Für Uli Hoeneß wird es auch nach seinem Rückzug vom Präsidentenposten beim FC Bayern München keinen Ruhestand geben. Sein spontanes Hineinplatzen in einen Fußball-Talk war nur der Anfang eines Comebacks. Sagt er selbst.

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Über das 4:0 seines FC Bayern gegen Borussia Dortmund freute sich Uli Hoeneß wie ein kleiner Junge über das neue Bayern-Trikot als Weihnachts-Geschenk.

Eine "weltklasse" Leistung attestierte der 67-jährige Präsident des Rekordmeisters dem gleichen Personal, das nur sechs Tage zuvor durch ein blamables 1:5 in Frankfurt den Rauswurf von Cheftrainer Niko Kovac vorbereitet hatte.

Uli Hoeneß' letztes Bayern-Spiel als Präsident

Einen besseren Zeitpunkt und einen passenderen Gegner für eine beeindruckende sportliche Wiedergeburt hatte es für die Bayern nicht geben können. Das betonte der sichtlich aufgekratzte Hoeneß in jedes Mikrofon, das ihm an jenem Abend, den er nie vergessen werde, hingehalten wurde.

Hoeneß hatte gerade letztmals als Präsident des Klubs, den er im Frühsommer 1979 - nach eigenen Worten - als "kleinen Verein" übernommen hatte, ein Bundesligaspiel verfolgt.

Die Jahreshauptversammlung am 15. November wird Hoeneß nur noch als Mitglied des Aufsichtsrats verlassen. Der langjährige adidas-Chef und bisherige Stellvertreter von Hoeneß als Boss des Aufsichtsrats, Herbert Hainer, soll das Präsidentenamt übernehmen.

Uli Hoeneß ist die "Glucke" des FC Bayern München

Doch Hainer ist nicht Hoeneß, und weil der FC Bayern das Werk und die Familie von Hoeneß ist, fühlt er sich verpflichtet, sie auch fortan gegen Attacken von außen mit Gegenattacken zu verteidigen: "Ich werde den Verein wie eine Glucke bewachen", kündigte der Weltmeister von 1974 am Sonntagabend nach dem Heimsieg der Bayern-Basketballer gegen Alba Berlin an.

Einen Vorgeschmack hatten alle Zuschauer des Bundesliga-Talks "Doppelpass" in Sport1 am Sonntagvormittag erhalten.

Ein hörbar erzürnter Hoeneß schaltete sich per Telefon in die Sendung ein, die seit 2015 der ehemalige Bayern-Kapitän Thomas Helmer moderiert.

Hoeneß missfiel der Umgang der Expertenrunde mit dem Sportdirektor des FC Bayern. "Ich habe Folgendes auf dem Herzen, dass sich große Teile der Runde total despektierlich über Hasan Salihamidzic äußern", erklärte Hoeneß.

Er warb intensiv für den 42-Jährigen, der seit Ende Juli 2017 beim FC Bayern das Amt als Sportdirektor ausübt und über dessen Beförderung zum Sportvorstand am heutigen Montag entschieden werden soll.

Eine Einladung in die nächste Sendung, die Helmer aussprach, ließ Hoeneß offen. Er machte seine Zusage von der "Qualität" derer abhängig, die dann eingeladen seien.

Als Hoeneß ("Seit gestern bin ich euphorisch") sich sehr fröhlich verabschiedend aufgelegt hatte, nahm Sport1-Experte Marcel Reif die Vorlage auf und sagte: "Der FC Bayern wird Uli Hoeneß auch in der Zukunft brauchen - und das, wofür er steht."

Uli Hoeneß hat die Journalisten vorgewarnt

"Der eine oder andere Journalist wird sich jetzt schon gefallen lassen müssen, dass ich die Abteilung Attacke wieder ausfahre, jetzt, wo ich dann keine offizielle Funktion mehr habe", bestätigte Hoeneß diese Vermutung indirekt Stunden später nach dem Basketball-Kracher. Das habe er "den Herren" für den Fall, er vernehme Unsachliches, schon angekündigt.

Frei nach dem Motto, das Hoeneß bereits im Mai 2014 vor dem Antritt seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung kämpferisch in die Runde der jubelnden Menge während der Jahreshauptversammlung geschleudert hatte: "Das war's noch nicht!"

Mit Material der dpa
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