Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der ich mich im Büro wie ein Außenseiter fühle: Die halbe Redaktion ist Fan von "Game of Thrones" und fiebert schon seit Wochen der sechsten Staffel entgegen. Mir hingegen könnte nichts egaler sein als die Frage, ob Jon Snow lebt, tot ist oder mit dem Papst eine Boutique in Wuppertal eröffnet.

Ein Kommentar
von Mathias Ottmann, Redakteur Unterhaltung (nicht mehr im Unternehmen)

Ich habe es wirklich versucht. Als die erste Staffel von "Game of Thrones" rauskam, habe ich mir die ersten beiden Folgen angeschaut - um relativ schnell zu merken, dass es mich nicht interessiert. Ob Hand des Königs, Mutter der Drachen oder Anführer der Nachtwache - ich habe zu keiner Figur irgendeinen Draht entwickelt. Was passierte, ließ mich völlig kalt.

Als der Hype um die Serie immer größer wurde, habe ich dennoch einen zweiten Versuch gestartet und mir vorgenommen, durchzuhalten, bis auch mich das Fieber packen würde.

Ich war auch weiterhin immun. Könige kamen und gingen, Ned Stark wurde geköpft, so ein blonder Kerl mit geschmolzenem Gold übergossen - es war mir alles so unfassbar egal. Ich habe daraufhin auch den zweiten Versuch, "Game of Thrones" zu mögen, abgebrochen und mich inzwischen mit meinem Schicksal abgefunden.

Weltpolitik mit Drachen?

Ich kann auch weiterhin einfach nicht nachvollziehen, was an GoT, wie der Kenner sagt, so toll sein soll. Fantasy war noch nie so richtig mein Ding, aber angeblich ist "Game of Thrones" ja so viel mehr als das. Ich bin da vielleicht ein bisschen engstirnig, aber nur weil zwischen den Gemetzeln und den Sexszenen auch geredet wird, kann ich da noch nicht den großen Bezug zur realen Weltpolitik erkennen.

Und - mal ganz ehrlich: Wenn in einer Serie Drachen vorkommen, dann ist es eine Fantasy-Serie. Ende der Diskussion.

Natürlich kann auch ich mich dem ganzen Hype nicht vollends entziehen. Das "Game of Thrones"-Musical, das Coldplay mit den Schauspielern zum letzten "Red Nose Day" erkaspert haben, fand ich auch ganz großartig. Und wenn bei YouTube Ziegen die Titelmusik blöken, dann finde auch ich das witzig. Aber das reicht mir noch nicht, um mich ein drittes Mal auf die Serie einzulassen.

Und wenn ich mitbekomme, wie die Kollegen wieder erschüttert sind, weil irgendeine Hauptfigur dran glauben musste, dann bin ich doch auch ein bisschen froh, dass es mich in diesem Fall völlig kaltlässt. Bei "Fargo" hatte ich schon genug Angst um meine Lieblingscharaktere. Auf wöchentlicher Basis auch noch um Daenerys und Tyrion zu zittern, wäre mir dann doch ein bisschen zu anstrengend.

Die 6. Staffel "Game of Thrones" läuft ab Herbst auf TNT Serie.