Grusel-Gerät bei "Bares für Rares": Folter, Massage oder einfach nur schräg?

"Ist es das, wovon ich denke, dass es das ist?", fragte Horst Lichter vorsichtig, als er die Apparatur sah. Denn er musste beim Anblick des medizinischen Gerätes aus der Zeit um 1925 sofort an ein dunkles Kapitel der Geschichte denken.

Horst Lichter (links) erkannte sofort, was Verkäufer Oliver Voß (Mitte) ins Pulheimer Walzwerk gebracht hatte. Und der Anblick war ihm sichtlich nicht ganz geheuer.
Mit diesem Gerät wurden Patienten "fies unter Strom" gesetzt, umschrieb der Moderator betroffen die medizinischen Missetaten.
Als Unfallchirurg und Orthopäde wusste Oliver Voß noch mehr über den Pantostat zu berichten: So konnten damit kleinere medizinische Geräte wie Bohrer oder Sägen betrieben und Blutungen mithilfe von elektrischem Strom gestillt werden.
Wie kam der Verkäufer überhaupt zu einer solchen Apparatur? Im Städtischen Klinikum Solingen diente es bislang seit über 45 Jahren nur noch als Dekoration. Wenn der Oberarzt bei "Bares für Rares" einen Käufer dafür finden sollte, könnte es nun sogar noch einen guten Zweck erfüllen: Der Erlös sei für eine Hilfsaktion gedacht.
Obwohl damals zu Tausenden hergestellt, bekomme man derartige Geräte heute nur noch selten zu sehen, erklärte Experte Colmar Schulte-Goltz. Dieses Exemplar stammt von der Firma Siemens&Halske, die den Pantostat ab 1925 in Erlangen produzierte.
Davon, die Funktion des Pantostaten heute noch zu testen, riet der Experte ab, "wenn man sich die Kabel anschaut". Horst Lichter pflichtete bei: "Testen können wir's nicht. Wollen wir auch nicht!" Er schloss: "Es ist ein Highlight zum Angucken, kann sich jeder was bei denken oder nicht." Als Schätzpreis nannte Schulte-Goltz 500 bis 700 Euro.
Nachdem Esther Ollick den unter einem Tuch verborgenen Pantostat enthüllt hatte, reichten die Mutmaßungen über seinen Verwendungszweck bei den Händlern von "Folter" bis "Massage". Einig war man sich in der Hinsicht: "Das ist schräg." Die Händlerrunde hat schon viel gesehen, aber ein derartiges Gerät anscheinend noch nicht.
Oliver Voß erklärte auch der Händlerrunde, was man mit dem historischen Gerät alles anstellen konnte. Unter anderem sprach er von "ionischen Salben" und "Elektrobädern".
Eine Schmerzgrenze erreicht der Pantostat heute nur noch bei der Preisgestaltung. Unter 500 Euro wollte Oliver Voß den Apparat nicht abgeben. Ist ja schließlich für einen guten Zweck.
Herausgefordert vom selbsternannten "Antikspekulanten" Fabian Kahl (Mitte), gab Händler Wildhagen dem Verkäufer schließlich nach: "Ich mache Ihnen jetzt die 500 voll." Wer ihm das jetzt wohl abkaufen würde? Kollege Fabian Kahl machte Mut: "Solche Nischenprodukte sind oftmals gefragt."
Die silberne Brosche des Designers Georg Jensen wurde für 450 Euro verkauft.
Der Spazierstock mit russischem Silber brachte seiner Verkäuferin ebenfalls 450 Euro ein.
Das höchste Gebot für das Collier aus 750er-Gold mit echtem Saphir und Brillanten lag bei 3.500 Euro. Zu wenig für den Verkäufer. Er nahm es wieder mit.
Das Gemälde von Felix Brissot (1818 bis 1892) fand für 1.200 Euro einen Käufer.