Von ganz unten nach ganz oben – selten hatte diese oft bemühte Phrase so viel Berechtigung wie bei Oprah Winfrey. Sexuelle Gewalt, Armut, Drogen – die ersten Lebensjahre Oprah Winfrey erscheinen wie die Blaupause einer "schweren Kindheit". Doch der späteren Talk-Queen gelang es, ihren persönlichen Lebens- und Leidensweg zu ihrem beruflichen Vorteil zu nutzen und das Genre Talk-Show in völlig neue Sphären zu hieven.

So sprach Winfrey 1986 in ihrer Show beim Thema "sexueller Missbrauch" über ihre eigenen Erlebnisse und erzählte der amerikanischen TV-Nation, dass sie als Neunjährige sexuelle Gewalt erfahren hatte. Mit dieser Offenheit und dem echten Mitgefühl brachte die Talk-Masterin regelmäßig Promis und normale Menschen dazu, ihre Herzen zu öffnen und über ihre dunkelsten Geheimnisse zu sprechen.

Nur bei Oprah spricht die scheue Julia Roberts über ihr Privatleben, macht sich Tom Cruise mit seinen Sofa-Hopsern auf legendäre Weise zum Affen und beichtet ein ganz normaler Mann, wie er aus Versehen seine Frau und die zwei Hunde vergiftete. Mit diesem Mix aus bewegenden Einzelschicksalen und Promi-Geschichten wurde die Talkshow zur erfolgreichsten des US-Fernsehens und Winfrey zur Milliardärin.

Die Legende, sie habe Präsidenten gemacht, scheint auch trotz ihrer riesigen Fan-Gemeinde und ihrer Freundschaft mit den Obamas übertrieben - dass Bücher, die sie in "Oprah's Book Club" in ihrer Talk-Show besprach zu Bestsellern avancierten, ist jedoch ein Fakt. Kein Wunder also, dass Winfrey von Magazinen wie "Times" und "Forbes" mehrfach unter die einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gewählt wurde. Im Jahr 2011 moderierte Winfrey die letzte Ausgabe ihrer Show – nur um kurze Zeit später eine Nummer größer weiterzumachen: mit ihrem eigenen Pay-TV-Sender. (dh)