Weltweit ist die Zahl der hungernden Menschen laut eines neuen Berichts leicht gesunken. Doch bei Kindern und Müttern bleiben die Fortschritte viel zu langsam – besonders dort, wo Klimakrise und Armut die Versorgung erschweren.
Lianisoee Paulette weiß, was schmeckt und was gesund ist. Und vor allem weiß sie, was verfügbar ist. Die Ernährungsberaterin im Süden Madagaskars zeigt Eltern anhand von Schaubildern und tatsächlichem Essen auf dem Tisch, wie sie ihre Kinder möglichst ausgewogen ernähren können. Denn eine halbe Million Kinder in Madagaskar sind mangelernährt.
Insbesondere im Süden des ostafrikanischen Inselstaates sind Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung eine dauerhafte Bedrohung für Familien. Die Klimakrise zeigt hier bereits Auswirkungen, immer wieder zerstören langanhaltende Dürren und Zyklone die Ernährungsgrundlage vieler Familien. Projekte wie das, an dem Lianisoee Paulette beteiligt ist, helfen auf lokaler Ebene und sollen langfristig zu einer Veränderung führen.
Kampf gegen Hunger
Wichtig ist, dass die Zutaten vor Ort für alle verfügbar sind, so wie Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte. Dabei werden verschiedene Zubereitungsweisen und Lebensmittelgruppen demonstriert, immer abgestimmt auf den Nährstoffbedarf der verschiedenen Altersgruppen. So soll Mangelernährung eingedämmt werden und Kindern soll ermöglicht werden, gesund aufzuwachsen.
Und womöglich zeigen diese Projekte erste Wirkung. Denn laut des neuen Berichts "The State of Food Security and Nutrition in the World 2026" (Sofi 2026), an dem auch UNICEF beteiligt war, ist die Zahl der hungernden Menschen im Jahr 2025 zurückgegangen. So waren 2025 etwa 7,8 Prozent der Menschen weltweit von Hunger betroffen, 2024 waren es noch 8,1 Prozent. Damit zeigt sich ein leichter Abwärtstrend, der nun seit drei Jahren anhält.
Abwechslungsreiche Ernährung entscheidend für Kinder
Doch wo Licht ist, ist oft auch Schatten: Der Bericht zeigt auch, dass die Bemühungen trotzdem nicht ausreichen, um eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu erreichen. So sind beispielsweise die Fortschritte bei der Ernährung bei Kindern und Müttern zu langsam oder sogar rückläufig. Nur etwa 30,8 Prozent der Kleinkinder weltweit hätten laut des Berichts die Möglichkeit, abwechslungsreich ernährt zu werden. Zudem sind laut UNICEF rund 150 Millionen Kinder weltweit chronisch mangelernährt.
Eine ausgewogene Ernährung ist insbesondere bei Kleinkindern entscheidend für ein gesundes Aufwachsen und ihre späteren Entwicklungsmöglichkeiten. Fehlen ihnen im Kleinkindalter bestimmte Nährstoffe, kann dies langfristige Folgen haben: Ihre körperliche Entwicklung ist verzögert, zudem können sie kognitiv beeinträchtigt sein.
Menschen leben länger - sind aber auch länger krank
Zusätzlich sind Kinder, die mangelernährt sind, weniger gut gegen Krankheiten gewappnet und haben ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Da Mangelernährung vor allem in Gebieten vorkommt, die zusätzlich von anderen Krisen wie Konflikten oder Extremwetter betroffen sind, ist oft auch der Zugang zu medizinischer Versorgung erschwert oder unmöglich.
Empfehlungen der Redaktion
"Jedes Kind verdient die Chance, zu wachsen und sein volles Potenzial zu entfalten, und das beginnt mit dem Zugang zu nahrhaften, erschwinglichen Lebensmitteln", erklärte die UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. "Ernährung, Gesundheit, Bildung und soziale Sicherung müssen Hand in Hand gehen, um die am stärksten gefährdeten Kinder und Frauen vor globalen Schocks zu schützen."