• Das Wimbledon-Aus für russische Tennisprofis lässt auch Alexander Zverev nicht kalt.
  • Der Olympiasieger hat selbst russische Wurzeln und arbeitet mit einem Ukrainer zusammen.
  • Und: Einer seiner besten Freunde ist von der Entscheidung der Wimbledon-Veranstalter betroffen.

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Olympiasieger Alexander Zverev hat den Wimbledon-Ausschluss russischer und belarussischer Tennisprofis kritisiert. Er sehe "keinen Grund, warum sie nicht in Wimbledon spielen sollten", sagte der 25-Jährige.

"Die Entscheidung zeigt, dass die verschiedenen Tennis-Gemeinschaften nicht zusammenstehen. Wir spielen das ganze Jahr auf der Herren-Tour mit einer Regel: nämlich, dass die russischen Tennisspieler nicht unter russischer Flagge spielen dürfen", erklärte Zverev.

Gleichzeitig befürwortete Zverev die Entscheidung des Weltverbands ITF, Russland und Belarus von Mannschaftswettbewerben wie dem Davis Cup auszuschließen. "Das finde ich völlig korrekt. Weil das sind wirklich Sanktionen gegen Russland", betonte Zverev im Vorfeld des Sandturniers nächste Woche in München, bei dem er als Nummer eins gesetzt ist. "Ich denke, dass wir alle gegen den Krieg sind, und was in der Ukraine passiert, ist unmenschlich, das darf nicht passieren."

Zverev: Entscheidung führt Weltrangliste ad absurdum

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hatten die Wimbledon-Organisatoren Profis aus Russland und Belarus vom Rasen-Klassiker ausgeschlossen. Betroffen davon sind unter anderen der Weltranglisten-Zweite Daniil Medwedew aus Russland und die Weltranglisten-Vierte Aryna Sabalenka aus Belarus.

Das Turnier findet vom 27. Juni bis zum 10. Juli statt. Wie am Freitag bekannt wurde, prüft auch Italiens Regierung einen möglichen Ausschluss russischer Tennisprofis beim Turnier im Mai in Rom.

Die Damentennis-Organisation WTA erwägt nun Sanktionen gegen Wimbledon - das berichtete die französische Sportzeitung "L'Equipe" unter Berufung auf eine entsprechende E-Mail von WTA-Chef Steve Simon. Darin verurteile der Amerikaner zwar den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Simon verweise aber auch darauf, dass noch nie eine Spielerin die Teilnahme an einem Turnier aufgrund der Handlungen ihrer jeweiligen Regierung verwehrt worden sei.

Deutschlands bester Tennisprofi wies in diesem Zusammenhang auch auf die Konsequenzen des Wimbledon-Beschlusses hin. "Irgendwann ergibt auch die Tennis-Rangliste keinen Sinn. Wenn du als Top-Spieler kein Grand Slam spielen darfst, macht es keinen Sinn, die Rangliste zu haben", sagte Zverev.

Zverev selbst wurde in Hamburg geboren und hat russische Eltern. Sein Bruder Mischa, der die Entscheidung ebenfalls kritisiert hatte, kam in Moskau zur Welt. Als Manager seines Bruders arbeitet Mischa auch mit dem Ukrainer Sergej Bubka junior zusammen.

Auch Zverev-Freund Rublev darf nicht in Wimbledon starten

Die Entscheidung des unabhängigen All England Club als Veranstalter des wichtigsten Turniers der Welt betrifft auch Zverevs engen russischen Freund Andrej Rublev, der den Ausschluss als "komplette Diskriminierung" bezeichnet hat. "Ich habe mit Andrej gesprochen", sagte Zverev und betonte, der Weltranglisten-Achte habe sich bereits gegen den russischen Angriffskrieg positioniert.

Rublev sei "bereit, Kompromisse einzugehen, er ist auch bereit, der Ukraine zu helfen, er ist bereit, gegen den Krieg anzugehen, er ist bereit sein Preisgeld an die Ukraine zu schicken", sagte Zverev. Er glaube daher nicht, dass es korrekt sei, Einzelspieler wie Rublev oder auch den russischen Weltranglisten-Zweiten Daniil Medwedew "generell" auszuschließen.

Rublev sagte am Rande des Turniers in Belgrad und nach Gesprächen mit den Organisatoren in Wimbledon, in seiner Position "und bei all dem Druck, den ich habe", könne er gar keine richtigen Antworten geben. Ein Ausschluss von russischen und belarussischen Profis ergebe für ihn Sinn, wenn es auch nur minimal etwas am Krieg ändere. "Aber es wird nichts ändern."

Die Entscheidung der Wimbledon-Organisatoren sorgt auch unter aktuellen und früheren Profis für reichlich Kontroversen. Der serbische Top-Star Novak Djokovic und Tennis-Ikone Martina Navratilova kritisierten den Alleingang. Die Russin Darja Kasatkina reagierte mit Verständnis. Zverev sieht nun die Profi-Organisationen ATP, WTA und ITF in der Pflicht: "Wir sind alle Tennisspieler. Wir sind alle eins. Wir sind eine große Familie."

Viele Tennisprofis, darunter auch die ukrainische Top-Spielerin Jelena Switolina, fordern seit Kriegsbeginn von ihren russischen Kollegen ein klarere Haltung. Das Problem: Wer sich in Russland öffentlich gegen den Krieg ausspricht, dem droht neben strafrechtlichen Konsequenzen auch der komplette Verlust der Existenz. Es darf öffentlich nicht das Wort Krieg benutzt werden, sondern nur die von Kremlchef Wladimir Putin festgelegte Formulierung "militärische Spezial-Operation". (dpa/AFP/ank)

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