Australien entreißt den favorisierten Brasilianerinnen bei der Frauenfußball-WM in Frankreich nach einem 0:2-Rückstand den Sieg und triumphiert mit 3:2. Besonders sauer darüber ist Brasiliens Kapitänin Marta. Die beste Torschützin der WM-Geschichte attackiert die Schiedsrichterin aus der Schweiz und den deutschen Video-Assistenten.

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Das Temperament der Spielerinnen und Spieler aus Südamerika ist weithin bekannt. Marta macht da keine Ausnahme, obwohl sie ansonsten eine solche darstellt: Brasiliens beste Fußballerin sucht in den Augen vieler Beobachter mit ihrem Können weltweit ihresgleichen. Sechs Auszeichnungen als Weltfußballerin 2006, 2007, 2008, 2009, 2010 und 2018 sprechen für die 33-Jährige.

Wie Miro Klose: WM-Rekord mit 16 Toren

Im WM-Gruppenspiel gegen Australien in Montpellier schrieb Marta an ihrer beeindruckenden Vita weiter. Sie verwandelte einen Foulelfmeter in der 26. Minute zum 1:0 für Brasilien. Es war ihr 16. Tor bei einer WM-Endrunde, von denen sie vor dem Turnier in Frankreich bereits vier gespielt hat.

Trotzig zeigte sie nach ihrem Strafstoß auf ihren Schuh, den statt eines Marken-Logos ein Symbol für die Gleichberechtigung der Frauen ziert. Marta hatte vor dem Turnier erfolglos mit Ausrüstern verhandelt. Umso wichtiger war es der Routinierin, in diesem Moment des Triumphs unübersehbar auf ihre 16 WM-Tore hinzuweisen.

Mit dieser Rekordmarke hat Marta zu ihrem männlichen Pendant Miroslav Klose aufgeschlossen. Der Zufall wollte es, dass dem früheren deutschen Nationalstürmer dieses 16. Tor in Brasilien gelang, gegen Brasilien, im legendären WM-Halbfinale von 2014, das mit einem unfassbaren 7:1 endete.

Noch dazu verdrängte Klose mit Ronaldo vor dessen eigenen Augen damals einen Brasilianer, der das Geschehen von der Tribüne aus live verfolgte, vom Thron des treffsichersten WM-Schützen.

ZDF-Reporter Tibor Meingast versäumte es, Marta, die ihm nach dem Kick gegen Australien mit Hilfe eines Dolmetschers Rede und Antwort stand, zu ihrem historischen Tor zu beglückwünschen.

"Mein Gott, wie konntet ihr das vergessen? Ich habe jetzt auch 16 Tore geschossen, genau wie euer Klose. Das hättet ihr auch mal fragen können", beendete Marta die Unterredung.

Ohnehin war sie schon genervt vom 2:3 gegen die wehrhaften Australierinnen, von denen sie geglaubt hatte, sie mit ihrem 1:0 auf die Verliererstraße geschickt zu haben. Erst recht, weil Martas Kollegin Cristiane in der 38. Minute auf 2:0 erhöht hatte.

Verdient war dieser Zwischenstand nicht, und die wackeren Australierinnen bewiesen in der Folge, warum sie als Erzrivalinnen und Angstgegnerinnen der weiblichen Selecao gelten. Noch vor der Pause verkürzte Caitlin Foord auf 1:2.

Marta attackiert Staubli und Dankert

In den Augen Martas verdankten es die Australierinnen jedoch zu einem Gutteil der Schiedsrichterin Esther Staubli aus der Schweiz und deren deutschem Video-Assistenten Bastian Dankert, im zweiten Durchgang noch die Überraschung zum 3:2 geschafft zu haben.

Staubli war gut damit beschäftigt, auf Signale aus dem Videokeller in Paris zu reagieren und elfmeterverdächtige Situationen aufzuklären - und vor allem das entscheidende Tor.

Marta, die ihre letzte Chance, endlich Weltmeisterin zu werden, davonschwimmen sieht, musste dem Treiben auf dem Platz ab der 46. Minute von der Bank aus folgen. An ihrer Stelle spielte in der zweiten Halbzeit Ludmila.

Als Staubli das Eigentor von Monica in der 66. Minute trotz der passiven Abseitsstellung von Sam Kerr auch nach ausführlichem Studium der Videobilder anerkannte, verlor Marta als machtlose Zuschauerin die Contenance.

Marta wütet: "Das war so schlecht!"

Sie wütete anschließend: "Das war so schlecht! Wenn die Technik da ist, muss sie für beide Mannschaften gleichermaßen gelten. Das wurde heute nicht gemacht. Die Videos haben heute nur uns wehgetan", zitierte die "Bild"-Zeitung sie.

Dass sie damit nicht ganz richtig lag und vergaß, dass sich Dankert vor ihrem Elfmeter zum 1:0 auch ein mögliches Handspiel ihrer Mitspielerin Leticia Santos angeschaut hatte, ging in Martas Wut und Enttäuschung unter.

Sie hatte einen Deutschen eingeholt (Klose), sich über zwei Deutsche geärgert (Dankert und Meingast) und trifft, sollte Brasilien über Platz drei in der Gruppe C nicht hinauskommen, im Viertelfinale womöglich auf Deutschland.