre 1951, 1954, 1955, 1956 und 1957 aber geht Fangio letztlich als jahrzehntelanger Rekordchampion in die Geschichte ein.
Doch nicht nur auf den späteren Sieger sind die Augen der königlichen Familie gerichtet. Längst haben sie ihresgleichen entdeckt: im Fahrerfeld.
Prinz Birabongse Bhanudej Bhanubandh aus Siam, das heute Thailand heißt, steuert seinen Maserati 4CLT/48 im Qualifying auf Startplatz fünf.
Das Ziel sieht der 36-Jährige jedoch nicht. Die Benzineinspritzung gibt ihren Geist auf, wie es Biras fachmännischem Blick nach 48 Runden nicht verborgen bleibt.
So sieht es im Cockpit eines Maserati 4CLT/48 aus. Fünf davon stehen am Start. Der Engländer David Hampshire platziert sich damit auf Rang neun und ist als erster Maserati-Pilot im Ziel.
Und so sieht es unter der Haube des Maserati 4CLT/48 aus.
Auch der zweite Adlige, Emmanuel de Graffenried, ist in einem Maserati unterwegs. Von Startplatz acht gekommen, wird der "Toulo" genannte Baron bereits in der 33. Runde Opfer eines technischen Defekts. Die Pleuelstange setzt den Motor außer Gefecht.