George Foreman ist 70 Jahre alt: Das Leben einer Box-Ikone

George Foreman gehört zu der Generation von Giganten im Schwergewichts-Boxen, für die heimische Boxfans sich in den 70er-Jahren nachts den Wecker stellten. Foreman schlug Joe Frazier, um dann in einem Jahrhundertkampf Muhammad Ali zu unterliegen. 20 Jahre später wurde Foreman der älteste Weltmeister im Schwergewicht - und wehrte den Angriff des jungen Axel Schulz auf seinen Thron ab. Wenn auch mit Mühe und Not und viel Glück.

Nach seinem Olympiasieg in Mexiko 1968 feiert George Foreman, rechts, im Jahr darauf als 20-Jähriger sein Debüt als Schwergewichts-Profi. Am 22. Januar 1973 in Kingston auf Jamaika fordert Foreman den WBA- und WBC-Weltmeister Joe Frazier heraus. Es ist Foremans 38. Kampf als Profi. Er ist bis dahin ungeschlagen. Frazier, Olympiasieger von 1964, ist es auch. Er steht zum 30. Mal als Profi im Ring.
Für Frazier, links, wird der Kampf zur bitteren Bestrafung. Foreman schlägt ihn nicht weniger als sechsmal zu Boden.
Schon in der zweiten Runde ist der ungleiche Fight durch Technischen K.o. beendet. Der neue Schwergewichts-Weltmeister heißt George Foreman.
Zweimal, gegen Jose Roman und Ken Norton, verteidigt Foreman seinen WM-Titel. Dann steht "der Größte" vor ihm, der frühere Champion Muhammad Ali.
Einer der bedeutendsten Fights in der Geschichte des Boxens steigt am 30. Oktober 1974 in der Hauptstadt des damaligen Staates Zaire, der heute Demokratische Republik Kongo heißt.
Die Zuschauer sind vor dem Jahrhundertkampf elektrisiert und währenddessen fasziniert: Foreman versucht Ali zu überfallen und mit seiner unbändigen Kraft zu beeindrucken.
Doch nicht Foremans, sondern Alis Taktik geht auf: Er lässt den Weltmeister sich müde schlagen, zieht sich bewusst lange an die Seile zurück. Im Laufe des Kampfes kommen seine Konter gewohnt blitzartig und präzise. Foreman schlägt mehr, wird aber wirkungsvoll getroffen.
Die Erschütterungen zeigen Wirkung. Foreman taumelt in der achten Runde in seine erste, eine schwere Niederlage. Im 41. Kampf als Profi.
Foreman liegt am Boden. Entkräftet von seinen verzweifelten Versuchen, Ali in die Knie zu zwingen und demoralisiert von dessen Sprüchen. Alis "Rope-a-dope"-Taktik" entscheidet den berühmten "Rumble in the Jungle". Ali ist zurück auf dem Weltmeister-Thron.
1977 hängt Foreman die Boxhandschuhe an den Nagel. Er ist 28 Jahre alt. Zehn Jahre später jedoch ist er zurück. Sein Waisenhaus steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Am 19. April 1991 in Atlantic City bietet sich Foreman nach 24 "Aufbaukämpfen" ohne Niederlage die Chance, wieder Weltmeister zu werden. Er leistet Evander Holyfield zwölf Runden lang erbitterten Widerstand und verliert nur nach Punkten.
Mit Alex Stewart liefert sich George Foreman am 11. April 1992 einen brutalen Kampf. Beider Gesichter zeugen von der Erbarmungslosigkeit der Schläge des Gegners. Foreman gewinnt knapp nach Punkten und greift nach dem nächsten WM-Gürtel.
Der Titel der WBO ist vakant, und Tommy Morrison, rechts, ist Foremans Gegner. Am 7. Juni 1993 in Las Vegas muss Foreman nach seinem 76. Profikampf erst zum vierten Mal als Verlierer den Ring verlassen. Morrison gewinnt nach Punkten.
Der 45-jährige Foreman nimmt es am 5. November 1994 in Las Vegas trotz des Rückschlags mit Weltmeister Michael Moorer, rechts, auf. Der Bezwinger von Evander Holyfield ist 19 Jahre jünger als sein Herausforderer und gilt als Favorit.
Doch Foreman wehrt sich - und er wendet das Blatt.
20 Jahre nach dem "Rumble in the Jungle" gegen Ali schlägt Foreman Moorer nach zwei Minuten und drei Sekunden in der zehnten Runde k.o. Er wird zum ältesten Schwergewichts-Weltmeister. Für Foreman ist es der 73. Sieg im 77. Profi-Kampf. Moorer hat bis dahin in seiner Karriere noch keinen seiner vorherigen 35 Profi-Kämpfe verloren.
Axel Schulz, rechts, ist am 22. April 1995 26 Jahre alt und somit genau 20 Jahre jünger als George Foreman, als er "Big George" im Kampf um die WM attackiert. Schulz sucht in seinem 23. Kampf als Profi beherzt seine Chance.
Foreman sieht sich von Beginn an in die Defensive gedrängt. Schulz liefert an diesem Abend ein Niveau ab, an das er nie wieder herankommen wird.
Der Traum, der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling zu werden, treibt Schulz an. Foremans frisch erworbener Ruhm wird mit jedem Treffer seines Kontrahenten eingetrübt.
Foreman kassiert schwere Kopftreffer, die ihn nach dem Kampf dazu veranlassen, noch im Ring eine Sonnenbrille aufzusetzen.
Den Schmerz lindert das Urteil der Punktrichter. Es fällt knapp aus, allerdings zugunsten Foremans. Das Ergebnis widerspricht dem Kampfverlauf. Schulz, so knapp vor dem WM-Thron gestoppt, wird sich von dieser Niederlage nie mehr erholen. Er boxt bis 2006 nur noch neunmal und gewinnt von diesen Kämpfen nur noch fünf.