Sie sind eisig kalt und rund 100 Kilometer pro Stunde schnell - die Wind-Böen, die den Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea schwer zu schaffen machen. Am Montagmorgen wurde der Riesenslalom der Damen wetterbedingt abgesagt. Auch die Abfahrt der Herren konnte nicht stattfinden. Weitere Verschiebungen könnten folgen - und eine Frage schwebt im Raum: Wird mit der Gesundheit der Sportler gespielt? Die Kritik an den Veranstaltern wächst.

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Der Sturm hat Pyeongchang fest im Griff. Outdoor-Sport wird in Südkorea zu einem Gesundheitsrisiko für die Athleten. Denn Wettkämpfe wurden trotz des starken Windes und dem damit verbundenen Risiko für die Sportler durchgezogen - ein verheerender Fehler, wie sich herausstellte.

Die Snowboard-Frauen erlitten beim Slopestyle-Wettbewerb teilweise schwere Verletzungen. Die 17-jährige Australierin Tess Coady wurde im Training vom Wind erfasst und zog sich einen Kreuzbandriss zu. Die deutsche Silvia Mittermüller erlitt bei ihrer letzten Übungsfahrt einen Meniskusriss. Beide Verletzungen waren die Folge starker Windböen und sind gleichbedeutend mit dem Olympia-Aus.

"Ich hatte Angst um mein Leben"

Das war vorauszusehen: Denn Sportarten mit hohen Sprüngen sind bei starkem Wind besonders gefährlich. Wer verletzungsfrei blieb, trug zumindest einen Schock davon. "Ich hatte Angst um mein Leben", sagte die aufgelöste Norwegerin Silje Norendal.

Selbst die Menschen abseits der Strecke leben aufgrund der Wind-Situation gefährlich. Eine TV-Kamera löste sich in zehn Metern Höhe und krachte nur knapp neben einem kanadischen Fernsehjournalisten auf den Boden, er blieb unverletzt. Doch im schlimmsten Fall hätte das auch tödlich enden können.

Drohendes Terminchaos und Kritik an den Organisatoren

Der Sturm soll zumindest bis Dienstagvormittag, vielleicht aber auch bis Mittwoch, unverändert bleiben. Danach hoffen die Veranstalter auf Besserung. Doch mit dem Wetter lässt sich nur schwer kalkulieren. Damit droht den Olympischen Winterspielen ein Termin-Chaos.

Denn weitere Verschiebungen wären problematisch, da die Hotel-Kapazitäten ausgeschöpft sind. Niemand hatte eingeplant, dass viele Sportler aufgrund der wetterbedingten Verzögerungen länger bleiben müssen.

Das setzt die Veranstalter unter Druck und die Kritik an der Organisation wächst. Es steht die Frage im Raum, ob Wettbewerbe trotz zu gefährlicher Bedingungen trotzdem durchgeführt werden. Der australische Verband hat dazu bereits eine Untersuchung angefordert. Und die Indizien mehren sich.

Wie die Austria Presse Agentur berichtet, hätten die Organisatoren des Slopestyle-Wettbewerbs zunächst noch nach Lösungen gesucht, dann aber gedroht, den ganzen Wettbewerb zu abzusagen, würden die Damen nicht an den Start gehen. "Das finde ich nicht fair, also hatten wir Druck“, sagte die österreichische Snowboarderin Anna Gasser.

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