Die stärksten Bilder der Formel-1-Saison 2020

Die Formel 1 fährt in der Corona-Pandemie fast ohne Zuschauer: Wir zeigen Ihnen die besten Bilder der Saison 2020.

Zwei Wochen, nachdem Lewis Hamilton mit seinem siebten WM-Titel mit Rekordchampion Michael Schumacher gleichgezogen ist, gewinnt er auch den Großen Preis von Bahrain. Hamilton nimmt mit seinem elften Erfolg des Jahres die Bestmarken von Schumacher und Sebastian Vettel in Angriff. Die beiden Deutschen konnten jeweils 13 Mal in einer Saison gewinnen.
Von neuen Bestmarken ist Sebastian Vettel nach wie vor weit entfernt. "Der Wagen ist unfahrbar", klagte der Ferrari-Pilot während des Rennens in Bahrain. Dort reicht es für den Deutschen nur für Platz 13, Teamkollege Charles Leclerc wird Zehnter.
Im Fokus steht beim Rennen in Bahrain diesmal allerdigs nicht das Sportliche. Schon nach wenigen hundert Metern kommt es zu dem fürchterlichen Crash. Romain Grosjean zieht aus zunächst unbekannten Gründen mit seinem Haas nach rechts, touchiert dabei Daniil Kwjat von Alpha Tauri und schießt förmlich in die Leitplanke. Dann schießen Flammen aus dem Wrack.
Grosjeans Wagen wird bei dem Crash in zwei Teile gerissen.
Die Front verkohlt durch das Feuer beinahe vollständig. Durch den sogenannten "Halo" wird aber Schlimmeres beim Franzosen verhindert. Der "Heiligenschein" ist ein Cockpitschutz, der seit 2018 in der Formel 1 Pflicht ist. Es handelt sich dabei um einen Titanbügel von etwa sieben Kilogramm, der ringförmig über den Kopf des Fahrers im Cockpit gespannt und in der Mitte mit einer Strebe befestigt ist.
Die Leitpanke, gegen die Grosjean krachte, wird stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch Vettel äußert sich nach dem Rennen zu dem schweren Unfall und sagte: "Die Leitplanke sollte aber nicht so nachgeben und das Auto sollte auf diese Art kein Feuer fangen." Die Formel 1 untersucht nun den Vorfall.
Grosjean selbst hat den Unfall glücklicherweise gut überstanden. Wie er noch am Sonntag in einem von ihm veröffentlichten Video mitteilte, gehe es ihm gut. Sein Team hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass Grosjean sich nur "einige kleinere Verbrennungen an seinen Händen und Knöcheln" zugezogen hat.
So absehbar der siebte WM-Titel für Lewis Hamilton angesichts des Saisonverlaufs gewesen sein mag: Als der Moment da ist, überwältigen den 35-Jährigen seine Gefühle. Er hat aufgeschlossen zum bisherigen Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, einem Idol seiner Kinder- und Jugendtage. "Träumt so groß, wie Ihr könnt", teilt Hamilton nach seinem schwer erkämpften Sieg in Istanbul allen Kindern und Jugendlichen via Sky mit. "Ihr könnt alles erreichen, wenn Ihr Zeit und Anstrengung investiert."
Hamilton weiß, wovon er spricht: Sein 94. Rennsieg, den er angesichts seiner abgefahrenen Reifen auf der letzten Rille eringt, wird dem Engländer nicht geschenkt. Von Startplatz sechs kommend, benötigt der beherrschende Pilot der letzten Jahre 37 der insgesamt 58 nassen Runden, um vor Sergio Perez in Führung zu gehen. Für den Mexikaner im Racing-Point-Boliden bleibt der beste Platz seiner Karriere, der zweite.
Auf Rang drei läuft ein alter Bekannter ein, dem eine derart gute Platzierung in der zu Ende gehenden Saison zuvor nicht geglückt war: Sebastian Vettel, dessen fahrerischen Qualitäten das miese Wetter entgegenkommt, passiert in seinem Ferrari kurz vor dem Ziel seinen frustrierten Teamkollegen Charles Leclerc - und ist anschließend erster Gratulant bei Hamilton.
Zwei Legenden der Formel 1, harte Duellanten in zig Rennen und Saisons, demonstrieren ihre gegensichtige Achtung voreinander und marschieren Arm in Arm durch den Parc Ferme. Dem künftigen Aston-Martin-Piloten Vettel ist zwischen 2010 und 2013 jenes WM-Quadruple gelungen, das Hamilton nun hingelegt hat.
Der wie schon im Vorjahr zweitbeste Formel-1-Fahrer der Welt, Valtteri Bottas, links, geht in Istanbul leer aus, holt zum dritten Mal in der Saison 2020 keinen WM-Punkt. Insofern hätte sich Hamilton sogar einen Ausfall erlauben können, ohne seine vorzeitige Ehrung als Weltmeister zu gefährden. Bottas bezeichnet sein Rennen - abgesehen von den ersten 200 Metern - als "Katastrophe". Er legt insgesamt sechs Dreher hin und wird nur 14. Hamilton überrundet ihn gar.
Beider Teamchef, Toto Wolff, rechts, lobt Hamiltons Geduld und Klasse in einem anspruchsvollen Rennen. Hamilton sei "mit einem Auto, das ganz schwer zu fahren war", auf der Straße geblieben. "Er hat auf seine Chance gewartet, und ist am Ende einsam davongefahren." Wolff hegt keinen Zweifel daran, dass der alleinige Rekordweltmeister am Saisonende 2021 Hamilton heißen wird: "Er ist natürlich mitten in seinem Schaffen. Ich glaube, da kommt noch was drauf."
Schon, weil Hamilton während der Saison 2020 - und speziell in Istanbul - nicht nur seinen gewachsenen Erfahrungsschatz gewinnbringend eingebracht, sondern gelernt hat, mit Rückschlägen und Widrigkeiten umzugehen. "Je mehr ich Rennen fahre, umso besser werde ich." Aber auch Könner Hamilton wirft der glatte Asphalt zwischendrin ab: "Das war wie auf Eis. Ich kann mich nicht erinnern, jemals schon ein Eisrennen bestritten zu haben."
Lange hängt der zu diesem Zeitpunkt noch sechsmalige Weltmeister Hamilton hinter dem viermaligen Weltmeister Vettel fest. Aus der Hoffnung, von Startplatz sechs aus "ein bisschen nach vorne zu gelangen", wird für Hamilton dessen zehnter Saisonsieg im 14. Rennen - und das mit 30 Sekunden Vorsprung auf gebrauchten Intermediates, die Hamilton 50 Runden lang fährt.
Um im Bild der Verhältnisse in Istanbul zu bleiben: Niemand kann Hamilton in der Formel 1 derzeit das Wasser reichen. Vettel sagt bei Sky: "Ich hab zu ihm gesagt, wir schauen ihm heute zu, wie er Geschichte schreibt. Seine Erfolge werden lange, lange Zeit stehen, und er ist noch nicht fertig. Also kann man da nur gratulieren. Das ist bewundernswert. Auch heute war das nicht sein Rennen, aber er hat es gewonnen."
Vettel kann zwar Hamilton nicht halten, landet aber trotzdem mit dem überragenden Fahrer des Tages auf dem Podest, weil er selbst das stärkste Rennen seiner Saison abliefert - mit einem pikanten Finale. Drei Kurven vor dem Ziel misslingt Vettels Teamkollege Leclerc - hier noch direkt vor Vettel - dessen letzter Versuch, an Perez vorbeizugehen. Leclerc kommt nach rechts ab, Vettel schlüpft durch und wird vor dem Monegassen Dritter.
"Das war schon ein wenig eine Überraschung", gibt Vettel anschließend zu, obwohl er sogar noch Platz zwei hätte holen können, hätte das Rennen noch ein wenig länger gedauert. Denn Perez, dessen Platz Vettel im kommenden Jahr einnehmen wird, schleppt seinen Wagen mehr oder minder ins Ziel. "Es war noch ein bisschen Regen gemeldet, der kam aber nicht", erklärt Vettel. "Sonst, glaube ich, hätte ich auch gewagt, zum Schluss noch auf Trockenreifen zu gehen."
Angesichts von letzten Endes beinahe 32 Sekunden Vorsprung aber bleibt Hamilton für Vettel unerreichbar. Beide aber stehen in Istanbul zum insgesamt 56. Mal gemeinsam auf dem Podium - häufger als jedes andere Fahrer-Duo zuvor in der bisherigen Geschichte der Formel 1.
Mit aufs Podest darf Roscoe nicht, kommt aber trotzdem zu seinem Recht: Der Hund des Champions posiert im auffälligen Team-T-Shirt gemeinsam mit seinem gefeierten Herrchen. Dessen Herz sei im Juni "gebrochen", als im Alter von sechs Jahren Coco stirbt, die Gefährtin Roscoes, wie er eine Englische Bulldogge. "Ich hoffe aber, dass sie jetzt an einem besseren Ort ist", schreibt Hamilton damals. Und von diesem Ort aus nimmt Coco Anteil am großen Triumph.