Die niederländische Großgärtnerei Hendriks Gras hat einen Boykott der Fußball-WM in Katar angekündigt. Für die Organisatoren ist das ein schwerer Schlag – die Firma sollte den Rasen für die Stadien liefern.

Der Bericht des »Guardian« Ende Februar gab den Ausschlag. Die britische Zeitung hatte in dem Artikel eine Bilanz der Todesfälle beim Bau der Stadien in den vergangenen zehn Jahren gezogen. Die Autoren zählten insgesamt rund 6500 Arbeiter, die ihr Leben verloren hatten.

Während weltweit Fifa-Funktionäre, Verbände und Beteiligte immer wieder dazu aufrufen, an der Fußball-WM in dem Wüstenstaat festzuhalten, zieht ein Unternehmen jetzt die Konsequenzen. Wie das Deutschlandradio mit Bezug auf den regionalen Nachrichtensender "1Limburg" berichtet, will der Rasenproduzent Hendriks Gras aus dem grenznahen Heythuysen die WM-Stadien in Katar nun doch nicht mit Rasen ausstatten.

Man habe sich aufgrund der Menschenrechtssituation in dem Golfstaat dazu entschlossen, keinen Rasen für die Spielfelder in den Stadien zu liefern und zu verlegen, heißt es in der Pressemitteilung des Familienunternehmens. »Wir haben gesehen, was da vor sich geht. Wir wussten, dass bei den Arbeiten Menschen ums Leben gekommen sind, aber die Zahl von sechseinhalbtausend hat uns enorm erschrocken«. Hendriks hatte auch für das Sommermärchen 2006 in Deutschland und die letzten drei Europameisterschaften den Rasen geliefert.

In den sozialen Netzwerken erntete der Gartenbaubetrieb viel Zustimmung für die Entscheidung. »Ein Betrieb für Gras und mit Rückgrat!«, erklärte ein Nutzer auf Twitter. »Applaus für Hendriks, für die Geld nicht das Einzige ist, was zählt!«

Je näher die WM rückt, desto größer wird der Druck auf alle, die sich trotz der viel beschriebenen Missstände in Katar daran beteiligen. Auch die Politik kann sich dem immer weniger entziehen. So hat das niederländische Außenhandelsministerium eine für Ende dieses Monats geplante Reise großer Unternehmen nach Katar kurzfristig abgesagt. Und bereits im Februar hatte das Parlament entschieden, dass der König und der Ministerpräsident dem Turnier fernbleiben sollen.  © DER SPIEGEL

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