Horst Lichter bei "Bares für Rares" entsetzt: "Ich befürchte, das soll Kunst sein, oder?"

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Als "mächtige Brocken" und "Staubfänger" verspottete Horst Lichter am Mittwoch bei "Bares für Rares" zwei abstrakte Bronzen. Experte Detlev Kümmel belehrte den Trödel-Moderator eines Besseren. Und auch den Verkäufer, der im Händlerraum für eine Überraschung sorgte.

Besitzer Uwe Möller aus Bedburg sprach der Moderator indes aus der Seele. Die zwei "großen Staubfänger, die auf dem Kamin stehen", sollten schnellstens weg. Lichter: "Ja, da ist was schief gelaufen. Das sind mächtige Brocken. Ich befürchte, das soll Kunst sein oder?"
Auch Experte Detlev Kümmel wirkte etwas verunsichert: "Wenn mir das gefällt, muss ich mich dann outen?", fragte er zögerlich. "Nein, bestimmt ist das toll", scherzte der Moderator. Doch Horst Lichters Sarkasmus in allen Ehren, die Objekte hatten es in sich. Stammten sie doch von einem sehr gefragten Künstler.
Die mit "L. Szabo" signierten und der Ortsangabe "Paris" versehenen Bronze-Skulpturen stammten von dem bekannten ungarisch-französischen Bildhauer László Szabó (1917-1984). "Ansprechend und zeitlos", lobte der Experte Detlev Kümmel die Anfertigung.
Der Experte hatte spannende Details auf Lager. So wurde die organisch geformte Skulptur, die aus zwei zusammengeschweißten Teilen bestand, nach der Wohnung des Künstlers modelliert. Diese hatte er selbst "Wohnhöhle” genannt. Von Horst Lichter war weiterhin nur Spott zu hören: "Toll!"
Die rechte Skulptur hütete ebenfalls ein Geheimnis. "Wenn ich dir sage, dass dieses Modell bei den Olympischen Spielen 1972 während eines Wettbewerbs vorgestellt wurde und den ersten Preis erhalten hat, glaubst du mir das wahrscheinlich eh nicht, oder?”, wollte der Experte wissen. "Doch!", versicherte Lichter scheinheilig.
Schön und gut, nur: Was sollten die Skulpturen überhaupt darstellen? Die preisgekürte Bronze hatte sogar zwei Titel, "Fliegende Fische" und "Quellenkönigin". "Das habe ich sofort erkannt", schmunzelte Lichter. Die andere hieß "Mutter und Kind". "Auch da wäre ich von allein drauf gekommen. Sehr gelungen!"
Doch wie viel war das Skulpturen-Paar wert? Der Verkäufer nannte seinen Wunschpreis: "Zweimal 56 Euro, das sind zwei Packungen Golfbälle." Detlev Kümmel sah es völlig anders: "Das werden viele Golfbälle. Pro Bronze würde ich 400 bis 450 Euro angeben!"
Da war er baff! Denn damit hatte Verkäufer Uwe Möller nun wirklich nicht gerechnet. Doch auch wenn er sich nach der Expertise von Detlev Kümmel "bereichert" fühlte, dachte er immer noch nicht, dass die Händler sich für seine ausgefallenen, abstrakten Bronze-Skulpturen besonders interessieren würden.
Händler Julian Schmitz-Avila (Mitte) nannte die patinierte Plastik "ominöses Gerät”. Fabian Kahl (Zweiter von rechts) identifizierte sofort Tiere in der dunkleren Skulptur, und Ludwig Hofmaier fügte hinzu: "Ja, ist halt neuzeitlich, also nicht besonders alt. Aber irgendwie interessant." Kahl startete mit einem ersten Gebot von 300 Euro pro Figur.
Lisa Nüdling sinnierte und stellte sich die dekorativen Skulpturen auf einem Kamin vor einem expressionistischen Gemälde vor: "Die haben was!" Das höchste Gebot kam von Fabian Kahl: 900 Euro. Aber der Verkäufer tat sich plötzlich schwer, es anzunehmen.
Denn Uwe Möller hatte es sich inzwischen anders überlegt. "Jetzt wo ich so viel über den Künstler erfahren habe und auch weiß, dass er mittlerweile verstorben ist, stelle ich sie lieber wieder zurück auf meinen Kamin." Welch eine Pointe auf einen denkwürdigen Trödelnachmittag!
Bei anderen Exponaten kamen die "Bares für Rares"-Händler am Mittwoch aber doch noch ins Geschäft. Dieses seltene Set zur Wundpflege aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde für 1.600 Euro an Fabian Kahl verkauft.
Und ein rätselhaftes Taschenporträt aus dem Jahr 1807 mit unleserlicher Signatur kaufte Fabian Kahl ebenfalls. Das Stück war ihm 300 Euro wert, da er glaubte den Portraitierten erkannt zu haben: Alexander von Humboldt. Obwohl Experte Kümmel das nicht erwähnt hatte.