"Echt gruselig!": "Lustiges Kartenspiel" entsetzt den "Bares für Rares"-Experten

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Ein altes Quartett ließ am Montag bei "Bares für Rares" die Geschichten vom "Zappelphilipp", "Daumenlutscher" und "Suppenkaspar" wieder aufleben. Doch weder Experte Sven Deutschmanek noch Moderator Horst Lichter konnten sich noch für sie erwärmen.

"Das ist aber schön, hast du damit selbst als Kind gespielt?", begann Horst Lichter das Gespräch mit Verkäufer Rainer Scheinkönig (rechts) aus Großkrotzenburg in Hessen. Da hatte der Trödelmoderator noch nicht genau hingeschaut.
"Nein, das ist ein Flohmarkt-Fund", erwiderte Rainer Scheinkönig, ein ausgewiesener Trödelfan. "Bei Sonnenaufgang bin ich unterwegs", erzählte er von seinem Flohmarkthobby. "Cool!", lobte Horst Lichter.
Experte Sven Deutschmanek war alles andere als angetan von der Rarität. Er fand die Bilder und Geschichten auf den Karten keineswegs lustig und fragte: "Kennst du die Geschichte vom Struwwelpeter, Horst?" "Klar, die kennt doch jeder", tönte Lichter.
Die bekannte Geschichte des "Struwwelpeters" wurde 1844 von dem Arzt und Psychiater Dr. Heinrich Hoffmann herausgegeben. Auf der Vorderseite des Quartetts konnte man lesen: "Ein lustiges Kartenspiel für kleine Leute!" Neun Geschichten wurden auf je vier Einzelkarten geschildert. Aber: "Lustig" waren die nur bedingt.
"Hier gibt es den "Zappelphilipp", der vom Tisch gefallen ist, oder den "Daumenlutscher", der danach keine Daumen mehr hatte, weil sie ihm abgeschnitten wurden. Alles sehr harte Geschichten", referierte der Experte mit schmerzvollem Gesichtsausdruck. "Gruselig, echt gruselig", fügte Sven Deutschmanek hinzu.
Auf dem Deckel des Spiels befand sich ein Monogrammfeld mit den Buchstaben "BD", die auf den Frankfurter Verlag B. Dondorf verweisen. "Was denkst du, Horst, wie alt das Kartenspiel ist?", wollte der Experte auch vom Moderator wissen. Der war sich sicher: "Oh, das ist alt. Ich denke 30er-Jahre."
Das Buch "Struwwelpeter" kam 1844 auf den Markt. Das Spiel schätzte der Experte auf die Zeit um 1900. Obwohl die Geschichten fies waren, das Alter beeindruckte Horst Lichter doch: "Wow! Und dafür ist das Spiel in einem guten Zustand." Das sah Sven Deutschmanek genauso: "Perfekt und vollzählig!"
Und wie viel war das Quartett aus der Zeit um die Jahrhundertwende wert? Verkäufer Rainer wollte für den Verkaufswert sein altes Moped durch den TÜV bringen. 100 Euro war sein Wunschpreis. Das konnte der Experte nicht ganz bieten, denn realistisch waren 50 bis 70 Euro. Auch dafür wollte Rainer verkaufen. Aber warum eigentlich?
"Ich habe das Spiel meinen erwachsenen Kindern gezeigt und beide konnten den Text nicht lesen. Da dachte ich mir, bevor es weggeschmissen wird, weil man die Schrift nicht entziffern kann, verkaufe ich es lieber."
Alle Händler erfreuten sich am Quartett. Julian Schmitz-Avila konnte sich sogar noch an die Geschichte des "Suppenkaspers" erinnern. Heute isst der Kunst- und Antiquitätenhändler aus Bad Breisig gerne Suppe. Wenn das kein Grund war, das Spiel zu kaufen! Für 50 Euro ging es in seinen neuen Besitz.
Ebenfalls an die Händler ging ein Schrankkoffer aus dem Jahr 1920. Von Experte Detlev Kümmel wurde er auf 400 bis 500 Euro geschätzt. Susanne Steiger wollte den Koffer für 300 Euro haben und ihn als Couch-Tisch umfunktionieren.
Verkäufer Wolfgang Reeder aus Unkel hatte den Taktstock von Dirigent Karl Böhm samt persönlichem Brief und signierter Plattensammlung als Geschenk erhalten. Für 230 Euro gingen die Sammlerstücke an Händler Walter Lehnertz.