Lijana gegen Maribel, Maribel gegen Lijana. Was sich in den vergangenen Folgen von "Germany's next Topmodel" so zielgenau angekündigt hat, ist nun endlich passiert. Ein Streit zwischen Lijana und Maribel. Auch dank gnädiger Mithilfe von Heidi Klum.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Gott sei Dank! Endlich ist es so weit. Die diesjährige Staffel hat ihren ersten offenen Streit. Ganze neun Folgen hat es gebraucht, um zwei der Kandidatinnen zu Feindinnen aufzubauen. In der rechten Ecke: Lijana, dreifache Weltmeisterin in den Klassen Hochmut, Überdrehtheit und Permanentgeschwätz. In der linken Ecke: Maribel, stiller Underdog mit dem Ruf der Trübtassigkeit.

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Neun Folgen dauerte es also, bis der Mann vom Schnitt den beiden ihre Images zurechtgebastelt hat und seitdem umkreisen sich die beiden Gegnerinnen wie zwei Models das Salatblatt. Keine wollte den ersten Angriff wagen, lediglich Lijana teilte im Vorbeigehen beim Kameramann immer wieder kleine Seitenhiebe aus. Der Vorwurf: Maribel bringt keine Leistung und ist zu Unrecht in der Show. Nichts Wildes bisher, aber nun sollte Lijana in Folge zehn endlich ihren ersten Wirkungstreffer landen.

Es wurde aber auch langsam Zeit. Selbst "Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands" beschwerten sich schon, dass die aktuelle Staffel "Germany's next Topmodel" ein bisschen langweilig ist. Weit und breit einfach kein Gezänk in Sicht. Man stelle sich nur mal vor, diese ganzen Antipathien wären ganz umsonst hochgeschaukelt worden, weil sich plötzlich alle liebhaben.

Das wäre ja vielleicht ein Arbeitsauftrag für die Models in der nächsten Staffel. Einfach mal kein Streit. Alle Mädchen halten zusammen, sind nett zueinander und gründen vielleicht sogar eine GNTM-Gewerkschaft. heid.i statt verd.i. Die Produktionsfirma bekommt jetzt schon Schweißhände.

GNTM: Mädchen üben "Illusion von Gewalt"

Man hätte es sich aber auch denken können, dass es in dieser Folge losgeht, denn schließlich hat die Klum diesmal zur "Action-Edition" geblasen. Grundidee hinter der "Action" war zwar, dass die Damen Kurzfilmchen drehen sollen, aber man nimmt, was man kriegt.

Für das eigentliche Videoshooting hat sich die Klum einen Streit in einem Western-Saloon ausgedacht, den jeweils zwei Kandidatinnen zusammen drehen sollen. Die eigentliche Story der Filmchen ist wurscht, Hauptbestandteile sollen ein Wortgefecht, ein Handgemenge und der finale Schlag mit einer Fake-Flasche als Hauptattraktion sein.

Damit es dabei nicht zu einem Gemetzel kommt, hat die Klum eine Stuntfrau und einen Stuntman engagiert, die den Damen erklären, dass sie nur "die Illusion von Gewalt" darbieten sollen – was die Frage aufwirft, für wie blöd die Klum ihre Kandidatinnen eigentlich hält. Außerdem erfährt man, dass ein Fausthieb in Hollywood wie Apfelpflücken aussieht. Punkt. Keine Pointe.

Also üben die Damen die "Illusion von Gewalt" – bis auf Vivian und Nadine. Vivian hat, wie wir in den Folgen zuvor erfahren haben, eine chronische Magen-Darm-Krankheit, weshalb ihr die Klum sogar ein Stuhlproben-Set schenkte. Jedenfalls muss Vivian ausgerechnet während des Trainings zur Abklärung zum Arzt. Kannste mal sehen: Da meldest du dich bei einem Model-Wettbewerb an, denkst an nichts Böses und wenig später kennt die ganze Nation deine Krankenakte.

Lijana: Maribel ist undankbar

Doch wir verlieren uns in der Geschichte in der Geschichte, denn eigentlich ging es ja um den nahenden Streit zwischen Lijana und Maribel. Der beginnt damit, dass die Klum ausgerechnet diese beiden in ein Team steckt. Für Lijana ist der Fall klar: "Das wird mein Wochenziel sein: Maribel so weit hochzuziehen, dass sie zu der stärksten Gruppe gehört."

Es folgen noch Statements, was alles passieren würde, sollte Maribel faul sein. Das sollte aber nicht passieren, ja der Streit entzündet sich sogar am Umstand, dass Maribel eben nicht faul gewesen ist. Beim Videodreh lieferten die beiden nämlich eine Klum gefällige Leistung ab, woraufhin die Klum Maribel bittet, sich doch bei Lijana für deren motivatorisches Eingreifen zu bedanken.

Das macht Maribel dann auch artig, aber im Anschluss setzt Tamara Maribel den Floh ins Ohr, dass sie sich doch bitte nicht kleinmachen lassen soll, schließlich habe sie ganz alleine die Leistung erbracht, Lijana hin oder her: "Ich hoffe, du weißt, dass es deine eigene Leistung war." Das wiederum bekommt Lijana mit und sieht ihre Rolle als Motivatorin nicht ausreichend gewürdigt.

Für alle, die älter als zwölf sind, wäre das Ganze an dieser Stelle erledigt, doch irgendwie muss man ja die Folge voll bekommen. Und so sieht man Lijana in der Folgezeit, wie sie offenbar mit Unterstützung von Heidi Klum nicht müde wird, die ausgebliebene Dankbarkeit für ihre Leistung einzufordern. Es ist schon erstaunlich, welche Mühe sich andere Produktionsfirmen bei ihren Inhalten geben, wenn es doch auch so einfach geht.

Kandidatin Bianca ist ausgeschieden

Bei dem Rest der Damen läuft es, wie es immer läuft: mal so, mal so. Dass sie das Ganze Flaschengekloppe überhaupt machen müssen, erklärt die Klum wie folgt: "Man hat ja nicht nur Laufsteg- und Fotojobs." Ein Model muss also damit rechnen, bei einem Schauspieljob in Actionszenen einen Stuntman doubeln zu müssen, was insofern irritiert, als dass man bisher dachte, dass ein Stuntman in Actionszenen ein Model doubeln muss. Aber was wissen wir schon.

Apropos wissen: Seit Folge zehn weiß Bianca, dass es für sie keine Folge elf geben wird. Der Videodreh lief wohl schon nicht so gut und auch der Entscheidungswalk riss es offenbar nicht mehr raus. Die Damen mussten hier in verhaltensauffälligen Klamotten über den Catwalk laufen und dabei zu aktueller Popmusik die Lippen bewegen.

Offenbar gehört auch das zum Anforderungsprofil eines Models. Da gehst du vorne als ganz normaler Mensch bei "Germany's next Topmodel" rein und kommst hinten als Universalgenie wieder raus. Wahnsinn. Bianca wird jedenfalls nicht mehr in den Genuss dieser Transformation kommen.