Sissis Geschichte lässt "Bares für Rares"-Händler rätseln

Die Freude war Horst Lichter ins Gesicht geschrieben: Eine "Sissi" beehrte "Bares für Rares" mit einer kaiserlichen Bar. Und erzählte dann auch noch die filmreife Story dahinter ...

"Sissi für dich", stellte sich die Verkäuferin vor. Horst Lichter freute sich nicht nur über das angebotene "Du": "Sissi! Und dann auch noch aus Wien. Da passt ja alles!" Lichter war ganz aus dem Häuschen, doch der echte Knaller kam erst. Die Dame hatte nicht nur einen kaiserlichen Vornamen: "Ich bringe auch etwas von kaiserlicher Provenienz mit."
"Kaiserliche Provenienz?", wiederholte Horst Lichter fragend. "Meine Großeltern haben diesen Barwagen von der Enkelin des Kaisers bekommen", behauptete die 55-Jährige. "Jetzt ohne Quatsch?", hakte Lichter nach. "Ja, aber ich kann es nicht beweisen", musste Sissi zugeben. Lichter fragte, was sie mit der Kaiserfamilie zu tun habe.
Sissis Großeltern hätten als Hausmeister im Souterrain am Wolfersberg in Wien gewohnt, erzählte Sissi. In der Villa gegenüber residierte die Erzherzogin Elisabeth von Windisch-Graetz. Bevor die Russen kurz vor 1945 die Villa besetzten, hätte sie einen Plan gehabt: "Sie hat Geld im Garten vergraben und Schmuck versteckt", so Edlinger. "Diese Bar wurde zu meinen Eltern gebracht".
Die Gräfin sei ins Kloster geflohen - und habe die Bar nie zurückverlangt. Nach dieser historischen Anekdote betrachtete Detlev Kümmel den Barwagen. Der virtrinenartige Kasten öffnet sich, wenn man die Klappen bewegte. "Ein Hebemechanismus versenkt das Ganze beim Schließen in der Tiefe, so dass es relativ staubdicht abgeschlossen ist."
Kümmel datierte die Bar auf den Wiener Jugendstil, 1905 bis 1915. Hochwertig das Material: Mahagoni und Säulen mit Messinghülsen. "Bei manchen Gläsern bin ich nicht sicher, ob das schon immer dazugehörte", so Lichter. Kümmel bestätigte den Moderator in seiner Vermutung. "Schade. Manno, hast du die versemmelt?", fragte Lichter. Die Nicht-Kaiserin verneinte.
Daniel Meyer und Fabian Kahl rätselten vor dem mysteriösen Objekt: "Ich glaube, das ist zum Anrichten von irgendwas", erklärte Meyer. "Also in einem guten Restaurant, dass da Salatdressing angemischt wird am Tisch." Doch damit lag Meyer weit daneben. Kollege Kahl kam der Wahrheit da schon näher: "Oder hier kommen Liköre rein und daraus wird getrunken."
"Ich habe Ihnen ein kleines Stück österreichische Geschichte mitgebracht", verkündete Elisabeth Edlinger feierlich. "Diese Jugendstil-Bar stand im kaiserlichen Hause." Mit Alkohol für eine kaiserliche Sause. Da staunten die Händler. Doch Daniel Meyer wollte es genauer wissen ...
"Die Adelshäuser haben alle Inventar-Etiketten oder Stempel, ist sowas vorhanden?", fragte Meyer. Sissi musste verneinen. "Gibt es Fotos?", hakte Susanne Steiger nach. "Ich kann die Provenienz leider nicht nachweisen", erklärte Sissi kleinlaut. Doch ihre spannende Geschichte zeigte Wirkung bei den Händlern.
"Das sind Likörgläser und in den runden Becher kamen Eiswürfel rein und hier konnte man Whiskey trinken", demonstrierte Sissi die Funktionen des Barwagens. "Aufgrund des Zustands, der fehlenden Teile und der nicht nachweisbaren Provenienz würde ich mit 300 beginnen", erklärte Fabian Kahl. David Suppes und Daniel Meyer erhöhten.
500 Euro war Daniel Meyers Höchstgebot. Suppes letztes Wort: "550, weil ich es wirklich haben will." Steffen Mandel fragte Daniel Meyer: "Was sagt das Monster aus Münster?" Meyer war raus und Sissi verkaufte für 550 Euro an Suppes. "Das Geld kommt in unsere Hochzeitskasse - ich heirate im Herbst", erklärte sie. Ein Happy End wie im Märchen!
Goethe war hohl in der Birne. Keine Unterstellung, sondern eine Beschreibung der Büste, welche Ulrich Berger aus Warburg veräußerte. Die Büste war so klein, dass Lichter sich erkundigte: "Haben Sie irgendwas mitgebracht?" Mit 60 Euro hätte sich der 69-Jährige zufriedengegeben, Colmar Schulte-Goltz empfahl bis zu 250. Steffen Mandel zahlte nur 70.
Schweinkram brachte Sandra Schramm aus Karlstadt mit: Eine Keramikschale aus den 20er Jahren stellte zwei Keiler dar. Ein Erbstück von den Großeltern. "Was lag da drin?", fragte Colmar Schulte-Goltz. "Zähne, hehe", meinte Lichter. Die Verkäuferin hätte sich mit 200 Euro zufriedengegeben, der Experte empfahl 450. Daniel Meyer zahlte gar 570.