"Sittliche Gefährdung" und "Irreleitung des Geschlechtstriebs": Der Streit um das diesjährige Life-Ball-Plakat erreicht einen neuen Höhepunkt. Zwei FPÖ-Politiker erstatten Strafanzeige gegen die Verantwortlichen. Das Plakat verstößt ihrer Ansicht nach gegen das Pornografiegesetz. Life-Ball-Veranstalter Gery Keszler kontert.

FPÖ-Mandatarin Anneliese Kitzmüller und der Linzer Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer haben Anzeige gegen die Verantwortlichen für das heurige Life-Ball-Plakat gestellt. Das Transgender-Motiv von Künstler David LaChapelle verstoße gegen das Pornografiegesetz, urteilt die FPÖ-Familiensprecherin.

Conchita Wurst ist auch ein Symbol für Transsexuelle wie Carla B.

"Das Transgender-Plakat für den Life Ball überschreitet nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks - über den man vielleicht noch streiten könnte", sagte Kitzmüller. Das Plakat sei eine "sittliche Entgleisung", die Kitzmüller und Wimmer "als Befürworter eines traditionellen Familienbildes zutiefst ablehnen".

Life-Ball-Organisator Gery Keszler zeigte sich im Gespräch mit der "Presse" unbeeindruckt: "Wir wussten von Anfang an, dass es ein schwieriges Thema wird - der Dialog darüber war gewünscht." Die unterschiedlichen Meinungen zu provokanter Kunst im öffentlichen Raum seien interessant. "Das Plakat sollte zu Gesprächen führen."

Am 17. Mai spielen Russkaja im Kursalon Wien am Diversity Ball. Das Besonderere daran: Ihr Konzert wird erstmals simultan in Gebärdensprache übertragen. Wir haben mit Russkaja-Frontmann Georgij Makazaria und Gebärdendolmetscher Norbert Pauser gesprochen.

"Werbung für 'Transgender-Hype'"

Die FPÖ ortet bei David LaChapelles Interpretation des diesjährigen Life-Ball-Mottos "Garten der Lüste" eine "aus Steuergeldern finanzierte Werbung für einen 'Transgender-Hype'". Kinder und Jugendliche würden mit nackten Tatsachen konfrontiert, während teils scheinheilig über Jugendschutz in Fernsehen und Internet diskutiert werde. "Diese sittliche Gefährdung samt Irreleitung des Geschlechtstriebes soll umgehend freiwillig entfernt oder sonst durch Staatsanwalt und Gericht geahndet werden."

Gery Keszler hält im "Presse"-Gespräch dagegen: "Was ich wirklich schwierig finde, ist diese Unfähigkeit von Erwachsenen, mit solchen Themen umzugehen und wie sie dann immer ihre Kinder vorschieben. Das ist ein widerlicher Aspekt in dieser Auseinandersetzung", sagte er der Zeitung. "Vorgestern habe ich in einem Einkaufszentrum ein riesiges Monster mit Handgranaten und Maschinengewehren vor einem Spielwarengeschäft stehen sehen, da regt sich kein Mensch auf."

Plädoyer für Identität und Respekt

Starfotograf David LaChapelle hatte für das Plakat das Transgender-Model Carmen Carrera abgelichtet. Unter dem Motto "Ich bin Adam - Ich bin Eva - Ich bin ich" ist Carrera mit sowohl weiblichen, als auch männlichen Geschlechtsteilen zu sehen. Keszler hatte dazu bei der Präsentation gesagt, in den Bildern gehe es nicht um Sexualität, sondern um Identität und Respekt.