"Bares für Rares": Vorschnelles Urteil von Horst Lichter

Aschenbecher, Seifenschale oder einfach nur Altmetall, das selbst in Form gebracht wurde? An diesem Objekt schieden sich die Geister. Vor allem Horst Lichter lag mit seiner Vermutung komplett daneben.

Wie der erste Eindruck doch täuschen kann! Horst Lichter tat in der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" eine mysteriöse Rarität salopp als "Stückchen altes Metal" ab und legte auch noch nach: "Das hast du selber mal im Blei-Gießverfahren so geformt." Verkäuferin Rebecca Lindner aus Ketsch ließ das nicht auf sich sitzen. Um was es sich letztlich handelte und ob die Händler dem Stück eine höhere Wertschätzung entgegenbrachten, verrät die Galerie.
Erst bei näherer Betrachtung erkannte Lichter filigrane Details: "Jetzt sehe ich das Gesicht einer hübschen Dame. Und da kann man sogar die Frisur wegklappen. Wo hast du denn dieses außergewöhnliche Stück her?", fing der Moderator versöhnlich an zu säuseln.
Die Expertin deckte auf: "Auf den ersten Blick ist es eine schöne, dekorative Schale, bei der man gar nicht sofort erkennt, was sich darunter verbirgt. Aber man kann die Frisur aufklappen - am Ohrring der jungen Dame. Dann sieht man, das hier ursprünglich ein Glasgefäß hineingehörte: ein Tintenglas."
Horst Lichter war begeistert: "Ich finde das Gesicht der Frau sehr schön, weil man es nicht gleich erkennt." Expertin Friederike Werner erklärte indes weiter, dass das Gesicht verkupfert wurde, um das Inkarnat vom Rest der Schale farblich abzuheben. Ebenfalls erkennbar war eine Signatur mitten auf der Schale, eine persönliche Widmung mit Datum: 29.05.1905.
"Das Alter erschließt sich ja dann auch aus der Inschrift", ergänzte Horst "Holmes" Lichter und versuchte wieder den Experten zu mimen. Friederike Werner tippte: "Es könnte aus Wien stammen - das war die Hochburg des Jugendstils."
So blieb Horst Lichter nur noch eine Frage: "Wie hoch ist deine preisliche Wunschvorstellung?" Die Antwort von Rebecca Lindner war genauso zurückhaltend wie die Frage nach dem Zweck des Schälchens: "Da ich ja nicht einmal genau wusste, was es überhaupt ist, dachte ich an 50 bis 100 Euro." Doch was schätzte die Expertin?
Laut Expertise war das mysteriöse Stück 220 bis 280 Euro wert. Das sei die übliche Spanne für Jugendstil-Objekte dieser Art und in diesem Zustand. Verkäuferin Rebecca Lindner war sprachlos, Horst Lichter eher nicht: "Super. Was soll ich sagen, es läuft! Somit kommt das Händlerkärtchen geflogen. Toi, toi, toi bei den Händlern!"
Horst Lichters Glückwünsche haben offenbar geholfen, denn die Händler waren sofort Feuer und Flamme! "Jugendstil. Das ist dein Gebiet, Markus. Jetzt hau einen vom Leder!", forderte Fabian Kahl sprachlich gewagt, während Esther Ollick nur ein schlichtes "Wow!" hervorbrachte.
Markus Wildhagen (links) war äußerst angetan: "Sehr schön! Das muss man gar nicht als Schreibtischgarnitur verwenden. In das Schälchen kann man abends auch seinen Schlüssel legen." 120 Euro legte der Händler los. Esther Ollick zog nach, auch wenn ihr ein anderer Verwendungszweck in den Sinn kam: "Sowas kann man auch zur Seifenschale umfunktionieren."
Die 150 Euro von Esther Ollick wurden sogleich von Fabian Kahl überboten, der einen regelechten Bieterwettkampf entfesselte. Erst bei 300 Euro von Markus Wildhagen stoppte dieser kurz.
Dann schalteten sich auch noch die beiden Händler Velten und Suppes ein und trieben den Preis auf 360 Euro. Esther Ollick bekam am Ende den Zuschlag. "Tolles Teil!" Noch größer war die Begeisterung bei Verkäuferin Rebecca Lindner, die wohl in ihren kühnsten Träumen nicht mit so einem Geldsegen gerechnet hätte.