Peter Gabriel wird 70: Aus dem Leben eines großen Songschreibers

Gestartet als exzentrischer Frontman von Genesis, legte er ab den 80er Jahren eine beachtliche Solo-Karriere hin. Mit seinen melancholisch-sphärischen wie mehrdimensionalen Songs gilt Peter Gabriel als musikalischer Wegbereiter neuer klanglicher Ausdrucksmöglichkeiten. Am 13. Februar 2020 wird der Künstler 70 Jahre alt. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Peter Gabriel erblickte am 13. Februar 1950 in der südenglischen Grafschaft Surrey das Licht der Welt. Er wurde in eine künstlerisch-intellektuelle Familie hineingeboren und wuchs auf einem hübschen Anwesen mit dazugehörigen Ländereien auf. Die Mutter war Konzertpianistin, der Vater Ingenieur.
In den 60er Jahren kam der junge Peter in ein englisches Internat, wo er seine Bandkollegen kennenlernte. Gemeinsam gründeten sie 1967 die Progressive-Rock-Formation Genesis. Durch seine ungewöhnliche Bühnenpräsenz und seinem Faible für bizarre Kostüme avancierte Gabriel schnell zum Frontman. (V. l. n. r.: Schlagzeuger Phil Collins, Bassist/Gitarrist Mike Rutherford, Keyboarder Tony Banks, Sänger Peter Gabriel und Gitarrist Steve Hackett)
Ungewöhnlich für die damalige Zeit: Kaum einer der Genesis-Songs war kürzer als sieben Minuten, die Texte poetisch und wortstark, die Melodien und Harmonien traumartig bis surreal, die Rhythmik und Kompositionen der Songs äußerst komplex und anspruchsvoll. Nahezu jedes Lied, jede Performance der damaligen Genesis-Epoche bedeutet bis heute eine kleine Reise in psychedelisch anmutende Klangwelten. Ihr Album “Selling England by the Pound“ (1973) hielt sich 70 Wochen in den Charts.
Irgendwann kamen die Bandmitglieder mit Gabriels Exzentrik nicht mehr mit und auch er selbst fühlte sich künstlerisch wie kreativ eingeengt. Noch während der Welttournee 1975 zum Album "The Lamb Lies Down On Broadway" teilte er seinen Band-Kollegen mit, dass er Genesis verlassen werde. Die Trennung geschah allerdings im Guten, wie immer wieder betont wird.
Gerade Vater geworden, beschloss Gabriel zunächst ein "normales" Leben zu führen, begann Gemüse anzubauen und viel über sich selbst nachzudenken. Mit dem Ergebnis: Ohne Musik geht es nicht. Er ging wieder ins Studio, heraus kam 1977 seine Soloplatte mit dem schlichten Namen “Peter Gabriel“, auf dem auch der Hit “Solsbury Hill“ zu finden ist. Sie erreicht Gold-Status.
Es folgten drei weitere Alben unter diesem Namen, um die unterscheiden zu können, tauften die Fans sie “Scratch“ (1978) , “Melt“ (1980) und "Security" (1982) . Nebenbei feilte er weiter an seinen licht- und requisitenstarken Bühnenshows, welche die Zuschauer auf eine wahre Gefühlsachterbahn zwischen Kampf und Melancholie schickten. Dafür rasierte er sich teilweise den Kopf.
1985 erschien Gabriels atmosphärischer Soundtrack zum Film “Birdy“, ein Jahr später gelang ihm mit dem Album “So“ ein Riesenerfolg. Mit der Single “Sledgehammer“ verdrängte er sogar seine Ex-Kollegen von Genesis von der Chart-Spitze. Das dazugehörige Video wurde unter anderem mit dem "MTV Video Award" ausgezeichnet und setzte neue Standards in der Branche.
1988 realisierte Gabriel zusammen mit Amnesty International die “Human Rights Now“-Tour, 1992 erschient mit “Us“ ein weiterer großer Erfolg. Im selben Jahr wurde zusammen mit Gabriel als Mitbegründer die Menschenrechtsorganisation “Witness“ ins Leben gerufen, welche Aktivisten weltweit mit Kamera ausrüstet, um Gräueltaten zu dokumentieren. (V.l.n.r 1988 in London: Youssou N'Dour, Peter Gabriel, Bruce Springsteen, Tracy Chapman und Sting.
Für die Millennium Show im Jahr 2000 in London entwickelte Gabriel die musikalische Untermalung. Von da an begann er sich wieder vermehrt auf Soundtracks zu konzentrieren. Darunter für “A Long Walk Home“ (2002) oder den Pixar-Hit “WALL E – Der letzte räumt die Erde auf“ (2008), für dessen Song “Down To Earth“ er seinen mittlerweile sechsten Grammy sowie eine Oscar-Nominierung erhielt.
Nachdem er eigentlich für die Fußball-WM 2006 die Eröffnungszeremonie musikalisch leiten sollte und das Vorhaben plötzlich abgesagt wurde, performte Gabriel stattdessen bei den Olympischen Winterspielen in Turin. So sang er zusammen mit der Lennon-Witwe Yoko Ono keinen geringeren Song als die Friedenshymne “Imagine“.
Seit 2004 kommt es immer wieder zu Gerüchten, ob Genesis und Gabriel in Form einer Reunion nicht doch wieder zusammenfinden. Dazu sagte er einmal in einem Interview mit dem “The Daily Telegraph“ augenzwinkernd: “Das ist wie mit den eigenen Kindern. Egal, wie weit man sich voneinander weg entwickelt, man liebt sie weiter.“
2011 erschien mit “New Blood“ vorerst sein letztes Album. Nachdem er 2014 in die “Rock And Roll Hall Of Fame“ aufgenommen wurde, kam es kurz darauf auch zu einem Wiedersehen mi den Genesis-Jungs (Bild, v.l.n.r: Peter Gabriel, Steve Hackett, Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford. ). 2016 machte er sich zusammen mit Sänger Sting zu einer Doppelpack-Tournee durch die USA auf, die ebenfalls seine bislang letzte war.
In den letzten Jahren ist es stiller um den Musiker geworden. Es heißt, er wolle sich wieder vermehrt um seine Familie und um seine erkrankte zweite Ehefrau Frau Meabh Flynn kümmern. Die beiden sind seit 2002 verheiratet, das Paar hat zwei Söhne. Aus seiner ersten Ehe brachte Gabriel zudem zwei Töchter mit, wobei die jüngere, Melanie, zu seinen Background-Sängerinnen gehört.