Kakerlaken & ewige Takes: Diese Regisseure quäl(t)en ihre Darsteller

James Cameron feiert am Freitag, den 16. August 2019 seinen 65. Geburtstag. Von Fans weltweit wird der Star-Regisseur für seine Blockbuster wie "Titanic" oder "Avatar" verehrt, doch bei Darstellern stand er aufgrund seiner extremen Ansprüche und Schikanen nicht immer hoch im Kurs. Wer neben ihm noch für gemeine Drehmethoden bekannt ist, erfahren Sie hier. © spot on news

Alfred Hitchcock (1899-1980) gilt als Erfinder des modernen Spannungskinos und hinterließ Klassiker der Filmgeschichte. Doch privat war er ein Mann mit vielen Abgründen, der dafür bekannt war, seine Mitarbeiter und vor allem seine Hauptdarsteller zu drangsalieren.
Legendär ist die Szene von "Psycho" (1960), in der Janet Leigh von einem messerschwingenden Killer dahingemetzelt wird. Sieben Drehtage lang mussten Leigh und ihr Bodydouble Marli Renfro unter der Dusche stehen. Die Stimmung war dabei offenbar so bedrohlich, dass Leigh sich nach eigenem Bekunden zeitlebens nie wieder unter eine Dusche stellte.
Der "Master des Suspense" bezeichnete seine Schauspieler als Vieh und vor allem seine Hauptdarstellerinnen, die "Hitchcock-Blondinen", traf es hart. Ganz oben auf der Liste seiner Schreckensherrschaft stand die Hauptdarstellerin von "Die Vögel" (1963), Tippi Hedren. Hitchcocks Interesse an ihr ging über die Arbeit hinaus. Er folgte ihr am Set auf Schritt und Tritt, bestimmte, welche Kleider sie trug und soll sie nach Drehschluss sogar beschatten lassen haben.
Nachdem Hedren Hitchcock abgewiesen hatte, folgte die Rache: Der Regisseur wusste um ihre Angst vor Vögeln, er wollte aber trotzdem Hedrens Ausdruck panischer Angst auf ihrem Gesicht sehen. Deswegen ließ er Spatzen mit Fäden an Hedren befestigen. Die verängstigten Tiere attackierten die Schauspielerin, hackten auf ihr Gesicht ein. Der Dreh der Szene zog sich eine knappe Woche hin. Die Folgen: eine Fleischwunde und ein Nervenzusammenbruch.
Doch damit noch nicht genug: In Hitchcocks nächstem Film, "Marnie" (1964) mit Sean Connery, wurde Tippi Hedren das Opfer einer brutalen Vergewaltigungsszene, die man so bis dahin im Film noch nicht gesehen hatte. In ihrer Biografie schrieb die Schauspielerin, dass sie sich sicher sei, dass die Szene "Hitchcocks Phantasie über mich war".
Bis heute erhebt die mittlerweile 89-jährige Hedren schwere Vorwürfe gegen den 1980 verstorbenen Star-Regisseur: "Er belästigte mich rücksichtslos. [...] Alle wussten es, aber es drehte sich nur um ihn, den Meister. Man ließ ihm alles durchgehen", sagte die Mutter von Melanie Griffith und Großmutter von Dakota Johnson im vergangenen Jahr im Interview mit der "Zeit".
Werden die Begriffe Pedant, Genie, Visionär und Fanatiker vermengt, so ergeben sie Stanley Kubrick (1928-1999): In fast 50 Jahren drehte er nur 13 Filme - die so gut wie alle zu Klassikern wurden. Doch wie bei jedem Genie liegt oft auch Wahnsinn nahe. Minutiös ergründete er bei jedem Projekt die Hintergründe, zerlegte das Medium "Film" in seine Einzelteile - und brachte einige Darsteller selbst an den Rand des Wahnsinns ...
Am Set des Klassikers "Shining" (1980) hatte Schauspielerin Shelley Duvall (Foto) wohl mehr Angst vor Stanley Kubrick als der Zuschauer vor dem Axt schwingenden Jack Nicholson: Ganze 127 Takes verlangte die Legende von seinen beiden Hauptdarstellern, um die Szene zu realisieren, in der sich Wendy (Duvall) ihren wahnsinnig gewordenen Mann Jack (Nicholson) mit einem Baseballschläger vom Leib hält. Duvall musste so viele Tränen vergießen, dass sie irgendwann komplett erschöpft und dehydriert war. Gerüchten zufolge sollen ihr bei all dem Stress sogar Haare ausgefallen sein.
Auch Geburtstagskind James Cameron kennt für seine Filme kaum Grenzen - und zwar nicht nur seine eigenen, sondern auch die seiner Schauspieler, was schon manches Mal für Missmut gesorgt hat.
1988 drehte Cameron "Abyss" mit Ed Harris (li.) und Mary Elizabeth Mastrantonio. Einfach waren die Bedingungen an den dunklen, klaustrophobischen Sets des Sci-Fi-Abenteuers sowieso schon nicht. Der Maestro verbot seinen Schauspielern, die in vielen Szenen Tauchanzüge trugen, die Toilette aufzusuchen. Stattdessen sollten sie sich einfach direkt in ihnen erleichtern. Seinen Hauptdarsteller brachte Cameron während einer Szene in eine lebensbedrohliche Situation, die beinahe zu Ed Harris' Ertrinken führte.
Auch Mastrantonio hatte eine schwierige Drehzeit. In einer anstrengenden Szene versuchte Ed Harris als ihr entfremdeter Ehemann, seine beinahe ertrunkene Frau zu reanimieren, wobei er ihr mit der flachen Hand immer wieder ins Gesicht schlug. Cameron verlangte mehrere Takes, die Mastrantonio auf dem kalten, nassen Boden des Sets zubringen musste. Als dann auch noch aufgrund eines Defekts einige der Takes gar nicht aufgenommen worden waren, soll Mastrantonio beinahe ihr Engagement beendet haben, um der unerträglichen Situation zu entkommen.
Auch Steven Spielberg, der bis heute als einer der erfolgreichsten Regisseure gilt, verlangt von seinen Darstellern mehr als seine Durchschnittskollegen. Zum ersten Mal traten seine Marotten und hohen Ansprüche bei den Dreharbeiten zu seinen "Indiana Jones"-Filmen zutage.
Am Set von "Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes" musste allen voran Kate Capshaw ordentlich leiden. Beim Dreh ließ Spielberg für die Realisierung einer Szene rund 50.000 Kakerlaken und 30.000 Käfer bringen. Dabei wurde Capshaw mit besonders vielen Krabbeltieren bedeckt, was die Schauspielerin beinahe verjagt hätte.
Doch allzu übel scheint sie Spielberg die Kakerlaken-Nummer nicht genommen zu haben: Das Paar heiratete kurz nach Ende der Dreharbeiten. Sie sind bis heute ein Paar und ziehen drei leibliche und zwei adoptierte Kinder groß.
Als weiterer anspruchsvoller Regisseur gilt der skandalumwitterte französisch-polnische Regisseur Roman Polański. Seine Filme handeln mitunter von Satanismus, Gewalt und Flucht - und vor allem eine Schauspielerin hatte besonders unter seiner Art zu leiden ...
Am Set des Neo-Noir-Thrillers "Chinatown" (1974) ging es zwischen Roman Polański und seiner Hauptdarstellerin Faye Dunaway rau zu. Bei dem Dreh der Szene, in der Dunaways Figur von Privatdetektiv J. J. "Jake" Gittes (Jack Nicholson, li.) in ihrem Auto überrascht wird, soll sich Polański geweigert haben, Dunaway auf die Toilette gehen zu lassen. Sie zahlte es ihrem tyrannischen Regisseur auf eklige Weise heim, indem sie ihre Notdurft in einem Becher verrichtete und den Inhalt anschließend ins Gesicht von Polański schüttete.
Ganz so eklig ging es bei Regisseur Oliver Stone (2.v.re.) nicht zu. In seinen Filmen beschäftigt sich der 72-Jährige mit politischen und gesellschaftskritischen Themen. Er drehte unter anderem den polarisierenden Film "Snowden" (2016) über Whistleblower Edward Snowden. Nach den Dreharbeiten des Drogenfilms "Savages" (2012) mit John Travolta (li.) verriet Hauptdarsteller Taylor Kitsch (Mitte): "Man kann es sich nicht erlauben, unvorbereitet an sein Set zu kommen".
Neben der Schauspielerei versucht sich Hollywood-Liebling George Clooney bereits seit 2002 als Regisseur. Im Jahr 2017 drehte er das Krimidrama "Suburbicon".
Darin führen Gardner Lodge (Matt Damon) und seine Frau Rose (Julianne Moore) ein beschauliches Leben. Hinter der schicken Fassade spielen sich aber schockierende Dramen ab, während der Rassismus wiederum offen auf der Straße ausgelebt wird. Seinem Freund Matt Damon machte es Clooney nicht einfach. Laut eigener Aussage habe er großen Spaß daran gehabt, seinen Hauptdarsteller zu quälen: "Es war sehr lustig, Matt auf ein winziges Dreirad zu setzen."