"Bares für Rares": Horst spielt Napoleon

Besitzerin Jutta Strobel wusste nicht viel über ihren Hut, außer dass ihr Mann ihn gern auf Familienfeiern aufsetzte, um Napoleon zu spielen. Jedoch stammte der sogenannte Zweispitz nicht aus Frankreich und ob er, "allein aus Altersgründen eine Rarität ist", musste noch von "Bares für Rares"-Experte Sven Deutschmanek bewiesen werden.

Beim Anblick der Kiste samt Inhalt wirkte Horst gewohnt fachmännisch und stellte nach einer freundlichen Begrüßung fest: "Du hast einen Hut dabei. Das ist doch ein Hut oder? Samt Schulterklappen." Das konnte Verkäuferin Jutta nur bestätigen: "Ja, ein Offiziershut mit sogenannten Epauletten." Lichter runzelte die Stirn, das Wort hatte er noch nie zuvor gehört.
Bei diesem Ausdruck musste der Moderator genauer nachfragen: "Wie heißen die? Das klingt als wäre das was aus Blätterteig ...", witzelte Lichter und Experte Sven Deutschmanek stimmte gleich mit ein: "Ja, klingt nach was Leckerem."
Doch eine Frage brannte Lichter auf den Lippen: "Wie kommt man denn an so einen Wahnsinns-Hut?" Der Ehemann von Jutta Strobel hatte ihn gekauft, da er gut in ein nautisch eingerichtetes Zimmer in ihrer Wohnung passte. Das hätte Lichter gern in echt gesehen und wurde kurzerhand von der Verkäuferin zur Besichtigung eingeladen!
Bevor Horst mehr über die besondere Kopfbedeckung erfahren durfte, hatte Jutta Strobel noch einen Wunsch: "Kannst du den Hut bitte mal aufsetzen? Das sieht nämlich toll aus. Du wärst doch prädestiniert dafür." Der Experte sah das genauso: "Oh, das steht dir aber wirklich", lobte Deutschmanek.
Nach der Verkleidung befreite der Experte den Moderator wieder von dem Hut, der aus schwarzem Seidenmohair gemacht und mit goldenen Bouillonfüllungen in den Spitzen verziert wurde. Bouillonfüllungen? Das war das nächste Stichwort für Lichter, der sich gleich wieder in die Küche träumte ...
Doch wer hatte den Zweispitz noch getragen außer Horst Lichter und Strobels Ehemann? Die Verzierungen in Gold gaben den ersten Hinweis, denn diese Farbe ist typisch für einen Offiziershut. Solche Hüte wurden nur als Teil einer Paradeuniform getragen und nicht im Dienst.
Ein weiteres Detail, nämlich dass der Offiziershut in England produziert wurde und nicht zu Napoleons Zeit in Frankreich, zeigte sich auf der Innenseite des Huts. Hier konnte man den eingestickten Namen der Firma Gieve, Matthews & Seagrove lesen, die ab 1785 für die Britische Royal Navy produziert hat. Der Hut wurde wohl Anfang des 20. Jahrhunderts, so um 1900 - 1905, hergestellt.
Deutschmanek entdeckte noch einen weiteren, sehr interessanten Hinweis auf die Herkunft des Huts: "Es gibt auch einen Verweis auf den Träger. Also wer war der Offizier? Auf der Transportbox ist eine Plakette mit dem Aufdruck J.S. Ward. R.N. zu lesen, die vermutlich auf den Träger deutet."
Die Transportkiste wurde aus Metall gefertigt, lackiert und innen mit rotem Samt ausgekleidet. Die Box wurde also speziell für die Aufbewahrung des Offiziershuts samt Schulterklappen gemacht. Oben im Deckel sei auch noch eine kleine Tasche, die vielleicht für die Handschuhe gedacht war, munkelte Sven. Doch Horst hatte eine andere Vermutung: "Das war die Handytasche damals", scherzte er.
Für das komplette Set hatte Jutta einen Wunschpreis von 300 Euro, doch das war laut Sven allein der Zweispitz schon wert. Das Konvolut mit antikem Offiziershut, Trägernachweis, Kiste und Schulterklappen schätzte er auf 500 bis 600 Euro. "Das ist ein ganz besonderes Sammlerstück für Liebhaber."
Auch wenn die Verkäuferin ein ganz besonderes Sammlerstück für die Händler bereithielt, war sie unglaublich aufgeregt: "Ich zittere am ganzen Körper und hoffe, ich muss die Kiste nicht wieder mit nach Hause nehmen, die ist nämlich sauschwer".
"Witzig, so etwas habe ich so in der Gesamtheit mit Box noch nie gesehen. Und das auch noch im Top-Zustand. Aber was kostet so was?", überlegte Händler Fabian Kahl. Walter Lehnertz hingegen haute gleich ein Knaller-Startgebot von 480 Euro raus. Und zugleich wurde das Bieter-Duell entfacht ...
In kleinen Schritten boten sich Kahl und Lehnertz hoch, doch als Walter bei 800 Euro angelangt war, zögerte Kahl. Selbst als er von den anderen Händlern ermuntert wurde, weiter zu bieten wurde er noch stiller, als er die Einschätzung des Experten von 500 bis 600 Euro hörte. Kahl hatte mit einem Wert von 1.000 Euro gerechnet.
Jutta Strobel war dennoch überglücklich mit Lehnertz' letztem Gebot von 800 Euro und strahlte noch mehr, als der Händler sie "Engelchen" nannte: "Mensch, so wurde ich ja schon lange nicht mehr genannt". Von "Waldi" gab es dann sogar noch zehn Euro "für ein Frühstücksgedeck" dazu.
Ebenfalls über den Händlertisch ging dieses Charivari für 250 Euro. Auch wenn der Verkäufer gerne 500 Euro für sein Schmuckstück aus den 1960er Jahren gehabt hätte.
Die Kommodenuhr, die etwa um 1900 gefertigt wurde, blieb dagegen im Besitz von Ursula Wendt aus Oberhausen. Den Wert des guten Stücks der Firma Junghans schätzte Dr. Heide Rezepa-Zabel nur auf 80 bis 120 Euro. Die Besitzerin wollte aber 500 Euro.