Schon in der zweiten Folge geht "Austria's Next Topmodel" in die Vollen: Nacktshooting, Umstyling, Tränen, Drama. Dass eine Kandidatin dabei nicht alles mit sich machen lassen will, ist für die Feldwebel-Coaches nur ein Zeichen, dass sie nicht hart genug ist fürs Modelleben.

Bei ATV weiß man, dass sich alles mit nackter Haut besser verkaufen lässt – oder im Zweifelsfall mit dem nackten Wahnsinn. Immerhin hat uns der Sender ja schon Reality-Formate wie "Machos & Playboys" geschenkt und Baumeister Richard Lugner in Begleitung einer Stripperin auf den Ballermann geschickt – sie zog das Oberteil blank, er das Oberstübchen.

So macht es nur Sinn, dass zum Neustart von "Austria's Next Topmodel" auf ATV das allererste Fotoshooting der Nachwuchs-Models gleich ein Nackt-Shooting mit Partner ist.

Sicher, für die Bilder werden die intimen Stellen verdeckt wie in einem Austin-Powers-Film: Hier der Kopf, da das Knie, vorn die Schulter. Für die Reality-Kamera gilt das natürlich nicht: Die erwischt in dokumentarischem Eifer beinahe alle Brüste, die da herumgereicht werden.

Ausziehen, gefälligst!

Trotz des großen Getrommels sorgt das kleidungsarme Shooting bei den wenigsten Kandidaten für Kummer. Julia hat bei der Ankündigung noch ein paar leise Hemmungen - aber als ihr gesteckt wird, dass ihr Partner Jules gar nicht auf Frauen steht, entspannt sie sich.

Nur Sanda zeigt sich vom Ablauf wenig begeistert: Sie mag es nicht, dass die versammelte Mannschaft ihre Oberweite begutachten kann, und ist entsprechend aufgebracht, als ihr Partner Lukas einmal vergisst, die Blicke abzuschirmen. Coach Marina Hoermanseder beweist ungemeines Feingefühl im Umgang mit der Situation: "Hört's jetzt auf, zu zicken".

Vielleicht ist es müßig, böse Worte darüber zu verlieren, wie hier suggeriert wird, dass die jungen Menschen für die Karriere spuren müssen – egal, was von ihnen verlangt wird.

Immerhin ist das Nacktshooting beim großen deutschen Vorbild jahrelanger fixer Bestandteil der Quotensuche, und man könnte argumentieren, dass die Bewerber wissen müssen, worauf sie sich einlassen.

Wenn Sanda dann aber in der Garderobe steht und unter Tränen beteuert: "Mir geht's gut", dann darf man vielleicht doch hinterfragen, warum Castingshows und Reality-Fernsehen doch immer so sehr darauf bestehen, dass den Kandidaten mit psychischem Druck eingebläut wird, sie müssten für den Ruhm jede Erniedrigung über sich ergehen lassen.

Du willst Model werden? Dann vergiss die körperliche Selbstbestimmung und zieh dich gefälligst aus!

Tränen für die Quote

Beim anschließenden Umstyling werden einem die Show und ihre Model-Feldwebel auch nicht unbedingt sympathischer.

Wieder muss Drama geschaffen werden, damit die Quote stimmt: In alter Tradition kriegen die Kandidatinnen nicht vorher gesagt, wie sie verändert werden, damit sie sich größtmögliche Sorgen machen können – und vielleicht auch gar nicht mit dem Resultat zufrieden sind.

Theresa und Julia tun sich schwer, den ständigen Beteuerungen der Jury, dass man ihnen vertrauen müsste, Glauben zu schenken: Sie wollen eben wissen, ob sie plötzlich ihre langen Haare verlieren müssen oder scheußliche Stirnfransen aushalten sollen. Julia ist unter Tränen kurz davor, die Show zu verlassen, wird aber von Coach Daniel Bamdad lang genug bedrängt, sich zu fügen.

Auch Theresa beackert er. "Stehst du hinter Marina?", will er wissen und wird patzig, als die verheulte Kandidatin nichts sagt. "Es wäre schön, wenn du mich mit Respekt behandeln würdest und mir antwortest", fordert er.

Respektvoll wäre es natürlich auch, mit seinen erwachsenen Kandidaten nicht wie mit kleinen Kindern zu reden oder ihnen nicht im Dschungelcamp-"Trau dich"-Modus Angst einzujagen.

Die Änderungen an Theresas Frisur sind eher gering – aber trotzdem entschließt sie sich am nächsten Tag, aus der Sendung auszusteigen. Für Bamdad unverständlich: "Irgendwie sind da die Prioritäten falsch gesetzt", meint er. "Das wird nicht immer nur Zucker". Schon klar: Wer nicht alles mit sich machen lässt, ist eben nicht hart genug für den Reality-Zirkus.

Nach Hause geschickt wird dann auch noch Kandidat Christian: Die Jury konnte sich nicht vorstellen, dass es bei ihm demnächst "Peng" macht. Leid tun einem aber dann doch eher alle anderen, die noch bleiben müssen.