Also jetzt mal ehrlich - wann habt ihr zuletzt so richtig lange geschlafen? So ganz ohne Wecker oder Kindergebrüll?

Geschichten aus dem Leben einer Zwillings-Mutter.

Am Anfang hatte das Ganze ja noch etwas Charmantes, da hat man noch diesen Neugeborenen-Stolz, den junge Eltern eben so an sich haben: Wie kleine Orden schleppt man seine Augenringe durch den Tag - sind sie doch Zeichen, dass so banale Dinge wie Müdigkeit einem nichts anhaben können. Man ist jetzt stolzes Mitglied im Baby-Club. Man ist glücklich und unschlagbar. Yeah!

Der Zauber der ersten Monate verfliegt aber relativ schnell und wird dann durch die Härte des Alltags ersetzt: Bei Kindern sind das die ersten Zähne. Und die dringen zuerst durch das Zahnfleisch des Kindes und anschließend durchbohren sie die Nerven der Eltern. ABER VORSICHT! SPOILER: Es wird nicht besser! Denn wenn die Kleinen dann erst mal mobil sind, dann beginnt erst der richtige Spaß: Wie diese kleinen Häschen in der Batterie-Werbung stehen die Kinder dann unter Strom und laufen, und laufen, und laufen ...

Sie öffnen sich dann selber die Türe von ihrem Zimmer, trappeln den Flur entlang und legen sich ins Ehebett. Meistens quer. Oder sie strecken ihre kalten Käsefüße auf deinen Bauch und klauen dir die Decke. Manchmal singen sie auch einfach so in der Nacht. Oder sie wollen, dass du singst. Dir stellt sich dabei nur die Frage was davon besser ist ...

Es liegt also kaum etwas näher, als eine

Kleine Typologie der Elternmüdigkeit

aufzustellen:

1. Das Gehör nimmt nur noch ein dumpfes Hintergrundrauschen wahr. Ob die Kinder streiten oder nicht, erkennt man nur an den Gesichtsausdrücken der Kleinen. Was reden die Kinder überhaupt? Ist das Mandarin? Oder Suaheli? Weil man sich eine kurze Auszeit gönnen möchte, verzieht man sich für einen Moment aufs Klo. Dort lauert die nächste Gefahr - Stufe 2.

2. Kurzes Hinsetzen führt zu Sekundenschlaf. Je weicher die Unterlage, desto gefährlicher ist es. Im weitschichtigen Bekanntenkreis wurde von Eltern berichtet, die sogar bei Hautkontakt mit einer Couch wortlos umgefallen und eingeschlafen sind. Vorsicht: Das kann zu Hausverbot in Möbelhäusern führen. Und als Jungeltern ist man ja dort oft und gerne. Liegt daran, dass dort nicht nur die eigenen Kinder schreien und man beim Essen ohne schlechtes Gewissen den Boden vollsauen kann.

3. Besonders gefährlich ist die Eltern-Müdigkeit beim Vorlesen von Gute-Nacht-Geschichten: Wie in Punkt 2 ausführlich beschrieben lauert die Gefahr des Sekundenschlafs dann im Kinderzimmer. Folgende Formulierungen sind dabei tunlichst zu vermeiden: "Und der Prinz wurde immer müder. Müüüüder. Müüüüüd. Müüü..

4. Müdigkeit ist anstrengend. Gehirn läuft auf Sparflamme. Die Sprache verarmt. Lange Sätze verwirren. Einfache Anweisungen führen zum Erfolg. Hauptsätze dominieren. Schweigen ist am besten.

5. Man gähnt. Ausgiebig und viel. Jeder Zahnarzt hätte seine blanke Freude mit solchen Patienten, immerhin könnte er schon im Wartezimmer aus der Ferne eine erste Diagnose stellen. Das Gähnen ist so herzhaft, dass man sogar Flusspferde damit anstecken könnte.

6. Haben Sie schon mal im Gespräch mit einem Kleinkind den roten Roten Faden verloren? Zugegeben, das ist ein bisschen peinlich - passiert aber bei ausreichend Schlafmangel oft und gerne. Kind: "Mama! Bitte! Machen!" Mama: "Hä? Was soll ich jetzt machen?" Kind: "Bitte! Helfen!" Mama: "Womit? Was ist los? Wer bist du eigentlich?"

7. Habe ich Punkt 7 nicht schon geschrieben? Keine Ahnung... Wie spät ist es eigentlich? Gute Nacht!

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