Zum Filmstart von "Rocketman": Das schillernde Leben des Elton John

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Er hat jedes Brillenmodell und laut eigener Aussage auch die meisten Drogen ausprobiert, 250 Millionen Alben verkauft und mit Liedern wie "Your Song" und "Candle in the Wind" Geschichte geschrieben. Nun startet mit "Rocketman" der Film über Popikone Elton John. Zum Kinostart blicken wir auf die Geschichte eines außergewöhnlichen Künstlers und Menschen zurück. © spot on news

Als Reginald Kenneth Dwight kommt Elton John in einem Vorort von London auf die Welt. Nach der frühen Trennung seiner Eltern, Stanley und Sheila Dwight (li.), wächst Reginald bei seiner Großmutter Ivy auf, die ihn zum Klavierspielen motiviert. Im zarten Alter von elf Jahren bekommt er ein Stipendium der "Royal School of Music". Der Popstar hatte nach eigenen Angaben jedes Mal höllische Angst, wenn er zu dem Konservatorium fuhr, in dem es sehr streng zuging.
Zurückhaltung ist nicht Elton Johns Sache. Als Teenager beschließt er eines Tages, die Minderwertigkeitskomplexe einfach abzulegen, die ein Dasein als etwas zu klein und etwas zu rundlich geratener Brillenträger namens Reginald mit sich bringt. Seitdem gehören schrille Farben, Federboas, Plateauschuhe und leuchtende Perücken zu seiner Ausstattung. Sein Lieblingsaccessoires sind extravagante Sonnenbrillen. Für seinen ikonischen Namen bediente er sich bei den Vornamen seiner ersten Bandkollegen von Bluesology - aus Reginald Dwight wird Elton John.
Durch eine Anzeige trifft Elton John 1976 den Poeten Bernie Taupin (li.). Es ist der Anfang einer ganz besonderen Freundschaft - und zeitgleich einer der fruchtbarsten in der Popgeschichte. Bis heute haben die beiden mehr als 40 Alben zusammen heraus gebracht und sind trotz einer längeren Funkstille bis heute enge Vertraute.
Die folgenden Jahre sind für die beiden Musiker ein einziger Rausch: In den ersten Jahren verlangt das Management zwei Alben pro Jahr. Bernie schreibt und Elton komponiert wie am Fließband - doch das hat folgenschwere Konsequenzen: Seit 1974 nahm Elton John regelmäßig Drogen, um dem Druck Stand zu halten. Später schnupfte er auch Kokain, war tablettenabhängig und sexsüchtig.
Bis 1975 arbeiten Elton John und Bernie Taupin nahezu ohne Pause und produzieren Megaseller wie 1972 "Rocket Man", "Crocodile Rock" und 1973 "Candle in the Wind". Für seine Verdienste in der Musik wird Elton John 1975 mit einem Stern auf dem berühmten Hollywood Walk of Fame ausgezeichnet.
Dieses schrille Kostüm im Stil eines Hahnes von 1977 ist wohl eines der berühmtesten Bühnenoutfits von Elton John und ein gutes Sinnbild für seine damalige Extase: "Es war irre. Ich stand auf, rauchte einen Joint, trank eine Flasche Whiskey, blieb drei Tage auf und ging anderthalb Tage schlafen." Doch wie um es allen zu beweisen, sang der Star 1983 für alle, die Zweifel hatten: "I'm Still Standing".
1976 outet Elton John sich in der Musikzeitschrift "Rolling Stone" als bisexuell. Am Valentinstag 1984 heiratet er die Münchnerin Renate Blauel (re.). Kennengelernt hatten sich die beiden einst in den Londoner Air Studios, wo Blauel als Tontechnikerin arbeitete. Doch Elton John verwechselte Liebe mit Freundschaft. "Wir merkten, dass wir gut zueinander passten, deshalb haben wir geheiratet", sagte er damals unbedarft der Presse. 1988 ließ sich das Paar wieder scheiden.
Nach dem Ende seiner Ehe bekennt sich der Sänger offen zu seiner Homosexualität. Mittlerweile leidet John auch unter den Folgen seines Langzeit-Drogen-Konsums. 1987 muss sich der Sänger deswegen einer Kehlkopfoperation unterziehen und im Anschluss das Singen vollkommen neu lernen. Doch Elton John wäre nicht er selbst, hätte er sich nicht mühsam zurück gekämpft.
Ein Ausschnitt aus seinem neuen Film "Rocketman" mit Taron Egerton in der Hauptrolle (Foto) verdeutlicht die damals todernste Lage von Elton John. Wegen seines schlechten gesundheitlichen Zustands verschwand der Sänger 1989 komplett von der Bildfläche und unterzog sich 1990 einem Drogenentzug. Nach 16 Jahren als Drogensüchtiger wird er mit Hilfe des Entzugs clean und ist es laut eigener Aussage bis heute geblieben. Elton John sagt selbst, dass ihm diese Maßnahme das Leben gerettet habe.
Während seiner Pause von der Bühne dämmert es Elton John, dass bei ihm die Gefahr bestand, sich über die Jahre mit HIV angesteckt zu haben. Ein Test fällt negativ aus, und er wandelt seine Erleichterung darüber in die "Elton John Aids Foundation" um. Als Beweggründe nannte er damals auch seine an AIDS verstorbenen Freunde Freddie Mercury und Ryan White.
1992 meldet sich der Sänger dann endgültig zurück. 1994 komponiert er einen Teil der Musik für Disneys "König der Löwen". 1995 gewinnt er zusammen mit Texter Tim Rice (re.) dafür einen Oscar für seinen Song "Can You Feel the Love Tonight".
1997 war ein schweres Jahr für Elton John. Im Juli weint er an der Seite seiner guten Freundin Prinzessin Diana (li.) bittere Tränen auf der Beerdigung ihres gemeinsamen Freundes Gianni Versace (1946-1997). Der italienische Modedesigner wurde auf der Treppe vor seiner Villa in Miami Beach erschossen. Er und Versace standen sich sehr nahe, Elton John entwarf unter anderen Bühnenmusik zu Versaces Modenschauen.
Nur knapp zwei Monate später bestreitet Elton John seinen wohl schwersten Auftritt. Am 6. September singt er bei der Beerdigung seiner Freundin Prinzessin Diana (1961-1997) in der Westminster Abbey eine von Bernie Taupin abgewandelte Version seines Hits "Candle in the Wind". Seine geliebte Freundin starb nach einem tragischen Autounfall am 31. August in Paris. Bernie Taupin verwandelte den Text passend auf Prinzessin Diana zugeschnitten in das Lied "Goodbye England's Rose". Bis heute hat Elton John diese Version nie wieder aufgeführt. Der Song wurde in dieser Live-Version zur damals meistverkauften Single aller Zeiten. Sämtliche Tantiemen und Erlöse wurden dem "Diana Princess of Wales Memorial Fund" gestiftet.
Doch trotz dieser schweren Zeit beweist Elton John erneut seine Kämpfernatur. Er produziert weiterhin fleißig Alben und erhält 2003 für das Lied "The Heart of Every Girl" eine Nominierung für den BFCA-Award und eine Nominierung für den Golden Globe in der Kategorie "Bestes Lied." Den Pailetten und Brillen blieb er bis heute weiterhin treu.
Privat dagegen kommt für Elton John 2005 einer der Höhepunkte seines bisherigen Lebens: Am 21. Dezember 2005, dem ersten Tag, an dem nach einer Gesetzesänderung in Großbritannien homosexuelle Paare eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen dürfen, wagt er mit seinem langjährigen Partner David Furnish den Gang zum Standesamt - im Beisein von 700 Gästen, darunter Elizabeth Taylor und Victoria Beckham. Am 21. Dezember 2014 wird ihre Lebenspartnerschaft schließlich in eine Ehe umgewandelt.
Die Liebe zwischen Elton John und David Furnish gipfelt am 25. Dezember 2010 in der Geburt ihres ersten Sohnes Zachary Jackson Levon Furnish-John, der von einer Leihmutter ausgetragen wurde. Am 11. Januar 2013 wird Elijah Joseph Daniel Furnish-John in Kalifornien von derselben Leihmutter zur Welt gebracht. Die Patentante beider Kinder ist übrigens Oscar-Preisträgerin Lady Gaga.
Nach so vielen Höhen und Tiefen gibt Elton John für seine Filmbiographie "Rocketman" den Stab weiter an Schauspieler Taron Egerton (re.), der im Film sein jüngeres Ich spielt. Bei den 72. Filmfestspielen in Cannes verstanden sich die beiden Briten blendend - Elton John durfte bei der Produktion außerdem beratend zur Seite stehen, damit der Kassenschlager möglichst viel von der Realität abbildet.