Die Quote der "DSDS"-Auftaktshow war mit 4,57 Millionen Zuschauern ordentlich. Das könnte so weitergehen, denn auch die zweite von zwölf Casting-Shows nutzte spektakuläre Zutaten: handfeste Massagen, lockere Sprüche, ein rührseliges Wiedersehen und eine fette Prügeldrohung. © teleschau - der mediendienst GmbH

Bianca Jenny (17) aus Moosburg hat schon eine böse Ahnung. "Ich habe Angst vor Dieter Bohlen, ich zittere am ganzen Körper", jammert sie vor ihrem Auftritt. Und die Zuschauer ahnten noch Schlimmeres, als der selbsternannte Pop-Titan bei ihrer Songauswahl ("When We Where Young" von Adele) angewidert das Gesicht verzieht.
Mit der brutalen Geste des Kehledurchschneidens beendet Bohlen schließlich den Vortrag der unscheinbaren Österreicherin. H.P. Baxxter vermisst "den Druck", tendiert aber zum Ja. Ebenso wie Shirin David: "Mir gefällt das Unschuldige und Süße!" Michelle lobt die "reife Stimme". Und Bohlen spricht Klartext: "Der Auftritt war perfekt. Da passte alles!"
2013 verglich Dieter Bohlen die Stimme von Michael Popov (32) mit einer Klospülung. Jetzt kehrte Popov - gestärkt durch Gesangsstunden - mit dem "Titanic"-Klassiker "My Heart Will Go On" zurück. Das Echo war nicht gut. Shirin: "Dein Gesangslehrer mobbt dich!". Dieter: "Du taugst höchstens als Duettpartner einer Klorolle!" Michelle: "Verklag' deinen Gesangslehrer!"
Alexander Jahnke (29) aus Delmenhorst macht Musik, seit er 15 ist. Erst jetzt traute er sich zu "DSDS". Und was passiert? Seine Frisur wird zerrupft! "Wie kann man sich nur mit so nem Helm verunstalten?", ätzt Bohlen. Die Antwort gab der Titel: Alex sang seine Eigenkomposition "Mein Freak". Und darin heißt es "Hauptsache nicht normal".
Premiere 2017: Jahnke schafft es, die Jury total zu spalten. Nachdem er die Eigenkomposition "Mein Freak" beendet hat, traut Shirin erst ihren Ohren nicht, und gibt dann doch ein "Nee". Michelle schließt sich an: "Bist'n guter Typ, aber mir gefiel's auch nicht!". Die Jungs reißen es raus. H.P.: "Ich seh da Potenzial." Dieter: "Die Nummer war top. Von mir ein Mega-Ja!". Und weil Alex Dieter als CD-Joker wählte, zieht er in den Recall ein.
Olessja Linke (29) aus Thyrnau liebt und lebt den japanischen Animé-Kult. Für die Jury hat sie sich extra wild gestylt. Jury-Youngster Shirin (21) kapituliert: "Meine Augen sind überfordert!" Routinier H.P. (52) rettet sich mit Erfahrung: "Sieht aus wie 'ne Mischung aus der frühen Madonna und Donald Duck!" Michelle (44) und Dieter (62) schunkeln gut gelaunt zum pappsüßen Intro des japanischen Animé-Show-Songs "Ikenai Borderline". Bis der erste Gesangston einsetzte ...
Linkes Spitzname ist "Lissekatze". Passt. Denn ihre Version des Songs war tierisch ... schlecht. H.P. Baxxter: "Man könnte dich gut bei Massenkundgebungen einsetzen. Wenn du anfängst zu singen, ist der Platz im Nu leer." Dieter ist dankbar: "Wenn man sich das länger anguckt, dann verliert der Tod für mich echt ein bisschen an Schrecken."
Patrick Keil (29) setzt zunächst nicht die Stimmbänder, sondern seine heilenden Hände ein. Der Physiotherapeut aus Gießen wurde von Shirin zur Schultermassage verpflichtet: "Da ist alles verspannt." Und während Patrick knetet, diagnostiziert Bohlen: "Das ist klar: Das ganze Silikon zieht runter. Da braucht man einen Rucksack auf'm Rücken als Gegengewicht." Hätte ewig so weitergehen können. Aber Patrick will ja unbedingt noch singen.
Bei Keils Auftritt geraten selbst seine Kontrahenten draußen vor den Bildschirmen ins Schwärmen: "Ooh, der ist so cool!" Beim Singen ist der Physiotherapeut zwar nicht gigantisch, aber solide. Grünes Licht von Shirin, H.P. und Dieter. Nur Michelle tut sich schwer. "Du drückst da so. Wie auf'm Klo." Sie gibt ein Nein.
Denny Fritzsch (24) kam nicht alleine. Seine Verstärkung, im doppelten Sonne des Wortes: seine Musik-Box. Wozu er das brauch? "Das macht textsicherer." Doch der Kasten funktioniert nicht und bringt keine Leistung. Womit die größte Gemeinsamkeit von Kasten und Kandidat bereits geschildert sei. Denn auch "verstärkt" kastriert Denny "Geiles Leben" von Glasperlenspiel im Handstreich.
Wenn die Kandidaten scheitern, muss es die Jury richten! Als Fritzsch trotz Verstärkungsgerät die Power ausgeht (viermal Nein), schreitet H.P. Baxxter ans Gerät. Der Scooter-Frontmann, selbst eher Schreihals als Sänger, nutzt verstärkende Megaphone gerne mal für "Hyper, Hyper" & Co. Sein verzerrtes Rap-Gebrabbel aus dem Stegreif fasziniert denn auch - die Jury. Dieter: "Siehste, wenn H.P. das macht, ist das 'n Brüller." Michelle: "Ach H.P., du bist halt ne geile Sau!"
Jolanta Kotz (24) aus Duisburg gesteht sogleich: "Ich liebe und lebe den Schlager." Mit dieser Einstellung, dem Titel "Ich liebe das Leben" (nach Andrea Bergs Version des Klassikers von Vicky Leandros) und einer guten Stimme, rauscht die Currywurst-Verkäuferin aus der Imbissbude ("Dieter, alte Fritte, da wo ich herkomme, ist es heiß!") ungebremst in den Recall.
Furchteinflößend! Mit monströser Musik ("Come With Me" aus dem Hollywood-Film "Godzilla") und grimmigem Blick marschiert Sid Devid Deihim (35) ein. Spätestens als sich der Konstanzer als Profi-Wrestler outet, wird es Bohlen ein bisschen mulmig. Immerhin hatte Sid im Vorfeld gedroht: "Dieter, wenn du dich mir in den Weg stellst und nicht weiter lässt, dann niete ich dich um!" Lässt sich der Pop-Titan vom Wrestling-Hulk plätten?
Deihim wirkt, als könne er vor Kraft nicht laufen. Dafür tanzt er aber ganz ordentlich zu den Klängen von "Pony" (Genuwine). Atemloses Staunen bei Michelle und Shirin, als er sich (das ist Wrestlerroutine seit Hulk Hogan) dann auch noch theatralisch das T-Shirt zerreißt. Shirin zerreißt es anschließend fast vor Lachen, als Sid zu singen beginnt.
Das Urteil ist deutlich, aber Deihim will es nicht wahrhaben. Nach vier Nein und Kritik von "Ich bin geschockt" über "Ich würd mich auf den Sport konzentrieren ..." bis "Du kannst definitiv nicht singen!" will sich der Wrestler den Recall-Zettel schnappen. "Mal sehen, wer mich aufhält!" Es ist Michelle. Sie trotzt ihm, er geht - ohne Zettel. Shirin: "Ich hatte voll Angst!" Michelle: "Na, der kann doch nicht einfach so'n Zettel nehmen!" Bohlen, das Weichei: "Also, ich hätte ihm den gegeben ..." Punktsieg für Michelle!
Im Einspieler wird klar: Maria Voskania (28) aus Würzburg ist ein Vollprofi. Sie sang bereits mit Helene Fischer bei deren Tourneen. Auf der "DSDS"-Bühne ist sie trotzdem nervös. Michelle überzeugt sie nicht. H.P. erst bei der zweiten Nummer "Ich sterb für dich" von Vanessa Mai. Die macht auch Dieter glücklich, denn dieser Song wurde von ihm produziert. Sein Urteil: "Du bist die ideale Kandidatin. Kannst weit kommen."
Horst Donath (55) ist der Kumpel von Jens, dem "NRW-Cowboy", der in der ersten "DSDS"-Sendung grandios scheiterte. Der Versuch der Ehrenrettung misslingt. Als Horst ankündigt, "Ein Bett im Kornfeld" von Schlagerstar Drews zu singen, unkt Dieter: "Na, mach mal den Jürgen fertig!" So kommt's dann auch. Der siebenfache Vater pflügt stimmlich derart grob durchs Kornfeld, dass kein Halm unbeschädigt blieb. Viermal Nein!
Gelobt sei ein gesundes Selbstbewusstsein! "Ich finde meine Mischung aus Tanz und Gesang mega-gut!", sagt Duygo Goenel (22) über sich selbst. Das Schöne an der angehenden Kinderanwältin aus Duisburg. Sie lässt Taten - also Stimme - folgen. Mit "I Will Always Love You" von Whitney Houston gewinnt sie Bohlens Respekt: "Also, wenn du diese Nummer überlebst, kannste alles gewinnen."
Lara Pilger (23) erklärt: "Meine gute Laune ist ansteckend!" Lara träumt von Auftritten als Stimmungskanone am Ballermann, aber auf der "DSDS"-Bühne rohrkrepieren ihre Feuerwerksversuche mit ihrem "Helele" von Velile & Safri Duo. Gleich die ersten Töne klingen nicht nach "Helele", sondern nach "Auauau".
Der Traum vom Recall platzt zwar, aber ihre gute Laune steckt tatsächlich an. Bohlen wedelt ironisch mit der goldenen CD (sie bedeutet ein Freiticket nach Dubai!) und schunkelt mit Michelle, H.P. gluckst ironisch: "Also, für'n Ballermann ist das doch okay". Und Shirin reißt sich vor Lachen fast die Perücke vom Kopf.