Ich habe kein Schamgefühl mehr. Vielleicht liegt es daran, dass mich während meiner Schwangerschaft zirka 20 verschiedene Menschen nackt gesehen haben. Oder vielleicht daran, dass bei der Geburt und Nachsorge sicher noch einmal - Pi mal Daumen - sieben dazu gekommen sind.

Geschichten aus dem Leben einer Zwillings-Mutter.

Auch das Stillen hat Spuren hinterlassen: Da haben mindestens 50 Personen zumindest Teile meiner Nippel gesehen. Und das obwohl ich mich stets um Diskretion bemüht habe. Summa summarum kommen wir also auf einen Kreis von rund 100 Personen, die meine primären oder sekundären Geschlechtsmerkmale kennen. Das sind bei weitem mehr als in meinen aktivsten Single-Zeiten...

Kleine Katastrophen

So lebe ich nun ein völlig ungeniertes und dadurch auch freies Leben. Ich tanke Sonne oben ohne, hüpfe in Unterwäsche durch die Wohnung und wenn es mich wo juckt, dann kratze ich mich einfach. Wenn meine Kinder in Gaststätten - oder wie etwa jüngst ins Passamt - kotzen, so berührt mich das nur mehr peripher. Lächelnd putze ich vorverdauten Grießbrei weg. Auch lautes Pupsen oder Aufstoßen lässt mich völlig kalt. Ich wickle meine Kinder problemlos auf der Gartenbank im Altenheim unserer Urgroßmutter. Selbst bei Trotzanfällen bei Supermarktkassen bleibe ich völlig gelassen. Mahne den Nachwuchs ruhig aber mit strengem Ton. Neugierige Gaffer ignoriere ich dabei charmant.

Nur als neulich der beste Ehemann von allen in einem Anfall verfrühter Midlife-Crisis mit einer orangen Hosen und einem grünen Pulli das Haus zu seinem Männerabend verließ, genierte ich mich ein wenig. Aber ich kann mich auf ihn verlassen: Er wird keinen Trotzanfall bekommen, wenn das Bier ausgeht. Bleibt nur zu hoffen, dass er nicht in den Gastgarten kotzt...