Royaler Jahresrückblick: 2020 war kein gutes Jahr für die Windsors

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Ein Missbrauchsskandal, abtrünniger Nachwuchs und Corona-Infektionen im Familienkreis - die Royals haben ein schweres Jahr hinter sich. Es ist fraglich, ob die nächsten Monate besser werden.

Besonders heikel dürfte das kommende Jahr für Prinz Andrew sein. Dem zweitältesten Sohn der Queen wird eine Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den verstorbenen Jeffrey Epstein vorgeworfen. Der US-Geschäftsmann soll Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben.
Zu den Opfern gehört nach eigenen Angaben die US-Amerikanerin Virginia Giuffre. Sie behauptet, als Minderjährige vor etwa 20 Jahren mehrmals zum Sex mit dem Royal gezwungen worden zu sein. Andrew bestreitet das vehement. Dennoch legte er alle öffentlichen Aufgaben für die Royals nieder. Das Image von Randy Andy in Großbritannien ist ohnehin nicht gut.
Mit den US-Ermittlern liegt der Prinz im Streit. Sie möchten ihn vernehmen - als Zeugen, nicht als Angeklagten. Doch angeblich ist er nicht zur Zusammenarbeit bereit. Richtig unangenehm könnte es ab Juli für den Royal werden: Dann soll der Prozess gegen Ghislaine Maxwell beginnen, eine gute Freundin von Andrew und laut US-Staatsanwaltschaft eine von Epsteins "engsten Verbündeten". Wird sie den Prinzen belasten?
Andrew ist aber keineswegs das einzige Sorgenkind der Queen. Auch Enkel Harry und dessen Frau Meghan haben mit ihrer Loslösung vom Königshaus - dem "Megxit" - in diesem Jahr für mächtig Aufregung gesorgt.
Das Paar wollte finanziell unabhängig sein und sich von seinen royalen Pflichten zurückziehen. Inzwischen leben die beiden mit Sohn Archie in Kalifornien und haben unter anderem einen lukrativen Vertrag mit Netflix abgeschlossen.
Dort, in ihrer neuen Heimat, hat Herzogin Meghan im Juli eine Fehlgeburt erlitten. Sie verlor das Kind, als sie ihrem einjährigen Sohn Archie gerade die Windel gewechselt hatte, wie sie in einem Artikel der "New York Times" schrieb. "Ich wusste, als ich mein erstgeborenes Kind umklammerte, dass ich mein zweites verliere", berichtete Meghan. Der Buckingham-Palast wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Es handele sich um eine sehr persönliche Angelegenheit, sagte ein Sprecher.
Im kommenden Jahr will die Queen alle mit dem Paar getroffenen Vereinbarungen auf den Prüfstand stellen. Dazu zählen auch der Verzicht auf die lukrative Marke "Sussex Royal" und die Anrede "Königliche Hoheit". Fraglich ist aber, wann die Monarchin angesichts der Pandemie die kleine Familie wiedersehen kann. Seit Frühjahr trennt die Coronakrise die Royals in den USA und Großbritannien.
Trotz aller Vorsicht infizierten sich Mitglieder der Königsfamilie mit dem Virus: Thronfolger Prinz Charles litt nur unter leichten Erkältungssymptomen. Schwerer hat es der "Sun" zufolge seinen 38-jährigen Sohn William im Frühjahr erwischt, der Palast wollte das allerdings nicht kommentieren.
Die Queen und Prinz Philip blieben von dem Virus verschont. Abgeschirmt von Corona-Gefahren und umsorgt von einer kleinen Schar von Höflingen verbrachten die beiden Senioren ungewohnt viel Zeit gemeinsam auf Schloss Windsor in der Nähe von London. Erstmals seit Jahrzehnten verbrachten sie dort das Weihnachtsfest. Wann werden sie ihre große Familie wohl wiedersehen?
Als die Queen in ihrer Weihnachtsansprache über die Einsamkeit vieler Menschen in der Pandemie sprach, könnte sie sich auch selbst gemeint haben. Normalerweise feiert sie das Fest mit Kind und Kegel in Sandringham.
Zu dem Landsitz Sandringham gehört auch die rustikale Wood Farm, in der Prinz Philip eigentlich sein Rentnerleben genießt: Er malt, liest und fährt sogar noch manchmal auf dem Kutschbock. Der alte Herr liebt die Abgeschiedenheit. Doch um eine größere Party dürfte er im Sommer wohl nicht herumkommen: Am 10. Juni wird Prinz Philip 100 Jahre alt. Wenigstens ein positives Highlight erwartet die Royals 2021. (jwo/mit Material von dpa)