Rudi Völler wird 60: "Du sitzt locker hier und hast schon drei Weizenbier getrunken"

Rudi Völler feiert 60. Geburtstag - und ist nicht nur in Erinnerung geblieben wegen seines Wutanfalls im Live-Fernsehen. Wir blicken zurück auf die zahlreichen Erfolge einer großartigen Karriere, die auch nicht durch eine fiese Spuck-Attacke gestoppt werden konnte. Happy Birthday, Tante Käthe!

Rudi Völler feierte am 13. April 2020 seinen 60. Geburtstag. Wir blicken zurück auf die steile Karriere von "Tante Käthe", wie Völler wegen seiner schon frühzeitig ergrauten Haare liebevoll genannt wird.
Seine erste Trophäe: Rudi Völler wird im Trikot des TSV 1860 München Torschützenkönig der 2. Bundesliga (1981/82, 37 Tore). Weil die Löwen den Aufstieg verpassen, wechselt Völler zu Werder Bremen in die Bundesliga und wird auch dort auf Anhieb Torschützenkönig (1982/83, 23 Tore, Foto).
Ein folgenschweres Foul Klaus Augenthalers gegen Rudi Völler am 23. November 1985 (16. BL-Spieltag): Bremen gastiert als Tabellenführer beim Titelverteidiger und Tabellendritten in München, hat drei Punkte Vorsprung auf die Bayern. Die niederschmetternde Diagnose lautet Adduktorenabriss im linken Oberschenkel. In der 28. Minute muss Frank Neubarth den verletzten Völler beim Stand von 1:0 für den FC Bayern ersetzen. Nach dem Bayern-Sieg kontert Völler in einem Interview mit dem "Spiegel": "Wenn man so aggressiv und brutal spielen muss, wie die Bayern gegen uns, um deutscher Fußballmeister zu werden, dann verzichte ich lieber auf den Titel."
Spuck-Attacke Frank Rijkaards im Achtelfinale der WM 1990 gegen die Niederlande. Beide fliegen mit Roter Karte in der 22. Minute vom Platz. Anschließend stürmt Jürgen Klinsmann allein, trifft zum 1:0 für Deutschland und macht das Spiel seines Lebens. Der spätere Weltmeister setzt sich mit 2:1 durch. Rijkaard entschuldigt sich bei Völler sechs Jahre später per Brief. Die offizielle Versöhnung findet im Rahmen eines gesponserten Frühstücks in Bergisch-Gladbach statt.
Im Endspiel holt Völler in seinem Heimstadion in Rom gegen den Argentinier Roberto Sensini in der 83. Minute den entscheidenden Elfmeter heraus, den Andreas Brehme in der 84. Minute zum 1:0-Sieg verwandelt.
26. Mai 1993: Rudi Völler gewinnt mit Olympique Marseille in München mit einem 1:0 über den AC Mailand die Champions League.
Völler tritt nach seinem 85. Länderspiel (14. Oktober 1992 in Dresden, 1:1 gegen Mexiko, Tor durch Völler) aus der Nationalelf zurück, feiert aber am 29. Mai 1994 in Hannover gegen Irland bei einem 0:2 sein Comeback. Bei der WM 1994 in den USA führt er die Nationalelf als Kapitän an, scheitert aber im Viertelfinale mit 1:2 an Bulgarien.
Völler kehrt im Sommer 1994 als 34-Jähriger aus Marseille in die Bundesliga zurück und trifft für Bayer in 62 Bundesligaspielen noch 26 Mal und legt 17 Treffer auf. Unvergessen bleibt sein Abschied aus der Bundesliga am 18. Mai 1996 gegen den 1. FC Kaiserslautern, als beiden Klubs der Abstieg droht. Die Mannschaftskapitäne sind die alten Weltmeister-Freunde Völler (Leverkusen) und Brehme (Lautern). Lautern muss gewinnen, um den Abstieg zu verhindern, doch Völlers eingewechselter Kollege Markus Münch rettet Leverkusen mit seinem Ausgleich zum 1:1 in der 82. Minute. Anschließend tröstet Völler den zuvor verletzten, weinenden Brehme im Fernsehstudio.
Leverkusens damaliger Sportdirektor Völler wird nach dem deutschen EM-Aus 2000 überraschend Teamchef des DFB und startet am 16. August 2000 in Hannover vielversprechend mit einem 4:1 über Spanien. Völler soll nur bis 2001 im Amt bleiben, sein Leverkusener Trainer Christoph Daum (r.) dann übernehmen. Daum aber stolpert im Oktober 2000 über eine positive Doping-Haarprobe - Völler macht also weiter.
Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea schafft es die Nationalmannschaft trotz spielerischer Beschränktheit vor allem dank Torwart Oliver Kahn und Kapitän Michael Ballack bis ins Endspiel gegen Brasilien. Ohne den gesperrten Ballack verliert die DFB-Elf ihr bestes Turnierspiel durch zwei Patzer Kahns mit 0:2 gegen Brasilien. Daheim in Deutschland werden Völler und seine Jungs wie die Weltmeister gefeiert.
Anders nach der EM 2004. Völler scheitert mit seiner Mannschaft nach einer sieglosen Vorrunde (1:1 gegen die Niederlande, 0:0 gegen Lettland und 1:2 gegen Tschechien). Mit entschuldigend ausgebreiteten Armen steht er am 23. Juni 2004 nach dem Aus gegen Tschechien vor dem deutschen Fanblock - es ist Völlers 53. und letztes Länderspiel als DFB-Teamchef.
Die Fans feiern Völler jedoch mit dem Hit: "Es gibt nur ein' Rudi Völler, ein' Rudi Völler!", nennen ihn "Tante Käthe" und den "Grauen Wolf".
Völler neigt nach seiner Rückkehr auf den Posten des Sportdirektors bei Bayer Leverkusen im Jahr 2005 zu Wutausbrüchen, die gerne Schiedsrichter treffen.
Das Trainer-Intermezzo Völlers zwischen dem 30. August und dem 25. September 2004 bei seinem Ex-Klub AS Rom als Nachfolger Cesare Prandellis endet nach nur einem Sieg aus fünf Spielen. Völlers Nachfolger wird Luigi Delneri.
Seit Juli 2018 ist Völler nun Geschäftsführer Sport bei seiner alten Liebe Bayer 04 Leverkusen.
Es gibt halt wirklich nur den "Einen". Alles Gute, Rudi!