Man hat ja gewisse Grundsätze in der Kindererziehung. Etwa: Biogemüse von linksdrehenden Bauern aus Freilandhaltung in Bodennähe. Oder: Pädagogisch wertvolles Holzspielzeug aus nachhaltigen heimischen Spielzeugmanufakturen. Und natürlich: Intelligente Kinderbücher von Pulitzer-Preisträgern und kein böses, verdummendes Fernsehen. Das funktionierte bisher eigentlich wunderbar.

Geschichten aus dem Leben einer Zwillings-Mutter.

Doch kürzlich brach das Chaos herein: Die besten Kinder von allen fingen ohne ersichtlichen Grund - dafür umso motivierter - zu brüllen an. Gleichzeitig. In Fernseh-Sprache heißt das Stereo. Micky stampfte wütend auf den Boden während im 90-Grad-Winkel Krokodilstränen aus seinen Augen schossen wie bei einem japanischen Zeichentrickfilm. Und die kleine Maus wälzte sich in einer Pfütze aus Selbstmitleid, Spucke und Tränen am Boden. Die kleinen Fäustchen hämmerten auf das Parkett. Und das alles geschah nach einem ziemlich langen Nachmittag, mit ziemlich vielen Kindern beim ziemlich lauten Kinderturnen ...

Ziemlich hilflos und genervt wanderte mein Blick durch das Wohnzimmer. Was sollte ich jetzt machen? Die Kinder ignorieren und kurz das Zimmer verlassen um Motivation zu tanken? Meine Augen blieben schließlich an einer original verpackten "Barbapapa"-DVD hängen. Kennt ihr diese kleinen Kästchen, wo in großen fetten Lettern steht: "Im Notfall bitte einschlagen"? Genauso fühlte ich mich in diesem Augenblick und ich riss hektisch die "Notfallfolie" der DVD runter.

Ruhe und Frieden durch die Barbapapas

Ich schaltete den Fernseher ein und als die Melodie der Barbapapas aus den Lautsprechern ertönte, waren die kleinen Kindermünder plötzlich mucksmäuschenstill und die Augen hingen an den Figuren, die sich ändern können wie sie wollen: dünn oder dick, kurz oder lang. Eine nie enden wollende Woge an Erleichterung und Kindheitserinnerungen schwappte durch das Tränental. Diese Mischung aus Nostalgie und Ruhe machte mich innerlich glücklich und zufrieden. Es war so ruhig, dass man beinahe seine eigenen Gedanken wieder hören konnte - und ich muss sagen, dass das bei mir schon eine Zeit lang her ist ...

Die Familie Barbapapa ist mittlerweile beinahe bei uns eingezogen: Die Kinder dürfen drei Folgen der bunten Kinderlieblinge anschauen. Jeden Abend vor dem Schlafengehen macht sich schon eine spürbare Nervosität breit. Wir nennen es "Plan B" - das Wort "Barbapapa" darf man nämlich in unserem Haushalt nicht mehr sagen. Denn dann stottern zwei Kinder aufgekratzt und beinahe gleichzeitig "Babaa - Barbaba - Papa - Barbapapa - Barbar". Sie lassen dann alles liegen und stehen und laufen in Windeseile vor den Fernseher. Wehe dem, der nicht sofort die Fernbedienung findet - der ertrinkt im Gebrüll! Da schreien die beiden dann fordernd im Chor "Barbapapaaaaaaa!" und stehen hüpfend vor dem TV-Gerät. Wir müssen die Wunderwaffe dann schnell anwerfen - sonst gibt es Stunk!

Als neulich der Schwiegerdrache einflog und hochtrabend verkündete: "Zwillinge sind doch ein Kinderspiel. Fernsehen? Das gab es bei uns damals nie! Ich muss zwar dann weg, aber eine Stunde kann ich schon aufpassen auf die Kleinen ..." Mein Mann und ich schauten uns in die Augen, atmeten tief ein - und wir beide wussten was zu tun war: Wir zogen uns an und kurz bevor wir die Türe ins Schloss zogen, raunte mein Mann nur ein einziges Wort: "Barbapapaaaaa!"