Prinzen, Karat und Co.: Diese DDR-Bands waren auch im Westen erfolgreich

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Tobias Künzel, seines Zeichens Sänger der Prinzen, feiert am 26. Mai seinen 55. Geburtstag. Die Prinzen gehören zu den erfolgreichsten Bands, die aus der DDR stammen und nach der Wiedervereinigung in Gesamt-Deutschland den Durchbruch schafften. Diese Bands haben eine ähnliche Geschichte. © spot on news

Die Prinzen gründeten sich 1987 in Leipzig. Allerdings firmierten sie zunächst unter dem Namen die Die Herzbuben. Damals coverten sie unter anderem den The-Who-Hit "My Generation" und veröffentlichten Dutzende weitere Titel. Doch aufgrund von ständigen Besetzungswechseln legten Gründungsmitglieder Sebastian Krumbiegel und Wolfgang Lenk die Band zunächst aufs Eis.
In Januar 1990, nach der Rückkehr von Jens Sembdner, wurde die Band wieder aktiv. Jedoch benannte man sich in Die Prinzen um. Man wollte einer Verwechslung mit den plötzlich bekannt gewordenen Wildecker Herzbuben entgehen. Ein Tag vor dem Foto-Shooting zur Single "Gabi und Klaus" stieg Tobias Künzel dann in die Band ein. Der Song wurde direkt ein Hit. Der Rest ist Geschichte...
Herbert Dreilich, Henning Protzmann und Ulrich Swillms, die zuvor bei der Band Pantha Rei gemeinsam aktiv waren, gründeten die Rockband Karat im Jahr 1975. Sie wurden zu einer der erfolgreichsten Gruppen der DDR, die auch in der BRD diverse goldene Schallplatten einheimste.
Der Karat-Hit "Über sieben Brücken musst du gehen" wurde im Westen von Peter Maffay gecovert, eine Duett-Version von Maffay und Karat gilt als eine der Hymnen der Wendezeit. Trotz einiger Besetzungs- und Stilwechsel sind Karat bis heute erfolgreich.
Weit über die Grenzen Deutschlands wurde die DDR-Band City berühmt. Sie machte sich 1980 mit dem von Beach-Boys-Mitglied Jack Rieley produzierten Album "Dreamland" international einen Namen. Es war die erste englischsprachige LP einer Ostformation.
Zuvor markierte ihr Hit "Am Fenster" aus dem Jahr 1978 den größten Erfolg eines DDR-Songs in Westdeutschland. Dabei hätte der Song ursprünglich gar nicht aufgenommen werden sollen. Er war dem staatseigenen Label Amiga zu lang. Außerdem kam eine Geige darin vor, was nicht zu den offiziellen Vorstellungen von Rockmusik passte. Da jedoch in einer Aufnahmesession noch Studiozeit übrig war, konnten City "Am Fenster" zum privaten Gebrauch aufnehmen.
Neben Karat und City waren auch die Puhdys eine der erfolgreichsten DDR-Rockbands überhaupt. Allein bis zur Wende setzten sie weltweit fast 20 Millionen Alben ab. Am Anfang hatten sich die Puhdys an britischem Hardrock-Bands wie Deep Purple, Uriah Heep und Led Zeppelin orientiert.
Die Puhdys gehörten zu den wenigen DDR-Bands, die für Konzerte im Westen ausreisen durften. Ihre dezent kritischen Songs eckten aber mit der Zeit bei der Staatsführung an. Nach der Wende löste sich die Band zunächst auf, feierte aber schon 1992 ihr Comeback. 2014 kündigten die Puhdys den endgültigen Abschied an, die letzten Konzerte fanden am 1. und 2. Januar 2016 in Berlin statt.
Zu den wenigen DDR-Bands, die sich nicht am Rock orientierten, zählt die 1978 in Ost-Berlin gegründete Band Silly. Sie mochten es deutlich elektronischer und frönten dem Sound der Neuen Deutschen Welle.
Ihre Spezialität: Systemkritik in den poetischen Texten so subtil zu verpacken, dass sie den Zensurbehörden nicht auffiel. 1996 ereilte Silly aber ein tragisches Schicksal: Ihre Sängerin Tamara Danz starb mit 43 Jahren an Brustkrebs. Die Musiker gingen danach eine Zeit lang getrennte Wege. 2006 gab es dann ein Comeback mit Anna Loos am Mikrofon.
Ende 2018 stieg Anna Loos bei Silly aus, um sich ihrer Solo-Karriere zu widmen. Das letzte gemeinsame Album "Wutfänger" kam im Mai 2016 auf den Markt und schaffte es bis auf den fünften Rang der deutschen Album-Charts.
Dritte Wahl ist eine der wenigen Punkbands aus der DDR, die die Wende überlebt hat. Nach dem Mauerfall wurde die 1988 erstmals in Erscheinung getretene Band deutschlandweit bekannt. Sie sind bekannt für ihre kritischen politischen Texte.
Aber auch sie traf 2005 das Schicksal: Sänger Marko Busch starb mit 35 Jahren an Magenkrebs. Die Band machte dennoch weiter. 2017 veröffentlichte sie das Album "10".
Auch Rammstein betonen immer wieder gerne ihre Herkunft aus Ost-Deutschland. Zuletzt mit ihrer Single "Radio". Allerdings sind sie per se keine klassische DDR-Band. Rammstein als solches in der jetzigen Besetzung wurde erst 1994 gegründet.
Rammstein brachte es in den vergangenen Jahren zu weltweitem Ruhm und füllt heute als eine der ganz wenigen deutschen Bands auch riesige Stadien im Ausland.