Wann war das eigentlich, als man sich auf Weihnachten gefreut hat? Als Kind, oder? Denn als Erwachsener bedeutet das Weihnachtsfest vor allem eines: Stress. Eine Überdosis Familie, gespickt mit einem Einkaufsmarathon und dazu gibt es trockene Kekse von Tante Hilde. Letztere bröseln extrem und werden im Mund immer mehr statt weniger. Aber loben muss die Backkunst trotzdem jedes Jahr, obwohl einem die Plätzchen aus den Ohren stauben.

Geschichten aus dem Leben einer Zwillings-Mutter.

Das Ganze gipfelt dann in einem dreistimmigen Gesangsmarathon am Weihnachtsabend, wo die gesamte Familie laut, falsch, aber mit Inbrunst "Oh du fröhliche" vor dem Christbaum singt. Und Opa stellt dann die Frage aller Fragen - jedes Jahr: "Schöner Baum - was hat der gekostet?" Man trinkt viel Rotwein... Zu viel Rotwein...

Heuer beginnt aber eine neue Zeitrechnung: Wir haben nämlich jetzt Kinder. Und noch dazu gleich zwei Stück davon. Zwillinge eben. Und die bekommen heuer zum ersten Mal so richtig das Weihnachtsfest mit. So begebe ich mich also auf die Suche nach dem alten Weihnachtszauber meiner Kindheit. Den glitzernden Kinderaugen. Ich bin auf der Suche nach Geheimnissen und halte Ausschau nach dem Christkind und dem Weihnachtsmann. Wir tuscheln über Geschenke und halten Geheimnisse streng geheim. Es wird ein entschleunigtes Fest der Liebe und ein Fest der Kinder. Und alles wird perfekt sein...

Helikopter-Mutter mit Hang zum Rotwein

So einfach ist das aber jetzt auch wieder nicht: Ich stelle mir täglich die Frage, wie ich als Kind die 1980er-Jahre überlebt habe. So ganz ohne bleibende Brandwunden von den Sternspritzern? Und dann gab es da ja auch noch e-c-h-t-e Kerzen. Nicht zu vergessen ist die Kombination kleine Kinder und glitzernde Glaskugeln - wem ist das eigentlich eingefallen? Das ist eine wirklich ganz, ganz unsinnige Mischung. Noch weniger vertragen sich flitzende Kinder und brennende Kerzen. Verbindet man das ganze noch mit Schokolade, gibt es erst eine richtige Sauerei! Ich bekomme jetzt schon Schweißtropfen, wenn ich nur daran denke. Hilfe! Bin ich eine Helikopter-Mutter?

Das entschleunigte Weihnachtsfest kann ich mir vermutlich in die Haare schmieren. Zwar die Kinder entzückt von den Weihnachtsgeschichten, die ich ihnen täglich vorlese. Und sie haben Spaß an den vielen brennenden Lichtern. aber ich sehe mich jetzt schon in irgendeiner Notaufnahme sitzen... Es scheint, Weihnachten mit Kindern hat jetzt einfach ein anderes Stress-Level bekommen.
Aber was soll's - wir lösen uns einfach von all den perfekten Vorstellungen, finden unsere eigenen Rituale. Und wir trinken Rotwein. Wie jedes Jahr...