"Bares für Rares": Horst Lichter erlebt sein türksblaues Wunder

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Es ist bekannt, dass Horst Lichter seinen eigenen Geschmack hat. Das beweist er nicht nur mit seinem adrett geformten Schnauzer. Doch am Mittwoch musste sich der Trödelmoderator bei "Bares für Rares" eines Besseren belehren lassen.

Anfangs wird Horst Lichter vom Partnerlook des Verkäufers und des Experten abgelenkt. Dann aber fällt sein Blick auf den Tisch. "Das ist ja 'ne Kuh ... sag mal, unter uns, gefällt sie dir?", flüstert der Moderator. Lothar Bruder (re.) aus Ettlingen antwort ehrlich: "Nee!" - Lichter: "Mir auch nicht!"
Da muss der Experte einhaken. Detlev Kümmel gefällt das farbenfrohe Erbstück sogar sehr. "Selbstverständlich gefällt sie dir mein lieber Detlev, denn du hast ja auch Ahnung. Ist das Majolika?", fragt Horst Lichter dann doch interessiert. Ist es. Sogar Karlsruher Majolika.
Die Firmenmarke mit den Initialen "MM" deutete auf die Majolika-Manufaktur in Karlsruhe. "Und darüber haben wir die Meistermarke 'LK' von Ludwig König", doziert Detlev Kümmel. Lichter spöttisch: "Und der war wahrscheinlich sehr gut oder?"
"Der war richtig gut", pflichtet ihm Detlev Kümmel schmunzelnd bei. Ludwig König lebte in der Zeit zwischen 1891 bis 1974 und leitete von 1922 bis etwa 1930 das Meisteratelier in Karlsruhe. Aus dieser Periode dürfte auch der Entwurf für die bunte Kuh sein.
Kümmel gerät ins Schwärmen: "Man sieht, diese Kuh ist nicht unbedingt naturalistisch, sondern expressionistisch geformt." Was durchaus wertsteigernd sei. "Auch der Zustand des Objekts ist tadellos", freut er sich.
"Alles, was hier abgerieben aussieht, ist wirklich gewollt. Die Kuh ist fehlerfrei", erklärt der Experte, und Lichter rechtfertigt sich: "Ich will nicht bestreiten, dass es ein tolles Kunstwerk ist. Aber weißt du, was mein Problem ist? Mich stört, dass die Augen der Kuh hohl sind. Sie guckt so leer."
"Dass die Augen und die Hufen hohl sind, zeigt, dass die Kuh eine gewisse Leichtigkeit hat und eine filigrane Arbeit ist", argumentiert Detlev. "Und das massive Craquelé ist sicher auch gewollt?", fragt Lichter nach. "Ja, ist es. Das soll die Kuh noch plastischer darstellen", schließt Kümmel seine Expertise ab.
Doch was ist die Kuh wert? Und wie viel will Lothar Bruder für seine Keramik haben? Zwischen 500 und 600 Euro liegt sein Wunschpreis für das Erbstück. "Ja, warum auch nicht", witzelt Horst sarkastisch. Doch komplett aus der Luft gegriffen ist der Preis nicht.
"Keramik ist im Wert doch gefallen", bremst Detlev Kümmel die Erwartungen, setzt bei 400 bis 450 Euro aber nicht allzu niedrig an. "Na immerhin. Ich würde sie dafür wegtun!", erklärt Horst. Das sieht auch der Verkäufer so und zieht einen Raum weiter.
Die Händler zeigen sich begeistert von der Majolika-Kuh. Fabian Kahl (M.) muss gleich an Pablo Picasso denken. Da sind 200 Euro Startgebot fast noch tief gegriffen.
Auch Walter Lehnertz gefällt das ausgefallene Keramikstück: "Die Kuh muss in die Eifel. Ich biete 250!" Fabian pokert mit bis 500 Euro. Doch den Zuschlag erhält Susanne Steiger für 600 Euro. Sie hat sich ebenfalls in die grüne Kuh verliebt, die Horst Lichter wohl selbst geschenkt dankend abgelehnt hätte.
Außerdem über den Händlertisch geht am Mittwoch bei "Bares für Rares" ein Set mit Clownfiguren aus Sterlingsilber. Laut Expertise haben die Stücke einen Sammlerwert von 2.800 bis 3.200 Euro. Fabian Kahl kauft sie für 1.300 Euro.
Dieser ausgefallene Gehstock samt integrierter Säge stammt aus der Zeit um 1900 und wird auf 70 bis 90 Euro geschätzt. Doch Händler Walter will ihn unbedingt haben und kauft ihn am Ende für satte 140 Euro.