Shanghai (dpa) - Der Team-Benjamin hat die deutschen Schwimmer nach schweren WM-Tagen wieder lächeln lassen. Christian vom Lehn holte in Shanghai überraschend die Bronzemedaille über 200 Meter Brust.

Bei seiner WM-Premiere feierte der 19-Jährige noch im Wasser mit dem erhobenen Zeigefinger das vierte deutsche Becken-Edelmetall und das insgesamt zwölfte dieser WM. "Ich hoffe, dass meine Medaille der Mannschaft geholfen hat", sagte der Wuppertaler. Am Tag der vorzeitigen Abreise von Britta Steffen überzeugte auch die 4 x 200-Meter-Freistilstaffel mit Startschwimmer Paul Biedermann auf dem vierten Rang.

"Das Ergebnis heute war wieder so ein Ergebnis, das die Mannschaft zusammenführt", erklärte Bundestrainer Dirk Lange und lobte den unbefangenen Abiturienten. "Der Junge ist einer der neuen Generation, einer, der mit der Aufgabe wächst. Wir brauchen Siegertypen, und das scheint einer zu sein." Bei den deutschen Meisterschaften Anfang Juni war vom Lehn die weltweit zweitschnellste Zeit des Jahres geschwommen. Als einer der wenigen Deutschen bestätigte er nun bei der WM diese Leistung.

Klug teilte sich der Jugend-Europameister sein Rennen ein. Nach 2:09,06 Minuten lag er nur 65/100 Sekunden hinter dem siegreichen Titelverteidiger Daniel Gyurta aus Ungarn. Olympiasieger Kosuka Kitajima aus Japan wurde Zweiter. Schon nach den guten Vorläufen und der drittschnellsten Halbfinal-Zeit hatte vom Lehn mit einer Medaille geliebäugelt. Einfach nur "geil" fand es der ruhige Schlaks. "Ich wusste, dass ich es kann. Ich habe hart trainiert und die nötige Gelassenheit, um mit meiner Nervosität umzugehen." Seine frühere Vorliebe für Schokostreusel-Brötchen brachte vom Lehn den Spitznamen "Krümel" ein, sein Auftritt indes war ganz groß.

"Er macht das sehr souverän, hat das ganz allein geschafft", sagte Biedermann. Der zweimalige WM-Dritte gewann als Startschwimmer der Freistil-Staffel in 1:45,20 Minuten den Prestigevergleich gegen Frankreichs Yannick Agnel und Rekord-Olympiasieger Michael Phelps aus den USA. Tim Wallburger und Christoph Fildebrandt hielten das DSV-Quartett gut im Rennen, Benjamin Starke musste als Schlussschwimmer Chinas Sun Yang dann ziehen lassen. Die Amerikaner sicherten sich in 7:02,67 Minuten die Goldmedaille vor Frankreich (7:04,81), China (7:05,32) und Deutschland (7:08,32).

"Das Ergebnis war absolut ihm Rahmen, das gibt uns Mut Richtung Olympia. Wenn jeder noch ein bisschen zulegen kann, haben wir auch bei Olympia die besten Chancen", sagte Biedermann. Als Vorlauf-Achte mit ganzen 3/100 vor Österreich hatte sich die Staffel ins Finale gezittert. Nach Umstellungen lief es dann deutlich besser.

Ryan Lochte feierte mit der Staffel und über 200 Meter Rücken seine WM-Titel drei und vier. Seine US-Teamkollegin Rebecca Soni gewann erwartungsgemäß den WM-Titel über 200 Meter Brust. Gleich zwei Schwimmerinnen holten Gold über 100 Meter Freistil. Die Dänin Jeanette Ottesen und Alexandra Herasimenja aus Weißrussland schlugen zeitgleich nach 53,45 Sekunden an.

Über 100 Meter Schmetterling verpassten Starke und Steffen Deibler das Finale. Vor dem WM-Endspurt am Wochenende machte Bundestrainer Lange eine positive Medaillen-(Hoch-)Rechnung auf. Zwei Edelplaketten der abgereisten Britta Steffen eingerechnet sei man bereits bei den geforderten sechs Medaillen. "Das heißt nicht, dass wir mit allem zufrieden sind, das heißt aber schon, dass wir gar nicht so schlecht sind, wie von außen reininterpretiert wird", sagte Lange und prophezeite: "Wir haben noch einige Eisen im Feuer."