Ich war enttäuscht. Fast sogar traurig, als ich erfuhr, dass ich mit zwei Jungs schwanger bin: Keine süßen Sommerkleidchen. Keine Maschen und süßen Schleifen in den Haaren. Keine Gespräche über die erste Liebe. Kein Prosecco-Trinken beim Brautkleidkauf. Ich sah mich vor meinem inneren Auge wie in einer Folge von "Malcom mittendrin" stinkende Tennissocken sortieren.

Geschichten aus dem Leben einer Zwillings-Mutter.

Meine Zukunft spielte sich in meinem Kopf auf einem eisig kalten Fußballplatz auf einer Tribüne sitzend ab. Dort sah ich mich mit einer Trillerpfeife meine Jungs anfeuern und so ganz nebenbei raue Mengen halbrohes Fleisch vom Grill nehmen. Und weil mein Kinderwunsch mit den Zwillingen definitiv erledigt war, verabschiedete ich mich von meiner zuckersüßen Mädchen-Welt. Ich müsste wirklich sehr melancholisch oder besonders betrunken sein, dass mir noch ein Kind "passiert". Und mit zwei Jungs kommt man kaum noch dazu sich zu betrinken. Melancholisch ist man sowieso nicht, wohl eher manisch ...

Natürlich, klassisch männlich und klassisch weiblich gibt es heute nicht mehr. Die Welt ist nicht rosa oder blau. Mädchen können heute Dinoforscherinnen werden und Jungs Hausmänner. Frauen verdienen manchmal mehr als ihre Männer und bezahlen den Familienurlaub und Männer zeigen Gefühle. Ja, aber so ganz kann man die Rollen heute trotzdem nicht wegwischen. Ich habe mit Mädchen-Kram einfach mehr Erfahrung. Ich weiß, welche Bücher ich toll fand. Ich weiß, wer meine Heldinnen waren. Und man erkennt sich im eigenen Geschlecht leichter wieder. Ferngesteuerte Autos hatte ich nie, ebenso wenig wie Spiele-Roboter. Als Mädchen liebte ich den Frisierkopf und flocht stundenlang Zöpfe.

Pfeif auf rosa Plüsch-Kacke

Irgendwann kam sie dann aber, die Erleuchtung: Irgendwo zwischen der Barbie-Abteilung im Spielzeuggeschäft und der Hello-Kitty-Abteilung im Kleidungsgeschäft. Es ruckte und zuckte durch meine Gehirnwindungen: Rosa Plüsch-Kacke kommt mir nicht ins Haus! Ich habe mir lila Feenflügel erspart, ebenso wie geblümtes Briefpapier und Pferde-Zeitschriften. Mein Spielzeug wird ehrlich sein: Ritterburgen, Piraten, Kipplaster. Ich fürchte mich auch nicht vor Spinnen und außerdem mag ich meine Steaks sowieso halbroh.

Und das größte Plus an meinem männlichen Nachwuchs: Der überdimensionale Schuhschrank im Flur gehört weiterhin ganz alleine mir. Denn die stinkenden Turnschuhe müssen die Jungs vor der Haustüre ausziehen. Punkt!