Lothar Matthäus ist Rekordnationalspieler.
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Was war der Auslöser für den Streit? Ex-Bayern-Profi Lothar Matthäus kritisierte in seiner Sky-Kolumne den schlechten Stil, den die Bayern-Bosse bei der Entlassung von Julian Nagelsmann an den Tag gelegt hätten. "Einen Angestellten vor wenigen Tagen als Langzeitprojekt zu bezeichnen, um ihn dann zu feuern, finde ich nicht in Ordnung und hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun", fand Matthäus harte Worte. "Das 'Mia san mia' wird teilweise mit Füßen getreten."
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Die Antwort von Bayern-Vorstand Oliver Kahn folgte vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund. Zunächst bekräftigte der 53-Jährige aber erneut: "Es war von Anfang an klar, dass der Erste, der es erfahren soll, Julian Nagelsmann ist. Und auch nach diesem Leak haben wir das getan. Danach gab es keinen Kontakt mit irgendwelchen Medien." Er gestand aber auch ein, dass die Kommunikation durch das frühzeitige Bekanntwerden der Entlassung in den Medien eine "Katastrophe" gewesen sei.
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Als Sky-Moderator Sebastian Hellmann näher darauf eingehen wollte, nahm sich Kahn plötzlich Matthäus vor: "Ihr, die ihr hier immer steht und immer andauernd über den Verein sagt, er hätte keinen Stil und wo ist das 'Mia san mia' geblieben, da würde ich mal dich, Lothar, fragen: Was meinst du denn eigentlich mit 'Mia san mia', wenn du uns immer unterstellst, es gibt kein 'Mia san mia' mehr? Ich frage mich immer, was genau meinst du? Du setzt das einfach irgendwo in die Landschaft - und dann kann sich jeder aussuchen, was das zu bedeuten hat.“
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Matthäus versuchte zunächst, zu beschwichtigen, doch Kahn bohrte weiter. Was Matthäus dazu veranlasste, seine Aussagen etwas kryptisch zu verteidigen: "Hör zu: Ich kenne auch viele Leute beim FC Bayern, mit denen sitzt du an einem Tisch. Ich kenne Leute, die du vielleicht gar nicht kennst beim FC Bayern."
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"Aber das sind doch keine Argumente: 'Ich kenne Leute'", konterte Kahn. Woraufhin Matthäus erwiderte: "Mit denen unterhalte ich mich auch. Ich habe auch nicht gesagt, dass es schlechter geworden ist. Ich habe nur gesagt, dass es anders geworden ist." Und wieder Kahn: "Weiß ich nicht, ob es anders geworden ist, Lothar. Vielleicht leidet hier ja der eine oder andere ein bisschen an Erinnerungsverzerrung. Auch zu unserer Zeit - du kannst dich wahrscheinlich noch erinnern - gab es immer wieder Entscheidungen, die nicht einfach waren und die für den Erfolg dieses Vereins getroffen werden müssen."
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Matthäus witterte da bereits ein Ablenkungsmanöver des Bayern-Vorstands. Er gehe auf einen Nebenschauplatz ein, weil er der Frage ausweichen wolle, warum die Bayern Nagelsmann nicht rechtzeitig kontaktiert hätten.
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Mit dem Ende des Gesprächs war der Streit aber nicht vorbei, denn schon in der Halbzeit legte Matthäus bei T-Online noch einmal nach: "Ich weiß, dass Oliver Kahn lügt. Die zeitliche Abfolge, so wie sie Kahn schildert, passt nicht zusammen." Und weiter: "Bayern war längst mit Tuchel klar. Deshalb wurde es ja auch aus Italien geleakt. Und wenn ich Julian Nagelsmann im Urlaub nicht telefonisch erreiche, dann fahre ich eben zu ihm nach Südtirol und rede dort mit ihm."
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Und wieder reagierte Kahn auf die Vorwürfe: "Lothar hat sich nach seiner Karriere ja zum Chefkritiker des deutschen Fußballs aufgeschwungen. Wenn man ihn dann aber mal selbst kritisiert, kann er damit nicht umgehen und lässt sich zu halt- und stillosen Aussagen hinreißen. So ist Lothar, das wird sich auch nicht ändern", erklärte er bei Bild TV.
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Nagelsmanns Berateragentur "Sports 360" widersprach Kahns Aussagen und ließ verlauten, es habe bei der Entlassung "keinen Kontaktversuch und keinen Kontakt der Bayern" gegeben. "Das Management von Julian Nagelsmann hat selbst nach diversen Gerüchten in den Medien bei Hasan Salihamidzic angerufen."
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Rückendeckung bekam Kahn wenig überraschend von Sportvorstand Hasan Salihamidzic: "Oliver Kahn hat absolut die Wahrheit gesagt. Und dafür lege ich auch meine Hand ins Feuer! Genau so habe ich das auch auf der Pressekonferenz erklärt, genau so habe ich das auch im Doppelpass erklärt. Ich sehe auch nicht, dass wir da weiter drüber sprechen müssen. Das sind Fakten, die stehen. Das entspricht der Wahrheit!"
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Auch Bayern-Präsident Herbert Hainer äußerte seinen Unmut über die Vorwürfe: "Lothar Matthäus kritisiert uns in letzter Zeit ja sehr oft und hart. Das ist sein Job als Kommentator. Was gestern passiert ist, geht deutlich zu weit und da hat er auch eine Grenze überschritten. Ich verstehe überhaupt nicht, wieso Lothar solche Unterstellungen macht", sagte er gegenüber Magenta Sport.
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Auch Hermann Gerland, ehemaliger Co-Trainer des FC Bayern, schaltete sich am Sonntag im Doppelpass in die Debatte ein. "Ich würde sagen, das 'Mia-san-mia'-Gefühl ist anders, als es noch vor zehn Jahren war. Ich habe mich da nicht mehr gesehen", sagte er über seinen Abschied vom FC Bayern im Jahr 2021. Und fand wiederum kritische Worte für Sportvorstand Salihamidzic: "Es passiert doch, dass sich zwei Menschen nicht abkönnen. Ich hatte mit Hasan Probleme."
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Es wäre wohl kein echtes Bayern-Drama, wenn sich nicht auch noch Uli Hoeneß zu Wort gemeldet hätte: "Julian Nagelsmann hätte nach der Niederlage in Leverkusen nicht in den Skiurlaub fahren dürfen. Wäre er in München geblieben, hätte man sich am Montag oder Dienstag zusammengesetzt und gesprochen. Und, wer weiß, was dann passiert wäre?", fragte sich der Ex-Präsident im Kicker.
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Zudem gab es von Hoeneß noch einen Seitenhieb gegen Matthäus: "Ich sehe kein Problem für den FC Bayern, sondern eher für Lothar Matthäus. Er muss seine Aussagen beweisen."
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Der äußerte sich in seiner neuesten Kolumne etwas selbstkritischer: "Dass der Klub das 'Mia san mia' mit Füßen tritt, war vielleicht etwas zu harsch von mir formuliert", so Matthäus. Aber: "Ich behaupte, dass ich die Bayern korrekt beurteile. Sie beschweren sich jedoch immer nur, wenn ich kritisch bin. Ich mache nur meinen Job, und den, so gut ich kann. Mit Herzblut und Leidenschaft. Genauso wie Oliver den als Bayern-Chef."