Der amtierende Europameister Deutschland geht als einer der Favoriten in die Handball-WM 2017. Doch die Konkurrenz ist stark. Das sind die Favoriten des Turniers.

Bundestrainer Dagur Sigurdsson erwartet eine umkämpfte Weltmeisterschaft. "Es gibt nicht den einen großen Favoriten", sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. "Es gibt sicherlich sechs oder sieben Mannschaften, die Weltmeister werden könnten. Wir wollen dazugehören."

Diese Nationen haben neben dem deutschen Team die besten Chancen auf den Titel.

Frankreich: Gastgeber mit umstrittenen Weltstar

Frankreich ist eine Handball-Macht. Fünfmal wurden die Franzosen Weltmeister, dreimal Europameister, zweimal Olympiasieger. Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land soll der nächste Triumph folgen. Immerhin haben Staat und Verband rund 20 Millionen Euro in die WM investiert. Trainer Didier Dinart steht erstmals bei einem Großturnier in der Verantwortung. Zuvor war er Co-Trainer.

Auf dem Papier hat Frankreich den besten Kader aller Nationen. Besonders im Rückraum ist das Team stark aufgestellt. Nikola Karabatic zählt zu den besten Handballspielern aller Zeiten. Der zweimalige Welthandballer ist kaum zu stoppen, wenn er auf das Tor zustürmt oder seine Sprungkraft einsetzt. Sein Wurf ist eine Waffe. Seitdem er 2012 in Verdacht geriet, an Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein, wird er allerdings vielfach kritisch gesehen. Karabatic kam mit einer Strafe von 10.000 Euro davon.

Antwort: fast jeder Gegenspieler. Der Keeper ist einer von vielen DHB-Stars.

Dänemark: Früchte der Nachwuchsarbeit ernten

Als amtierender Olympiasieger zählt Dänemark zu den großen Titelaspiranten der Handball-WM 2017. Ein Weltmeisterschafts-Titel fehlt noch in der Sammlung. Dänemark betreibt eine ausgezeichnete Nachwuchsarbeit, hat aber nur eine mittelmäßige Liga. Deshalb verdienen viele Dänen ihr Geld in der deutschen Bundesliga - so zum Beispiel Torwart Niklas Landin (THW Kiel) oder Feldspieler Mads Mensah Larsen (Rhein-Neckar Löwen).

Mit Mikkel Hansen haben die Dänen einen Weltstar des Handballs in ihren Reihen. Der zweimalige Welthandballer spielt bei Paris Saint-Germain. In seiner Heimat wird er verehrt wie ein Popstar. Der linke Rückraumspieler ist ein echter Torjäger, hat aber auch stets ein Auge für den tödlichen Pass.

Kroatien: Junge Mannschaft und Trainer-Wirrwarr

Mit Kroatien hat Deutschland einen der Favoriten in der eigenen Gruppe. Im letzten Vorrundenspiel am 20. Januar kommt es zum direkten Aufeinandertreffen. Kroatien ist eine echte Handball-Nation. 2003 wurden die Kroaten Europameister, 2004 Olympiasieger. Seitdem gab es vier Silber- und vier Bronzemedaillen bei Großturnieren. Der Superstar der Mannschaft ist Spielmacher Domagoj Duvnjak vom THW Kiel.

Der Welthandballer von 2013 gibt sich im Gespräch mit unserer Redaktion zurückhaltend: "Wir haben eine richtig junge Mannschaft. Daher muss es unser Ziel sein, erst einmal das Achtelfinale zu erreichen." Fraglich ist, welche Spuren das Trainer-Wirrwarr hinterlassen hat. Željko Babić trat nach Olympia öffentlich zurück, weil er Misstrauen gegenüber seiner Arbeit spürte. Dann nahm er seinen Rücktritt wieder zurück und sitzt nun bei der WM auf der Bank.

Spanien: Geprägt vom FC Barcelona

Die Spanier sind eine Turniermannschaft. Seit 2011 erreichten sie bei allen Europa- und Weltmeisterschaften zumindest das Halbfinale. Bei der Europameisterschaft 2016 scheiterte Spanien im Finale an Deutschland. Die Mannschaft ist eingespielt und hat traditionell eine gute Verteidigung.

Die spanische Liga hat nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise sehr gelitten. Der FC Barcelona ist der einzige Top-Verein des Landes. Die meisten Nationalspieler spielen dort oder wechselten zu einem Spitzenverein nach Frankreich. Mit Gedeon Guardiola befindet sich auch ein Profi aus der Bundesliga im WM-Aufgebot. Der Kreisläufer von den Rhein-Neckar Löwen gilt als Abwehrspezialist.

Schweden: Mega-Talent macht Hoffnung

Um die Jahrtausendwende herum war die große Zeit der schwedischen Nationalmannschaft. Insgesamt wurden die Skandinavier viermal Europameister und viermal Weltmeister. Der letzte Erfolg war die Silber-Medaille bei Olympia 2012.

Niclas Ekberg vom THW Kiel sagte in der "Handballwoche": "Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Uns fehlt die Routine. Wichtig wäre es, gut ins Turnier zu finden. Dann ist alles möglich." Mit dem 20-jährigen Lukas Nilsson haben die Schweden eines der größten Handball-Talente der Welt in ihren Reihen. Der Rückraumspieler kam im vergangenen Sommer zum THW Kiel und eroberte die Bundesliga auf Anhieb.