Horst Lichter fassungslos: Verkäuferin fordert fünfstelligen Betrag bei "Bares für Rares"

Horst Lichter konnte sich bei der stolzen Summe kaum zusammenreißen, die der Spielautomat mit den tanzenden Porzellanpuppen bei einer früheren Auktion wohl erzielt haben sollte. Doch nach der Expertise wurde schnell klar, dass der Preiswunsch der Verkäuferin nicht in Erfüllung gehen würde.

Verkäuferin Victoria Keller aus Frankfurt suchte einen Liebhaber für ihr Stück. Konkrete Preisvorstellungen hatte sie auch. Jedenfalls drohte sie an, sie "würde ihn nicht unter Wert verkaufen". Den Automat mit den tanzenden Puppen hatte sie vor einigen Jahren von ihrem Vater geschenkt bekommen.
Nachdem die Musik verhallt war, wollte Horst Lichter unbedingt wissen, wann der Kasten hergestellt worden war. Experte Detlev Kümmel erklärte: "Der Spielautomat wurde im Stil der Neorenaissance, also der Gründerzeit gefertigt. Dieses Objekt kann man anhand der Machart der Puppen auf 1890 datieren." So weit, so gut.
Lichter zeigte sich beeindruckt und staunte: "Ganz schön alt!" Doch die Expertise ging weiter: "Wir haben hier einen Weichholzkasten vor uns, entweder aus Kiefer oder Fichte, der mit einer sogenannten Bierlasur dunkel angemalt wurde. Das täuscht ein wertigeres Stück vor als, es eigentlich ist."
Doch das war noch lange nicht das Schlimmste an Kümmels Expertise, der diesen Aspekt gleich wieder ins rechte Licht rückte. Denn die Imitation von hochwertigem Holz machte durchaus Sinn. "So wurde der Automat nicht für den privaten Gebrauch gefertigt, sondern wie man am Münzeinwurf erkennen kann, handelt es sich um ein Objekt für eine Kneipe."
Dazu kam, dass Lichter seitlich am Kasten eine beschädigte Stelle entdeckt hatte. "Was ist denn da passiert? Da ist es mal richtig fies warm geworden oder?", fragte er zaghaft. Experte Kümmel klärte auf: "Ja, aber nicht nur warm. Das ist auch ein Ergebnis zu hoher Luftfeuchtigkeit. Deswegen hat sich die Farbe in Bläschen vom Untergrund abgelöst."
Doch trotz der Beschädigung hatte der Experte noch etwas Positives zu berichten. Denn die abgeblätterte Farbe empfand Detlev Kümmel nicht als Manko. "Das ist nicht schlimm, denn das Gerät ist original. Hier wurde nie restauriert." Für Horst Lichter war diese Info natürlich "ein Träumchen".
So suchte Lichter gleich weiter die positiven Aspekte am Objekt: "Das Faszinierende daran ist ja, dass sich die Puppen während der Musik bewegen. Wie funktioniert das?". Der Spielautomat wurde über eine Walzenspieluhr betrieben, die hinten im Kasten eingebaut wurde. Eine zusätzliche Nockenwelle sorgte dafür, dass sich die Puppen bewegten.
"Und wer hat das gebaut und wo?", fragte der Moderator weiter. Kümmel erkannte recht schnell, dass der Kasten eine deutsche Handarbeit trägt. So hätte man etwa in Frankreich viel filigraner gebaut. "In Deutschland hingegen wollte man immer sehr kräftig und stabil fertigen. Und das ist hier passiert."
Auch beim Anblick der Porzellankopfpuppen hatte Detlev Kümmel sofort eine Vermutung, obwohl er die Figuren nicht aus dem Schrank nehmen konnte, um eine Marke zu identifizieren. "Es handelt sich um die deutsch-russische Firma 'Armand Marseille'. Das war einer der erfolgreichsten Puppenkopffabrikanten um 1880 in Thüringen." Immerhin!
Blieb noch die Frage aller Fragen: die nach dem Wunschpreis der Verkäuferin. Bei einer Auktion hatte ihr Vater den Kasten für über 40.000 DM erworben. Ihr Wunschpreis lag folglich bei 20.000 Euro. Bei dieser Aussage kippte Lichters Kinnlade runter. Er konnte sich nicht mal ein "Leck mich am A..." verkneifen. Wofür er sich gleich entschuldigte.
"Jetzt bin ich ja mal gespannt. Aber das Ding ist ja immerhin im Originalzustand", stammelte Lichter und wandte sich hilfesuchend an den Experten. Der erklärte, dass vor allem in den 1980er- bis 90er-Jahren die Preise für Spielautomaten noch extrem hoch waren. "Das lag aber nicht an dem tatsächlichen Wert der Automaten."
Die Spielautomaten wurden in damaligen Auktionen künstlich in die Höhe getrieben. Und so kam Detlev Kümmel "nur" auf einen Wert von 2.000 bis 3.000 Euro für das Objekt von Victoria Keller. Die Verkäuferin ballte ihre Hände zusammen und war sichtlich enttäuscht. Horst Lichter traute sich gar nicht hinzusehen.
Ohne groß zu überlegen, wusste die Verkäuferin sofort, dass sie für einen solchen Preis sicher nicht verkaufen wollte. So blieb ihr nichts anderes übrig, als ihren Automaten mit den tanzenden Puppen wieder mit nach Hause zu nehmen und abzuwarten, bis diese Objekte vielleicht in Zukunft wieder im Wert steigen.