Der Bayern-Doc: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wurde als Arzt zu einer Legende

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, ein ehemaliger Fünfkämpfer aus Ostfriesland, wurde zu einer Legende des FC Bayern München, ohne gegen den Ball zu treten: Er erlebte seit 1977 fast alle Triumphe und Tragödien mit dem Rekordmeister - und er war stets zur Stelle, wenn ein Spieler Schmerzen hatte. Jetzt hört er beim FCB auf.

Von 1975 bis 1977 arbeitet Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mitte, bereits als Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, wird allgemein bekannt aber erst nach seinem Wechsel nach München. Dort sitzt er ab Februar 1977 neben zahllosen Trainern auf der Bank. Der erste ist Dettmar Cramer, rechts.
Am 2. Dezember 1977 kommt es zu einem spektakulären Trainertausch zwischen den Bayern und Eintracht Frankfurt. Gyula Lorant, ganz rechts, und Cramer übernehmen beim jeweils anderen Klub. Unter Lorant platzieren sich die Bayern so schlecht wie nie zuvor oder danach in der Bundesliga, werden 1977/78 Zwölfter.
Am 12. Dezember 1978 beerbt Lorants Assistent Pal Csernai seinen Landsmann. Müller-Wohlfahrt, ganz links, erlebt bereits seinen dritten Bayern-Trainer in etwas mehr als einem Jahr. Uli Hoeneß, Mitte, wechselt als 27-Jähriger im Mai 1979 vom Spielfeld ins Manager-Büro.
Zehn Jahre später feiert Müller-Wohlfahrt mit Jupp Heynckes und dessen damaligem Co-Trainer Egon Coordes, Mitte, nach 1980, 1981, 1985, 1986 und 1987 bereits seine sechste Meisterschaft mit dem FC Bayern. Für den späteren Triple-Gewinner Heynckes ist es damals die erste.
Der einzige Trainer, der Müller-Wohlfahrt das Vertrauen als Mannschaftsarzt entzieht, ist Pep Guardiola. Das Bild aus dem November 2014 täuscht. Müller-Wohlfarth zieht sich Mitte April 2015 als Mannschaftsarzt zurück und kehrt erst Ende November 2017 zurück. Unter Guardiola arbeitet derweil Volker Braun weiter.
Ab November 2017 gilt also beim FC Bayern wieder das, was seit 1977 gegolten hat: Über die Gesundheit der Stars wacht Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Mit Weltmeister Jupp Kapellmann betreut Müller-Wohlfahrt damals im Kader sogar einen angehenden Mediziner. Kapellmann arbeitet später als Orthopäde in Rosenheim, Saudi-Arabien und Thüringen.
Hoeneß und Paul Breitner, 1974 gemeinsam mit Kapellmann Deutscher Meister, Europapokalsieger der Landesmeister und Weltmeister, genießen mit Arzt Müller-Wohlfahrt am Flughafen einen Imbiss. Am gleichen Tag, dem 6. Juni 1981, werden die Bayern durch ein 4:1 in Mönchengladbach vorzeitig Deutscher Meister.
Die Imbisstheke aber ist nicht der Arbeitsplatz Müller-Wohlfahrts, vor allem an Spieltagen nicht. Da heißt es im Notfall immer wieder, schnell beim Verletzten zu sein. So wie hier während des Bundesliga-Gipfels am 13. April 2008 gegen Borussia Dortmund (5:0). Mit dabei ist Masseur Fredi Binder.
Einer der berühmtesten Patienten ist am 1. Mai 1982 Bayerns Mittelstürmer Dieter Hoeneß. Nach einem Zusammenprall mit dem späteren Bayern Alois Reinhardt setzte Hoeneß das Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg in Frankfurt am Main mit einem Turban fort.
Hoeneß, im Vordergund der ebenfalls verarztete und blutende Reinhardt, schafft an diesem Nachmittag im Waldstadion ikonische Bilder und wird zum Helden. Sein Kopfball sorgt für den 4:2-Endstand für die Bayern. Sie haben einen 0:2-Rückstand umgebogen.
Müller-Wohlfahrt muss in seiner mehr als 40-jährigen Laufbahn als Bayern-Doc immer wieder während des Spiels eingreifen, blutende Wunden stillen, Schmerzen lindern und erste Diagnosen stellen. Eine kleine Auswahl: Calle del'Haye am 31. Mai 1983 im Duell mit der Weltauswahl (2:3) anlässlich des Abschieds von Breitner. In der 61. Minute ersetzt Bernd Martin Del'Haye.
Raimond Aumann, damals die Nummer eins im Tor und heute Fan-Beauftragter, erwischt es am 8. März 1986 beim 2:3 daheim gegen Fortuna Düsseldorf schwer. Aumann fällt nach einem Kreuzbandriss im Knie anderthalb Jahre lang aus.
Aumanns Pech spült den vorherigen Stammtorwart Jean-Marie Pfaff zurück ins Tor. Der Belgier muss sich hier beim 0:0 in Leverkusen am 16. Mai 1987 von Müller-Wohlfahrt im laufenden Spiel behandeln lassen.
1991/92 ist Weltmeister Thomas Berthold, im Gegensatz zur Saison 1992/93, noch Stammspieler, muss aber am 4. April 1992 beim 4:2 bei den Stuttgarter Kickers in der 74. Minute aufgrund einer Verletzung für Hans Pflügler Platz machen.
Am 15. September 1999 gelingen dem Brasilianer Paulo Sergio beim 2:1 über den PSV Eindhoven zum Start der Champions-League-Gruppenphase beide Bayern-Tore. In der 79. Minute muss er den Platz aber für Alexander Zickler räumen.
Bayerns Torwart Oliver Kahn spielt am 18. Oktober 2000 beim 2:0 über Paris St. Germain in der Champions-League-Gruppenphase trotz zwischenzeitlicher Probleme durch.
Beim 2:0 in Cottbus am 1. März 2003 scheidet Jens Jeremies bereits nach 28 Minuten aus. Ihn ersetzt der spätere Bayern-Trainer Niko Kovac.
Am 25. August 2007 gelingt Bayerns italienischer Torjäger Luca Toni in der 28. Minute das 1:0 beim 3:0 über Hannover 96. Doch nur drei Minuten später muss er verletzt raus. Sandro Wagner ersetzt ihn.
Arjen Robben erzielt am 12. Februar 2011 daheim gegen die TSG 1899 Hoffenheim noch die Tore zum 3:0 und zum 4:0 (63. und 81. Minute), ehe er nach einem Zusammenprall in der 84. Minute für Hamit Altintop Platz machen muss.
Schon nach 32 Minuten ist für Verteidiger Jerome Boateng das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am 10. November 2012 beendet. Daniel van Buyten kommt für den Nationalspieler aufs Feld.