Kurioses Objekt sorgt für Naserümpfen bei "Bares für Rares"

Diese Rarität erinnerte Horst Lichter bei "Bares für Rares" an Schnaps-Fläschchen. Doch waren die Behältnisse in Wirklichkeit für ganz andere Flüssigkeiten gedacht.

Was die ehemalige Lehrerin Helga Warp aus Köln in dem wertvollen Mahagoni-Kätschen zu "Bares für Rares" mitbrachte, mochte an Schnäpschen-Flaschen erinnern: "Ein Likörset?" fragte Horst Lichter. Für Flüssigkeiten war es früher tatsächlich gedacht. Aber für andere ...
Experte Colmar Schulte-Goltz zeigte auf den Schriftzug "The Urine", und Horst Lichter verteidigte sich sofort: "Ja, man weiß ja nicht, aus welchem Land das kommt. Vielleicht heißt Likör dort Urine."
"Mein Bruder war Arzt und sammelte medizinische Antiquitäten", erklärte die Kandidatin den Besitz des kuriosen Kellerfundes.
Die historischen Details wiederum lieferte der Experte: "Das Kästchen wurde zur Zeit der Jahrhundertwende gebaut, um die Urinuntersuchung, die man seit der Antike kannte, zu perfektionieren." 50 Euro wollte Helga Warp dafür haben. Lichter: "Das ist aber bescheiden!"
Auch Colmar Schulte-Goltz prophezeite einen größeren Wert: 160 bis 200 Euro würde er für das medizinische Set ansetzen. Horst Lichter schürte die Hoffnung noch: "Wenn die Händler in Stimmung sind, hauen die schon mal mit Kohle um sich. Vor allem wenn sie hören, wofür das ist!"
Großes Rätselraten war anschließend im Händlerraum angesagt: An Utensilien eines Chemielaboranten oder Arztes dachte Wolfgang Pauritsch (Mitte). Die richtige Richtung also.
Walter Lehnertz dachte an riechende Flüssigkeiten und lag damit nur knapp daneben ... "Das könnte aber auch für Parfüm sein", mutmaßte er. Helga Warp musste ihn enttäuschen.
"Das ist zur Untersuchung von Urin!" Kurze Stille. Die Händler rümpften die Nasen.
"Welcher Urologe würde sich das in die Praxis stellen?", fand Wolfgang Pauritsch (links) die Sprache wieder. "Als Ausstellungsstück finde ich das eigenartig." 100 Euro bot er trotzdem.
Man muss nur kreativ sein, dachte sich wohl Mitbieter Walter Lehnertz ("Das tuste als Parfümflakons verkaufen!") und sagte zu Helga: "Engelchen, komm, wir machen 130 Euro."
Helga nahm das Gebot an und sorgte bei Lehnertz für wilde Fantasien: "Waldi wird jetzt Urologe. Ich muss mir nur noch ein Opfer suchen."
Leer ging Wolfgang Pauritsch nicht aus. Er sicherte sich dieses Scherenfernrohr aus der Zeit des Ersten Weltkriegs für 200 Euro.
Außerdem kaufte er die Designerstücke "I Quattro Generali" zum Umhängen für 320 Euro.
Den höchsten Preis des Tages gab es für diese Standuhr mit Lochplattenspieler (1890-1894): 2.000 Euro legte Ludwig Hofmaier auf den Tisch.