In der Social-Media-Edition durften die Kandidatinnen bei "Germany's next Topmodel" endlich zeigen, wie man ein Interview nicht führt, wie man keinen 1980er-Werbespot dreht, vor allem aber, wie man ein Boom-Emoji nicht trägt. Kein Wort verstanden? Gut, dann willkommen bei Folge sieben.

Christian Vock.
Eine Kritik
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors/der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

"Ich hab' meine Sternschnuppe an der Seite so angefasst und ganz viel gelacht und war happy." Es gibt nicht viele Situationen im Leben, in denen man solche Sätze überhaupt sagen kann. Und noch weniger Situationen, in denen Drogen dabei keine ausschlaggebende Rolle spielen. Eine dieser Situationen gab es am Donnerstagabend und es war Kandidatin Mareike, der die Ehre für diesen jetzt schon legendären Satz zuteil wurde.

Man kann Heidi Klum und ihrer "Germany's next Topmodel"-Show vieles vorwerfen, aber sicher nicht, dass sie nicht an die Grenzen des menschlichen Verstandes gehen würde. Seit inzwischen viel zu vielen Jahren sorgt Heidi Klum mit den, sagen wir einmal eigenwilligen, Aktionen in ihrer Show für Synapsenpopcorn in den Gehirnen ihrer Zuschauer, wenn die Kandidatinnen alberne Dinge, unnötige Dinge oder unnötig alberne Dinge machen müssen. Man denke nur an das Stelzenschuhalpenschneegestöbershooting von 2019 oder an den 2017er Schachbrettwalk.

Ja, für "Germany's next Topmodel" muss man als Kandidatin wie auch als Zuschauer entweder mental kerngesund oder unglaublich humorvoll sein - am besten aber beides und damit wären wir auch schon wieder bei Mareike, ihrer Sternschnuppe und der jüngsten Folge von "Germany's next Topmodel". Dort hat Heidi Klum wieder in ihrem Verstand gekramt und eine Idee gefunden, die sie für ausreichend absurd für ihre Show hält: Die Damen sollen als aufgeblasene Emojis verkleidet über den Laufsteg stolzieren.

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GNTM-Emoji-Walk: Stefanie Giesinger gibt "Tipps"

Auf einer Gaga-Skala von eins bis Teletubbies ist das eine solide sechseinhalb und die Idee erreicht nur deshalb nicht mehr Punkte, weil sie offenbar schon jemand anderes hatte: "Ich bin Jack Irving. Ich bin ein Künstler und Designer aus London. Ich habe mich spezialisiert auf aufblasbare, tragbare Kunststücke und Skulpturen", stellt sich besagter Jack Irving den Kandidatinnen vor und sorgt damit für den Erkenntnisgewinn, dass man sich erstens offenbar auf so etwas spezialisieren kann und das dann zweitens unter Kunst fällt. Aber bei GNTM ist eben alles möglich.

Zusätzlich zu den Kostümen bekommen die Damen noch Suppentopfperücken und Halloween-Kontaktlinsen, was besonders Linda auf ihre eigene Art zu würdigen weiß: "Ich weiß gar nicht, wer auf so eine verfickte Idee kommt?" Keine Ahnung, aber vielleicht weiß das ja Stefanie Giesinger. Die Influencerin und Ex-GNTM-Gewinnerin kommt nämlich mit einem blondierten Mann vorbei, dessen Hemd selbst die 1970er abgelehnt hätten und erzählt den Damen Hilfreiches über Social-Media. Zum Beispiel, dass Romina mehr lächeln soll. Bei Linda hingegen würde man sich mehr Lächeln wünschen. Ja, die Giesinger versteht ihr Handwerk.

Und so laufen sie also los im Namen der Kunst und des Wahnsinns und stöckeln als Kirsch-, Virus,- oder eben Sternschnuppen-Emoji über den Catwalk bis sich die Klum, Giesinger und der Hemd-Mann ein Urteil gebildet haben. "Sie schaut echt ein bisschen traurig", urteilt Giesinger etwa über Liliana. Mag sein, vielleicht liegt Lilianas Traurigkeit ja daran, dass sie als Lippen-Emoji im Fernsehen herumlaufen muss. Ist aber nur so eine Idee.

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"Interviewtraining" bei "Germany's next Topmodel" mit Christian Düren

"Sie ist die ganze Zeit mega in ihrem Charakter geblieben", fällt die Meinung von Heidi Klum über Ashleys Auftritt als Boom-Emoji schon deutlich positiver aus, wobei man sich schon ein bisschen fragt, was für einen Charakter wohl so ein Boom-Emoji haben könnte. Aber was wissen wir schon. So ein Boom-Emoji muss man eben tragen können.

Kein Boom-Emoji durfte in Folge sieben Linda tragen. Sie erwischte ein Virus-Emoji, dabei hätte das Explosions-Emoji diesmal viel besser zu ihr gepasst. Vor dem Emoji-Walk ließ die Klum nämlich wieder Boulevard-Moderator Christian Düren von der Kette, der den Kandidatinnen ein "Interviewtraining" geben sollte. Also bringt Düren die Damen wieder erst aus der Fassung und dann zum Weinen. Nur bei Linda will es nicht so recht mit der Einschüchterung klappen, da ist es gut, dass die Klum noch ein neues Spiel im Ärmel hat: eine Pressekonferenz.

"Das ist auch für Promis eine echte Challenge", erklärt die Klum, erwähnt aber nicht, dass so etwas in der Realität wesentlich seltener vorkommt, als nicht bearbeitete Bilder bei Instagram. Alysha geht die "echte Challenge" trotzdem sehr pragmatisch an: "Ich zieh jetzt mein Top an." Linda hingegen will's wissen und geht noch einmal auf ihre Antipathie gegenüber Soulin ein, bis die Vertreterin eines Tratschmagazins tatsächlich sagt: "Das erinnert mich eher so an Jugendzeitschrift-Niveau." Zu viel Jugendzeitschrift-Niveau. Bei GNTM. Kannste dir nicht ausdenken.

Chanel spricht zu "stakkatisch" und muss gehen

Was man sich aber ausdenken kann, ist ein 1980er-Werbespotshooting. Genau das hat die Klum nämlich getan und ihre Kandidatinnen zuerst in Gymnastik-Anzüge schweißen und dann einen Werbefilm drehen lassen. Bei manchen klappt's, bei anderen nicht so, wie zum Beispiel Ashley von Klum erfährt: "Ich würde dich gerne ein bisschen mehr mögen wollen." Ja, so ist das eben im Leben. Wir Zuschauer würden auch gerne ein bisschen mehr gutes Fernsehen sehen mögen wollen.

Ein bisschen mehr länger bleiben mögen wollte sicherlich Chanel. Doch erst fand die Klum ihre Leistung beim 1980er-Werbedreh zu "stakkatisch" und dann entsprach sie als "Boom-Emoji" auch noch nicht dem gewünschten Rollenverständnis. Gibt einfach so Tage. Wenn sie doch nur das Sternschnuppen-Emoji bekommen hätte. Dann hätte sie wenigstens ganz viel gelacht.