Borussia Dortmund muss sich nach dem Champions-League-Aus an der eigenen Nase packen, damit zumindest die Qualifikation für die nächste Saison gelingt. Und dann bleibt da noch die Frage, wie treu Spitzenkicker Haaland dem Verein nach so einer Saison tatsächlich ist.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
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Mit dem Viertelfinal-Aus in der Champions League beginnt für Borussia Dortmund jetzt der Charaktertest in zwei Teilen. Teil eins: Reißt sich die Mannschaft an den verbliebenen sechs Bundesliga-Spieltagen so zusammen, dass in letzter Sekunde die Qualifikation zur Champions League 2021/22 doch noch gelingt? Dann wäre die Saison halbwegs gerettet.

Gelingt die Aufholjagd bei sieben Punkten Rückstand auf Tabellenplatz vier jedoch nicht, beginnt Teil zwei beim Charaktertest: Welche Spieler halten dem Verein bei einem Jahr ohne Champions League die Treue? Unweigerlich richtet sich dabei der Blick auf Top-Torjäger Erling Haaland: Es ist unumstritten, dass er irgendwo Königsklasse spielen will - aber sein BVB-Vertrag läuft bis 2024.

Seine ominöse Ausstiegsklausel greift erst 2022. Folglich hat er die vertraglich festgehaltene Pflicht, mit dem BVB das eine Jahr im Liga-Alltag durchzustehen. Dass er das tut und nicht seinen windigen Berater Raiola auf Vereinssuche schickt, gilt - warum auch immer - als unwahrscheinlich. Vermutlich traut man modernen Profispielern keine Vereinstreue zu.

Nach CL-Aus: Erling Haaland könnte alle überraschen

Hier könnte Haaland alle Unkenrufer überraschen: Ein unmissverständliches Bekenntnis zu Borussia Dortmund widerspräche nicht nur dem Branchengesetz, wonach jeder Spieler eine Ich-AG zu sein hat. Er würde jenen Fußballfans eine Bestätigung liefern, die von Anfang an gesagt haben, dass er ein ganz besonderer Spielertyp ist. Ist das zu viel verlangt?

Haaland war ja auch deswegen nach Dortmund gekommen, weil er hier die besten Voraussetzungen für seine weitere Entwicklung im Sturmzentrum gesehen hat. Einerseits kann man sagen: Dazu ist die Champions League zwingend notwendig. Andererseits aber auch: Er lernt, mit der Konsequenz seines Handelns klarzukommen; er war ja am Scheitern des BVB beteiligt.

Ist so eine unverblümte Forderung naiv? Sicherlich. Sein Management wird in den nächsten Wochen die Gespräche mit den BVB-Bossen vertiefen und ausloten, ob der Abgang nach nur anderthalb Jahren ermöglicht wird. Das Trennungsgeld wäre sehr hoch, so um die 100 bis 150 Millionen Euro. Aber man würde noch mehr verlieren: den guten Glauben, dass der eine anders ist.

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Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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