Die Leiharmee des FC Bayern: So läuft es für die Talente des deutschen Rekordmeisters

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Von
Ludwig Horn

Leihgeschäfte sind nicht erst seit der Corona-Pandemie im Profifußball in Mode. Auch der FC Bayern hat einige seiner Spieler verliehen, damit sie bei anderen Klubs Spielpraxis sammeln. Wie schlagen sich Mickaël Cuisance, Adrian Fein und Co. bei ihren Leihklubs?

Im Oktober 2020 wechselte Cuisance deswegen für ein Jahr in die Heimat zu Olympique Marseille. Dort sammelt er regelmäßig Spielpraxis in der Liga sowie in der Champions League, wo Marseille allerdings in der Gruppenphase ausschied. Nach der einjährigen Leihe besitzt Marseille Berichten zufolge eine Kaufoption in Höhe von 18 Millionen Euro. OM-Trainer Andre Villas-Boas sprach bereits im November davon, diese gerne ziehen zu wollen.
Adrian Fein: Der Münchner spielt seit er sieben Jahre alt ist beim FC Bayern und wurde bereits mehrmals ausgliehen. Nach Stationen bei Jahn Regensburg sowie dem Hamburger SV war auch in dieser Saison die Konkurrenz im Bayern-Mittelfeld zu groß.
Ebenfalls im Oktober 2020 verließ Fein den FCB auf Leihbasis. Für ein Jahr schnürt der 21-Jährige seine Fuballschuhe nun für den Götze-Klub PSV Eindhoven. In der niederländischen Eredivisie kam er bisher regelmäßig zum Einsatz, ist aber noch kein Stammspieler. Trotzdem sollen die Bosse von PSV mit einer Verpflichtung liebäugeln. Der Verein besitzt wohl eine Kaufoption in Höhe von sechs Millionen Euro. Dem niederländischen Reporter Robin Jongmans zufolge, ist die sportlich Führung "sehr zufrieden" mit Feins Entwicklung. "Jeder hat in den kurzen Momenten, in denen er in Aktion war, gesehen, dass er Fußball spielen kann", führte Jongmans aus.
Leon Dajaku: Der 19-Jährige wechselte im Juli 2019 vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München, wo er hauptsächlich in der zweiten Mannschaft in der 3. Liga zum Einsatz kam. Er bestritt, ebenso wie in der aktuellen Saison, wenige Kurzeinsätze für die Profis.
Im Januar 2021 wechselte Dajaku auf Leihbasis zum 1. FC Union Berlin. Dort soll der in der Offensive flexibel einsetzbare Deutsche in den nächsten eineinhalb Jahren Spielpraxis sammeln. Die Eisernen besitzen außerdem eine Kaufoption.
Oliver Batista-Meier: Der Deutsch-Brasilianer wechselte im Sommer 2016 als vielversprechendes Talent von der Jugend des 1. FC Kaiserslautern für stattliche 500.000 Euro Ablöse zum FC Bayern. Dort feierte er im Mai 2020 sein Bundesliga-Debüt. Wie für die meisten jungen Spieler beim FCB war aber auch für den 19-Jährigen kein Platz in der stark besetzten Münchner Offensive.
Spielpraxis soll Batista-Meier nun in der Eredivisie beim SC Heerenveen sammeln. Dort kommt er seit seinem Wechsel im September regelmäßig im offensiven Mittelfeld zum Einsatz und steuerte einige Torbeteiligungen bei. Über eine Kaufoption ist nichts bekannt; Batista-Meier soll nach der einjährigen Leihe wohl erst mal nach München zurückkehren.
Lars Lukas Mai: Seit seinem 15. Lebensjahr durchläuft der gebürtige Dresdner die Jugendmannschaften des FC Bayern. Bereits im Frühjahr 2018 feierte der damals 18-Jährige sein Debüt in der Bundesliga. Der Durchbruch in der ersten Mannschaft gelang ihm seitdem allerdings nicht. In der vergangenen Saison wurde er ausschließlich in der zweiten Mannschaft in der 3. Liga eingesetzt.
Den nächsten Schritt soll Mai in der 2. Liga bei Darmstadt 98 gehen. Dort ist der 20-Jährige unumstrittener Stammspieler und überzeugte so sehr, dass ihn Stefan Kuntz im Oktober erstmals in die U21-Nationalmannschaft einlud. Mai soll nach einer Saison zum FC Bayern zurückkehren, wo er seinen Vertrag noch vor der Leihe bis 2023 verlängerte. Aufgrund seiner starken Leistungen liegen dem Abwehrhünen laut der Gazzetta dello Sport allerdings wohl gleich mehrere Anfragen aus dem Ausland vor.
Sarpreet Singh: Der 21-Jährige wechselte zur Saison 2019/20 zum FC Bayern. Sein Bundesligadebüt gab er im Dezember 2019. Damit wurde er zum ersten in der Bundesliga eingesetzten Neuseeländer seit Wynton Rufer vor 25 Jahren. Hauptsächlich kam Singh allerdings bei der zweiten Mannschaft in der 3. Liga zum Einsatz und hatte dort starke Scorerwerte.
Den nächsten Schritt soll Singh in der 2. Liga gehen. Der FCB verlieh ihn zur Saison 2020/21 daher für ein Jahr an den 1. FC Nürnberg. Eine Kaufoption besteht wohl nicht. Beim FCN kam Singh zunächst hauptsächlich als Ergänzungsspieler zum Einsatz. Seit Ende 2020 findet er sich aber auch regelmäßig in der Startelf wieder.
Christian Früchtl: Der Torwart spielt seit 2014 beim FC Bayern und kam in der vergangenen Saison regelmäßig in der zweiten Mannschaft zum Einsatz, trainierte allerdings bei den Profis. Der 20-Jährige, der regelmäßig betont, in Zukunft die Nummer eins im Bayern-Tor werden zu wollen, dürfte bis dahin noch einen weiten Weg vor sich haben. An Manuel Neuer und Alexander Nübel ist aktuell kein Vorbeikommen.
Um Spielpraxis zu sammeln, wechselte Früchtl (r.) ebenfalls leihweise zum 1. FC Nürnberg in die 2. Liga. Dort bestritt er bisher allerdings kein Pflichtspiel und ist hinter Christian Mathenia nur die Nummer zwei. Das haben er und der FC Bayern sich sicher anders vorgestellt. Früchtl muss wohl eher aufpassen, dass er nicht von Ron-Torben Hoffmann in der Rangfolge der Münchener Torwart-Talente überholt wird. Dieser hütet derzeit das Tor der zweiten Mannschaft von Bayern.
Marvin Cuni: Der 19-jährige Stürmer spielt seit 2016 für die Bayern-Jugend. Um ihm Spielpraxis im Herrenbereich zu ermöglichen, wurde er im Sommer 2020 ausgeliehen.
Ihn verschlug es zur SG Sonnenhof Großaspach in die Regionalliga Südwest. Dort ist er Stammspieler und trägt sich regelmäßig in die Torschützenliste ein.
Jonas Kehl: Der 19-jährige Linksverteidiger wechselte im Jahr 2015 zum FC Bayern und durchlief dort die Jugendmannschaften.
Kehl ergeht es ähnlich wie Marvin Cuni. Im vergangenen Sommer ließ er sich für ein Jahr in die Regionalliga Südwest zum SSV Ulm verleihen. Dort kommt er regelmäßig zum Einsatz und zeichnet sich unter anderem als Vorlagengeber aus.
Jakob Mayer: Bereits im Alter von zwölf Jahren kam der Torhüter im Sommer 2013 in die Jugend des Deutschen Rekordmeisters. Ende Januar 2020 wurde er in die Regionalliga Bayern verliehen.
Dort soll Mayer beim TSV 1860 Rosenheim, wo einst auch Bastian Schweinsteiger sechs Jahre in der Jugend verbrachte, im Herrenfußball Spielpraxis sammeln. Wegen der coronabedingten Wettbewerbsunterbrechung kam er dort erst zweimal zum Einsatz. Derzeit ruht der Spielbetrieb wieder. Sein Leihvertrag wurde daher bereits bis Sommer 2021 verlängert.
Jahn Herrmann: Der 20-jährige offensive Mittelfeldspieler spielt seit 2016 in der Bayernjugend und bestach dort immer wieder mit starken Scorerwerten.