In einem denkwürdigen Endspiel bei den US Open in New York hat Dominic Thiem seinen Namen endgültig in der österreichischen Sportgeschichte verewigt. Der 27-Jährige ringt nach 0:2-Satzrückstand seinen um vier Jahre jüngeren Widersacher Alexander Zverev aus Deutschland nieder.

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Dominic Thiem hat in einem an Dramatik nicht zu überbietenden Finale österreichische Sportgeschichte geschrieben. Der 13. September 2020 wird für den 27-jährigen Niederösterreicher für immer ein Feiertag bleiben.

Thiem drehte das Finale gegen den Deutschen Alexander Zverev in New York nach 0:2-Satzrückstand und 3:5-Rückstand in Satz fünf nach 4:01 Std. zum 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6(6)-Sieg.

25 Jahre nach Thomas Muster wieder ein österreichischer Grand-Slam-Erfolg

25 Jahre nach Thomas Muster bei den French Open holte sich der 27-jährige Niederösterreicher als zweiter Österreicher einen Einzel-Grand-Slam-Titel. Für den Sieg kassiert Thiem einen Scheck in Höhe von drei Millionen US-Dollar (2,53 Mio. Euro) sowie 2.000 ATP-Zähler. Im vierten Anlauf in einem Major-Endspiel nach den French Open 2018 und 2019 sowie dieses Jahr bei den Australian Open hat es also endlich mit dem großen Wurf für den Weltranglisten-Dritten geklappt.

Thiem schraubte sein Karriere-Preisgeld auf 26,9 Millionen Dollar, im ATP-Ranking bleibt er vorerst aber weiter Dritter. Thiem ist übrigens der erste Premieren-Grand-Slam-Sieger seit dem Kroaten Marin Cilic - ebenfalls bei den US Open - im Jahr 2014. In der Profi-Ära seit 1968 ist Thiem der erste Spieler, der in einem US-Open-Endspiel ein 0:2 in Sätzen noch umgedreht hat.

Thiem: "Das war ein völlig verrücktes Match"

"Ich kann es nicht wirklich glauben, noch. Es war ein völlig verrücktes Match, völlig verrückter Tag auch. Ich glaube, man hat gesehen, wie nervös ich am Anfang war. Es war absolut abnormal. Ich habe mich in den ersten zwei Sätzen bleiern gefühlt", gab Thiem im ServusTV-Interview auch gleich eine Begründung für seine Performance in den ersten beiden Sätzen.

Zverev startete zwar sehr stark in sein erstes Major-Finale, aber Thiem hatte vor allem mit dem Aufschlag große Probleme und bewegte sich auch nicht so gut wie in den gesamten US Open davor.

Schon im dritten Game musste der Niederösterreicher sein Service zum 1:2 abgeben, während der Deutsche in der Folge beim Aufschlag unantastbar blieb. Mit den Doppelfehlern zwei und drei im siebenten Spiel verschaffte Thiem seinem Gegner die Chance zum Doppelbreak, die dieser auch zum 5:2 nutzte. Satz eins war nach nur 30 Minuten Geschichte. Ein veritabler Fehlstart für Thiem.

Thiem kommt zwei Sätze lang nicht zum Zug

Auch im zweiten Satz blieb die Partie überraschend einseitig: Thiem plagte sich bei jedem Aufschlag-Game, beging auch zu viele Doppelfehler. Zverev musste nur im vierten Game erstmals über Einstand gehen. Ein Break zum 2:1 und ein weiteres zum 4:1 stellten schnell klar: Bei Thiem war schwer Sand im Getriebe. Nach 54 Minuten lag Thiem klar mit 2:6 und 1:4 zurück.

Bei 5:1 hatte Zverev dann drei Break- und damit Satzbälle, ließ diese aber ebenso ungenutzt wie einen vierten bei 5:3. Thiem nutzte seine erste Chance zum ersten Rebreak zum 3:5 und erhöhte den Druck auf Zverev mit einem ersten Service-Game zu Null. Bei 5:4, 30:30 fehlten Thiem noch zwei Punkte zum 5:5, doch Zverev nutzte Satzball Nummer fünf nach 1:19 Stunden zur 2:0-Satzführung.

Im dritten Durchgang passierte es dann zum dritten Mal en suite: Thiem gab erneut den Aufschlag zum 1:2 ab und stand nun endgültig mit dem Rücken zur Wand. Dem nun 17-fachen Turniersieger gelang es einfach nicht, seine eigene Fehlerquote zu reduzieren.

Vom Thiem der ersten sechs Matches bei diesen US Open war in Flushing Meadows zunächst nur sehr wenig zu sehen. Mit dem vierten Breakball und auch dank Mithilfe Zverevs mit den Doppelfehlern sieben und acht schaffte Thiem zumindest diesmal das sofortige Rebreak zum 2:2.

Thiem dreht das Endspiel-"Drama" zu seinen Gunsten um

"Da habe ich begonnen, immer besser zu spielen. Am Ende war es einfach nur noch Drama. Aber mit meiner ganzen Karriere, so wie alles gelaufen ist, hat der erste ganz große Titel so sein müssen", jubelte ein überglücklicher Thiem. "Es war ein würdiger Abschluss der US Open. Das ich jetzt ein Grand-Slam-Turnier im Einzel gewonnen habe, ist natürlich absolut unrealisierbar zur Zeit."

Thiem blieb diesmal dran, legte beim Service jedes Mal vor und bewegte sich auch besser. Zverev musste bei der ersten Drucksituation bei 4:5 gegen den Satzverlust servieren, und Thiem gelang das Break zum 6:4 nach 2:09 Stunden.

Im vierten Durchgang fand Thiem bei 3:2 und 15:40 Aufschlag Zverev die ersten Breakchancen vor, konnte diese aber nicht verwerten. Thiem blieb jedoch fokussiert und nutzte bei 4:3 die nächste Chance zum Break zum 5:3. Nach 2:52 servierte sich der Lichtenwörther mit dem Game zum 6:3 in den fünften Satz.

Thiem plagen im fünften Durchgang Krämpfe

Thiem gelang sofort das Break zum Auftakt, musste aber gleich wieder den Aufschlag zum 1:1 abgeben. Der letzte Durchgang entwickelte sich zum absoluten Nägelbeißer-Krimi: Thiem geriet mit 3:5 in Rückstand, und beinahe wäre seine tolle Aufholjagd nicht belohnt worden. Als Thiem das Break zum 6:5 schaffte, sah es gut aus, doch er musste den Physio holen, der ihm wegen Krämpfen den rechten Oberschenkel massieren musste.

Zverev schaffte das Rebreak und rettete sich nach 3:51 Stunden ins Tiebreak. In diesem geriet Thiem mit 0:2 in Rückstand, doch dann holte er sich bei 6:4 seine ersten beiden Matchbälle. Doch erst den dritten bei 7:6 konnte er endlich verwerten. (APA/hau)  © APA