Sieben Funktionäre werden festgenommen, in der Fifa-Zentrale beschlagnahmt die Polizei WM-Dokumente. Der Weltfußballverband sieht sich mit dem größten Skandal seiner Geschichte konfrontiert. Mittendrin: Präsident Sepp Blatter, den viele persönlich zur Verantwortung ziehen wollen.

Die nationalen und internationalen Pressestimmen zum Fifa-Skandal und den Festnahmen wegen Korruptionsverdacht:

11 Freunde: "Korruption, Geldwäsche, organisierte Kriminalität - Das FBI entlarvt die Fifa als Mafia, gegen 14 Funktionäre wird ermittelt. Mittendrin: Sepp Blatter als Danny de Vito und Walter de Gregorio als nasses Handtuch. Machte ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte."

Süddeutsche Zeitung: "Die Ermittlungen gegen die Fifa gehen jeden etwas an, dem der Fußball am Herzen liegt. Sepp Blatters Männerbund muss gezwungen werden, sich mit dem Rechtsverständnis der realen Welt zu befassen. Auf eine Reform von innen hat man lange genug gewartet."

Die Welt: "Zwei Tage vor der Wahl des Fifa-Präsidenten hat die Schweizer Polizei neun Funktionäre des Fußball-Weltverbandes festgenommen. Der Zugriff in Zürich, der auf Wunsch der US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden erfolgte, bedeutet ein Erdbeben für den internationalen Fußball. Denn klar ist: Nun wird das korruptionsverseuchte internationale Fußballgeschäft ernsthaft untersucht."

Spiegel Online: "Zu oft haben sich staatliche und Kriminalbehörden sowie Politiker in eigentlich allen Ländern einlullen lassen. Zu oft haben sie durch Lobbyarbeit im Sinne der Fifa und anderer Verbände, durch Unterlassung und Wegsehen die Geschäfte der Funktionärsclique gestärkt. Noch ist es verfrüht, diesen 27. Mai als Wendepunkt anzusehen. Und doch setzen diese Ermittlungen Maßstäbe."

Bild: "Unzählige Skandale, Korruptions-Vorwürfe und Rücktrittsforderungen sind an ihm krachend abgeprallt wie ein Ball von der Torlatte. Morgen wird er in seine 5. Amts-Periode gewählt werden, da kann er in der Tat ganz entspannt sein. Dass sieben Gefolgsleute nicht mitwählen können, weil sie festgenommen wurden, ist im Blatter-System dabei kaum der Rede wert. [...] Die kleinen Verbände schüttet er zu mit finanziellen Zuwendungen. Im Gegenzug müssen sie ihm ihre Stimme geben." [über Fifa-Chef Sepp Blatter]

Focus: "Es geht um angeblich 100 Millionen Euro Bestechungszahlungen. Es geht um den Vorwurf der organisierten Kriminalität gegen hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbands Fifa. Es geht aber auch um die Frage, was Franz Beckenbauer als ehemaliges und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach als aktuelles Mitglied der Fifa-Exekutive wissen - oder zumindest geahnt haben."

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Blatter muss abtreten! Jahrzehnte wirkte Joseph Blatter in entscheidenden Positionen des Weltfußballverbandes. Er arbeitete mit vielen dubiosen und inzwischen abgeurteilten Funktionären eng zusammen. Nun muss er die Verantwortung dafür übernehmen."

Kurier: "Berichte über Blatter und seine Machenschaften, alleine seine zutiefst freundschaftlichen Verbindungen zu den jetzt verdächtigten CONCACAF-Funktionären füllen Bücher und unzählige TV-Abende. Aber die Fifa schüttelt sich ab wie ein nasser Hund. Blatter denkt nicht an Rücktritt, wehrt sich damit gegen die Chance lückenloser Aufklärung. Weil er glaubt, Gott zu sein? Oder weil er weiß, dass der Gestank noch ärger wird, müsste er seine schützenden Hände erheben?"

Die Presse: "Wie ein alternder Monarch ohne Anbindung an die Realität marschiert Blatter durch sein Reich. So groß der Aufschrei in Europa auch sein mag, die große Mehrheit seines Fußballvolkes folgt ihm weiterhin. Das Prinzip ist einfach: Wer Geld bekommt, stimmt für den, der Geld schickt. Und so bekam das Wahlvolk von Guinea bis Guam materielle Sicherheit und das Gefühl, am Milliardenspektakel Weltfußball gleichberechtigt beteiligt zu sein. Widerspruch wurde durch den subtilen Hinweis ausgeschlossen, dass erst am Tag nach der Wahl über die Quoten der WM-Startplätze entschieden wird."

Neue Zürcher Zeitung: "Die Fifa wertet die jüngsten Vorfälle als positiv, weil diese ihre Bemühungen für mehr Glaubwürdigkeit stützten. Da ist der Wunsch Vater des Gedankens. Denn was auch immer am Donnerstag und Freitag am Fifa-Kongress beschlossen wird: Alles wird im Lichte der Ereignisse vom Mittwoch erscheinen – und die Fifa noch stärker im Ruch der Korruption stehen. Das wird auch die absehbare Wiederwahl Blatters negativ färben. Doch mit diesem Kollateralschaden muss er leben, schließlich trägt er die Verantwortung für jene Kultur, die er in seiner überlangen Amtszeit zumindest geduldet hat."

Blick: "Ist es der Tiefpunkt der Fußballgeschichte? Der endgültige Beweis dafür, wie korrupt und marode das System Fifa ist? Ist es das Signal für den 79-jährigen Sepp Blatter, den Weg frei zu machen? Um der Welt zu beweisen, dass es nicht um ihn, sondern um seinen geliebten Sport geht? Um hinzustehen und die Verantwortung zu übernehmen für das, was in seinem Laden schiefläuft? Oder ist es ein guter Tag für den Fußball? Eher ein Indiz dafür, dass die Reformbemühungen der Fifa greifen? Dass Präsident Blatter der strenge Vater ist, der seinen bösen Buben in der Familie die Ohren lang zieht und endlich aufräumt? Es gibt keine einfachen Antworten auf diese Fragen. Blatter hat das System Fifa nicht erfunden."

Sydney Morning Herald: "Genug ist jetzt wirklich genug. Der Gestank des Dubiosen und der Korruption hängt schon viel zu lang über der Fifa. Die Organisation kann in ihrer aktuellen Form nicht weitermachen."

Washington Post: "Natürlich fliegen die Witze, aber es gibt auch widerwillige Bewunderung. [Blatter] wurde schon 'der dunkle Prinz des Fußball, der Godfather, Don Blatterone' genannt, aber er ist auch ein teflonbeschichteter Präsident."

Corriere della Sera: "Verhaftungen bei der Fifa: Die Herrschaft (und das System) von Sepp Blatter zerbricht."

(zusammengestellt von ank)