Tilda Swinton wird 59: Die Exzentrikerin des Kinos

Ob in Blockbustern oder Arthouse-Filmen: Tilda Swinton, die am 5. November ihren 59. Geburtstag feiert, verkörpert mit Vorliebe außergewöhnliche und exzentrische Rollen, für die sie auch keine optischen Veränderungen scheut. Diese Charaktere machten sie berühmt. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Die Schottin Katherine Matilda "Tilda" Swinton wird 1986 von Regisseur Derek Jarman entdeckt. Er bringt die in London geborene Theaterschauspielerin für seine Filmbiografie "Caravaggio" auf die Kinoleinwand. Darin spielt sie die Prostituierte Lena, die Bekanntschaft mit dem italienischen Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio macht.
In "Edward II" (1991) holt der englische König Edward seinen Freund und Geliebten Piers Gaveston (Andrew Tiernan, re.) aus der Verbannung in Frankreich zurück. Swinton verkörpert Edwards verschmähte Ehefrau Isabella. Für die Darstellung erhält sie den Volpi Cup als beste Schauspielerin auf dem Filmfestival in Venedig.
Der internationale Durchbruch gelingt Swinton schließlich mit dem Film "Orlando" (1992) nach dem Roman von Virginia Woolf. Darin verkörpert sie einen englischen Edelmann, der wechselweise als Mann und als Frau die vier Jahrzehnte zwischen der Zeit von Elisabeth I. und dem London des 20. Jahrhunderts durchlebt.
In der Comicverfilmung "Constantine" (2005) verkörpert Swinton den androgynen Erzengel Gabriel, der dem an Lungenkrebs erkrankten Constantine (Keanu Reeves, li.) im Kampf gegen Dämonen hilft.
Im selben Jahr spielt sie erstmals "Jadis, die weiße Hexe“ im Fantasyfilm "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia". Diese hat das Königreich Narnia verflucht und in einen ewigen Winter gestürzt. Es folgen zwei weitere Fime der Reihe, 2008 "Prinz Kaspian von Narnia" und 2010 "Die Reise auf der Morgenröte".
Auch die Rolle der Vorstadt-Mutter steht ihr: Ebenfalls 2005 ist sie in "Thumbsucker" (2006) zu sehen. Swinton spielt Audrey Cobb, die Mutter eines daumenlutschenden Teenagers. Der Film basiert auf einem 1999 erschienenen Roman von Walter Kirn.
Neben George Clooney (re.) als Anwalt Michael Clayton kann Swinton im Thriller "Michael Clayton" (2007) brillieren. Sie spielt Karen Crowder, die arbeitssüchtige Geschäftsführerin eines Chemikalienherstellers, der Dreck am Stecken hat. Für ihre Darstellung wird Swinton 2008 als Beste Nebendarstellerin mit einem Oscar ausgezeichnet.
2008 schenkt ihr Regisseur Erick Zonca eine Paraderolle: Im Drama "Julia" verwandelt sich Swinton in die heruntergekommene, alkoholsüchtige Titelheldin, die einen kleinen Jungen entführt und Lösegeld erpresst.
Die Coen-Brüder engagieren Swinton 2008 zusammen mit George Clooney, Brad Pitt und John Malkovich für den Ensemble-Film "Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?“. CIA-Experte Osborne Cox (John Malkovich) verliert seinen Job und will sich fortan dem Verfassen seiner Memoiren widmen. Ehefrau Katie (Tilda Swinton) fürchtet, dass ihr Mann ihr auf der Tasche liegen könnte. Um bei einer möglichen Scheidung gute Karten zu haben, brennt sie die privaten Daten ihres Mannes auf eine CD. Der Datenträger gerät bald in falsche Hände...
2008 gehört Swinton zum Cast von "Der seltsame Falle des Benjamin Button". Im Film wird die Lebensgeschichte eines Mannes (Brad Pitt) erzählt, der in der Gestalt eines alten Greises auf die Welt kommt und rückwärts altert. Der schönen Tänzerin Daisy (Cate Blanchett) und Benjamin ist das Glück der Gleichaltrigkeit nur für wenige Jahre gegönnt. Swinton spielt Elizabeth Abbot, mit der Benjamin eine kurze Affäre hat.
Nach "Grand Budapest Hotel" blieb sie ihrer ungewöhnlichen Rollenwahl treu, zeigte sich 2016 als Rockmusikerin im Erotik-Thriller "A Bigger Splash" und als aufdringliche Klatschreporterin in der Coen-Brüder-Farce "Hail, Caesar!". Auch im Marvel-Multiversum bekam sie ihren Platz: In "Doctor Strange" (2016, Foto) und später 2019 in "Avengers: Endgame" spielte sie als die "Ancient One" die Lehrmeisterin von Benedict Cumberbatch und musste ihre Rolle im Vorfeld heftig verteidigen. Im ursprünglichen Comic war "die Älteste" noch ein Mann.
In "Suspiria" gelingt ihr abermals ein Überraschungs-Auftritt: Zunächst gibt der italienische Regisseur Luca Guadagnino bekannt, dass Swinton die Tanzschulleiterin Madame Blanc spielt. Doch im Interview mit der "New York Times" lüftet Swinton das Geheimnis: Um parallel in die Rolle des Psychoanalytikers Klemperer zu schlüpfen, verbrachte sie täglich bis zu vier Stunden in der Maske.
In der Horror-Komödie "The Dead Don't Die" (2019) von Jim Jarmusch kommt es im beschaulichen Städtchen Centerville zu einer Zombie-Apokalypse. Im diesjährigen Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele von Cannes spielt Swinton eine Bestatterin mit schottischem Akzent, die elegant mit dem Samuraischwert umzugehen weiß.
Auch 2020 können sich Fans auf interessante Filmprojekte von Tilda Swinton freuen. Darunter befindet sich Wes Andersons neues Werk "The French Dispatch". Der Film spielt im 20. Jahrhundert in einer Niederlassung einer amerikanischen Zeitung in einer fiktiven französischen Stadt und soll sich um die Welt der Journalisten drehen. Einen genauen Starttermin gibt es noch nicht.