Corinna Harfouch wird 65: Die wandelbare Schauspielerin

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Kaum eine deutsche Schauspielerin steht derart für Wandelbarkeit und Widersprüchlichkeit wie Corinna Harfouch. Sie ist als Film-, TV- und Theaterschauspielerin gefragt. Am 16. Oktober feiert sie ihren 65. Geburtstag. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Corinna Harfouch wird am 16. Oktober 1954 als Corinna Meffert in Suhl, in der damaligen DDR, geboren. Sie spielt schon während der Schulzeit Theater. Nach dem Abitur erhält sie von einer Schauspielschule zunächst eine Absage und wird Krankenschwester. Drei Jahre später versucht sie es erneut und wird an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin angenommen.
Nach dem Studium erhält Harfouch ihr erstes Engagement am Berliner Theater im Palast (TiP). Dort hat sie es gleich mit den ganz großen Rollen zu tun: Sie debütiert als Lucie in "Stella" von Goethe, spielt die weibliche Hauptrolle in Shakespeares "Romeo und Julia" und gibt die Polly in Brechts "Dreigroschenoper".
Nach der Wende gelingt ihr der Sprung auf die TV-Bildschirme und die Kinoleinwand. So mimt sie unter anderem in 15 Folgen (1992 bis 1993) der ZDF-Serie "Unser Lehrer Doktor Specht" die Ärztin Lilo von Barnim. 1993 ist sie das erste Mal in einem "Tatort" zu sehen und spielt in der modernen Kästner-Adaption "Charlie & Louise – Das doppelte Lottchen" (1994) an der Seite von Heiner Lauterbach.
1997 wird Harfouch für ihre Darbietung in der Bühnen-Interpretation von "Des Teufels General" von der Fachzeitschrift "Theater Heute" zur "Schauspielerin des Jahres" gewählt. Im selben Jahr erhält sie den Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie "Spezial". Außerdem ist sie in dem Überraschungserfolg "Knockin' on Heaven's Door" als Krankenschwester zu sehen.
In "Solo für eine Klarinette" (1998) spielt sie an der Seite von Götz George die Mordverdächtige Anna Weller, in Bernd Eichingers "Der große Bagarozy" (1999, Bild) stellt sie unter anderem an der Seite von Til Schweiger eine Psychiaterin dar, die in ein Spiel aus Obsession und Lügen hineingezogen wird.
Ihr Händchen für Märchenfiguren beweist sie mit ihrer Rolle der Hexe Rabia von Katzenstein in der Kinderhörspiel-Verfilmung "Bibi Blocksberg" (2002) und in der Fortsetzung "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der Blauen Eulen" (2004). Harfouch bekommt dafür den Deutschen Filmpreis für die beste Nebenrolle.
In der Sat.1-Serie "Blond: Eva Blond!" übernimmt Harfouch von 2002 bis 2006 die Rolle der titelgebenden Kriminalkommissarin. Intelligent, humorvoll, selbstbewusst und stets auf ihre weibliche Intuition vertrauend, klärt sie an der Seite ihres Macho-Kollegen (Erdal Yıldız) einen Mordfall nach dem anderen auf. Die sechsteilige Serie besticht durch Situationskomik, was Kritiker und Zuschauer gleichermaßen überzeugt.
Über ihr Privatleben gibt Harfouch nur wenig preis. Dennoch bleibt die Liaison mit Bernd Eichinger Anfang der 2000er nicht unbemerkt. Zwei Ehen hat die Schauspielerin hinter sich, den Namen ihres ersten Mannes Nabil Harfouch trägt sie bis heute. Seit 2004 führt sie eine Beziehung mit ihrem Schauspielkollegen Wolfgang Krause Zwieback (im Bild).
In der Romanverfilmung "Das Parfüm" (2006) spielt Harfouch die Parfümeurswitwe Madame Arnulfi. Bei ihr lernt die Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille alles, was er braucht, um seinen grausamen Plan verwirklichen zu können: Das perfekte Parfüm zu kreieren, wofür er die schönsten Mädchen der Stadt tötet.
In dem ARD-Sozialdrama "Der Fall Bruckner" (2014) spielt Corinna Harfouch die Jugendamtsmitarbeiterin Katherina Bruckner, die darüber entscheiden muss, ob ein Kind wegen Misshandlungen seiner Familie entzogen werden soll oder nicht. 2015 wird der Film mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, Harfouch selbst mit dem Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie "Beste Hauptrolle".
Mit Teil drei der Kultfilmreihe "Fack ju Göhte" (2017) wagt sich Corinna Harfouch wieder ins Komödienfach. Als Berufsberaterin macht sie die Schülerschar von Zeki Müller (Elyas M’Barek) mit dem Ernst des Lebens vertraut.
Mal sympathisch, mal machthungrig, mal humorvoll, mal spielerisch, mal zart, mal kühl – Corinna Harfouch versteht es, Gegensätze in sich zu vereinen. Ihre Wandelbarkeit zeichnet ihre schauspielerischen Leistungen aus. Am 7. November kommt mit "Lara" ein neuer Film mit ihr in die Kinos. Darin spielt sie eine Mutter, die ihre eigenen, nicht erfüllten Träume, Musikerin zu werden, auf ihren Sohn Victor (Tom Schilling) projiziert.