"Bares für Rares": Riesenspiegel aus Schweinsleder sucht neuen Besitzer

Ein Spiegel aus Schweinsleder soll den Besitzer wechseln, aber findet sich überhaupt einer?

Mehr noch als vom Spiegel war der Moderator von Verkäufer Mike angetan. "Geile Kutte hast du da an. Lass mich raten, du fährst Moped", tippte Lichter und erhielt ein cooles "Yes" als Antwort. "Und der Spiegel scheint aus dem gleichen Material zu sein wie deine Jacke: Leder. Wo hast du denn so ein Teil gefunden?", wollte er weiter wissen.
Den imposanten Rahmen hatte Mike vor gut 20 Jahren bei einem Trödler erworben - für rund 300 D-Mark. Dafür gab es zusätzlich eine vage Herkunftsauskunft: Aus einem Schloss im Harz stamme der Spiegel. Doch Mike wollte die ganze Geschichte zu seinem Unikat erfahren.
Die Zeichen, Zahlen und Motive ließen Lichter grübeln: War das etwa ein Freimaurer-Rahmen? Experte Detlev Kümmel machte die Hoffnungen zunichte: "Das Zeichen mit einem Zahnrad, einem Zirkel, einem Hammer, einer Zange und einem Fliehkraftregler verweist vermutlich auf Maschinenbau oder auf jeden Fall in den großindustriellen Bereich."
Am Rahmen fand sich allerdings ein Emblem, das Experte Detlev Kümmel rätseln ließ: wieder ein Zahnrad, diesmal aber in Kombination mit einer Weinranke. Welche Geschichte dieser außergewöhnliche Rahmen wohl zu erzählen hatte?
"Ist das eine Prägearbeit oder hat das jemand vorgezeichnet und dann ausgeschlagen?", fragte Horst Lichter fasziniert nach der Machart des Spiegels. "Dieser ganze üppige Zierrat, das war richtige Fleißarbeit", dozierte Detlev Kümmel sichtlich beeindruckt.
Laut Signatur stammt der Rahmen von der Firma W. Collin, die 1845 von Wilhelm Collin in Berlin gegründet wurde. Um 1850 wurde dieser auch Hofbuchbinder für König und Adel. Die historische Symbolik mit Ranken und Rocaille deuten auf eine Entstehung um 1900 hin.
Detlev hatte eine Theorie: "Wenn man sich die beiden Firmenembleme ansieht, Weinbau und Maschinenbau, passen die eigentlich gar nicht zusammen. Dazu steht unten eine 50 als Jahreszahl für ein Jubiläum. Ich denke, das ist ein Muster-Rahmen, um zu zeigen, was die Firma alles kann. Und die Abkürzung CB steht ganz einfach für 'Collin Berlin'."
Der Rahmen aus Schweinsleder wurde sogar mit Gold verziert. "Also noch eins oben drauf: Der Rahmen wurde auch noch handvergoldet", lächelte der Experte, der das Geheimnis hinter dem Rahmen gelüftet hatte. Doch die spannendste Frage war noch offen: Wie viel wollte Biker Mike für den antiken Rahmen haben?
Mike erhoffte sich einen vierstelligen Betrag - "nach oben hin offen". Auch die Expertenschätzung von Detlev machte den Verkäufer glücklich: "Er ist ein bisschen aus der Mode. Aber je länger ich ihn ansehe, desto schöner und teurer wird er. 1.800 bis 2.000 Euro, denn es ist ein Unikat!" Ob die Händler das auch so sahen?
Händler Walter Lehnertz blickte skeptisch auf den alten Rahmen: "Das ist aber schwere Kost!" Doch nachdem Mike die spannende Geschichte zu dem guten Stück erzählt hatte, bot Waldi wenigstens seine obligatorischen 80 Euro. "Das ist ja allein das Leder wert", lachte der Händler. Doch kam da noch mehr?
"Also ich finde den bärenstark und biete 300", warf Julian Schmitz-Avila ein. Fabian Kahl wollte 500 Euro bezahlen: "Man könnte das zum 50. Geburtstag verschenken."
Bis 1.110 Euro schaukelten sich die beiden Händler hoch - und erreichten doch nicht Mikes Schmerzgrenze, die bei der Expertise von 1.800 bis 2.000 Euro lag. "Aber wir wollen doch auch noch was verdienen", beschwerte sich Walter. Das letzte Gebot: 1.500 Euro von Fabian. Doch Mike blieb eisern: "Dann soll's nicht sein, war aber trotzdem lustig", verabschiedete sich der Rocker aus Braunschweig.
Doch die Händler gingen in dieser Ausgabe von "Bares für Rares" nicht komplett leer aus: Eine Art-déco-Tischlampe aus Wien fand für 550 Euro einen Abnehmer.
Diese Borduhr der Firma LeCoultre aus den 1930er-Jahren gilt als Sammlerstück und wurde für 500 Euro von Fabian Kahl gekauft.
Tierisch hohe Erwartungen hatte Verkäufer Marcus: 600 Euro wollte er für seinen Porzellan-Kakadu haben. Am Ende wechselte das "Erbstück von Opa Horst" jedoch für nur 150 Euro den Besitzer.
Richtig teuer: Dieser mit Saphiren und Brillanten besetzte Goldschmuck aus den 60er-Jahren wurde von Julian Schmitz-Avila ersteigert: für satte 2.700 Euro.