Traumvillen, Traumstrände, Traumshootings - "Germany's next Topmodel" scheint zu schön, um wahr zu sein. Ein wahr gewordener Mädchentraum. Blöd nur, wenn das mit Traum und Wirklichkeit in der Realität nicht ganz so eindeutig ist. So wie in der gestrigen Folge.

Christian Vock
Eine Glosse
von Christian Vock, Freier Autor

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"Diese Woche steht alles unter dem Motto 'Musik'", erklärt Heidi Klum noch ganz euphorisch zum Beginn der gestrigen Folge. Dass die Musik-Motto-Folge dann am allerwenigsten mit Musik zu tun haben sollte, konnte die Klum da ja noch nicht ahnen.

Das ist umso tragischer, da Mottos extrem wichtig sind bei "Germany's next Topmodel". Man könnte sogar meinen, dass "Mottos" das heimliche Motto der Show sind.

Deshalb hat sich das Musik-Motto auch diesmal ein eigenes Motto gegönnt: Fiktion und Realität.

Gerda und die "Bruna-Show"

Was die Klum aber meinte, ist, dass die Topmodel-Anwärterinnen diesmal bei einem Hiphop-Videodreh mitwirken sollen.

Ein nachgerade tollkühnes Unterfangen, wie Thomas Hayo bereits ahnt: "Wir werden da auch immer Reibungen sehen und Mädchen, die sich vielleicht ein bisschen zweifelhaft in Szene setzen", unkt der GNTM-Juror, als seien es bei "Germany's next Topmodel" all die Jahre die Mädchen gewesen, die sich selbst zweifelhaft in Szene gesetzt hätten.

Hier driften Fiktion und Realität ein erstes Mal auseinander, aber ProSieben versucht gleich, diesen Riss wieder zu kitten.

Dafür hatte man in der vergangenen Folge Bruna schon ein bisschen als Drama-Queen aufgebaut. Eine gute Vorbereitung ist eben alles. Also sehen wir nun einen Kurzauftritt von Bruna, wie sie sich mit den anderen Mädchen streitet.

Worüber, ist egal, denn wichtig ist nur, die nun folgende Einschätzung der Situation durch die anderen Mädchen: "Ich finde, es war wieder diese Bruna-Show. Sie musste wieder die Aufmerksamkeit auf sich ziehen", weiß beispielsweise Gerda über den Vorfall zu berichten. So weit, so normal - hätte die liebe Gerda von da an geschwiegen.

Hat sie aber nicht. "In jeder Staffel gibt es immer eine, die einfach immer dramatisiert und immer heult und immer die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ich glaube, in dieser Staffel ist es einfach die Bruna", zeigt Gerda, dass sie zwar das Prinzip der Sendung verstanden hat, aber leider anders als man gehofft hätte.

Man könnte es für ein satirisches Meisterstück halten, dass es in der Realität einer TV-Fiktion jemanden gibt, der die Fiktion für Realität hält und nicht umgekehrt. Da scheppert es nur so in den Synapsen.

Zoe hat Karaoke-Personality

Doch zurück zum Musik-Motto und dem Hip-Hop-Dreh. "Ich kann mir vorstellen, dass wir so Rich Girls sind", mutmaßt Abigail mit Blick auf die Outfits, aber auch hier stimmen Eigen- und Fremdwahrnehmung nicht überein.

Letztlich tragen die Mädchen Klamotten, die man eher der Rotlicht-Innung zuordnet. Aber bei Hip-Hop-Videos sind die Übergänge hier zumindest optisch fließend.

Also tanzt alsbald ein Haufen Teenager aus Remscheid, Hürth und Co. in Lackstiefeln durch eine Lagerhalle und tut so, als wäre das gerade der heißeste Hip-Hop-Scheiß aus L.A. Und so sieht das dann auch aus.

Umso bedauerlicher, hat sich ProSieben doch solche Mühe gegeben und extra den Beinahe-Rap-Star Brooke Candy für diesen Dreh engagiert. Doch die zeigt sich vor allem mit dem künstlerischen Aspekt des Gesehenen unzufrieden und schon wieder sind Wunsch und Wirklichkeit weit voneinander entfernt.

Zurück in der fiktiven Realität, in der Mädelsvilla, fängt Klaudia mit K plötzlich an zu kreischen und nur durch Zeugenaussagen lässt sich der Grund rekonstruieren.

Klaudia mit K, Toni und Zoe dürfen zu einem Vorstellungstermin beim "Nylon"-Magazin nach Portugal fliegen. Dort erklärt die Turid vom "Nylon"-Magazin, dass sie für das Titelbild ein Model mit "Personality" suchen, schließlich sei "Nylon" ein Magazin für "Mode, Beauty und Popkultur".

Tja, und wie findet man heraus, welches der drei Mädchen ein Model mit "Personality" ist? Genau, man lässt sie Karaoke singen!

Dort können sie nämlich mit "Performance" überzeugen, spielt die Turid von "Nylon" eine weitere Runde Bullshit-Bingo.

Das ist ja das Schöne am Modeln. Da kannste aussehen wie du willst – wenn du wie Zoe ordentlich Karaoke singen kannst, ist alles im Lack. Realität schlägt Fiktion.

Sarah ist raus, Jennifer und Gerda im Shootout

Unterdessen kommen in Los Angeles die Mädchen von einem "Tanzbattle" für die Vermarktung des Auto-Werbepartners zurück und finden in der Villa prompt Geschenkesets des Jeans-Werbepartners.

Als Shari beteuert, ausgerechnet diesen Werbepartner zu lieben und zuhause "super viele" Klamotten davon zu haben, verschmelzen Fiktion und Wirklichkeit.

Es ist aber auch verrückt. Da fliegst du tausende Kilometer für eine Fernsehshow in die neue Welt und ausgerechnet deine Lieblingsmarke ist der Werbepartner dieser Show. Die Welt ist einfach ein Dorf.

Ganz andere Erfahrungen mit Fiktion und Wirklichkeit macht kurz darauf Sarah bei der finalen Entscheidung. Kurz vor Heidis Richterspruch macht sie ihre Verunsicherung öffentlich: "Ich weiß halt nicht, ob's bei mir so gut war."

Das darfst du natürlich nicht machen. Eines der GNTM-Gebote. Vor der Entscheidung nie sagen, dass du unsicher bist. Bricht dir das Genick. Dann haben die vom Schnitt deine Aussage, die Klum muss nur noch irgendwas dazu fabulieren und raus biste.

Und so holt Sarah der Ex-Model-Alltag schneller ein als sie "Seifenblase" sagen kann. Während Gerda und Jennifer noch von einem Sieg im nächsten Shootout träumen können, ist für Sarah der Abschied bittere Realität. Hätte sie nur ihren Mund gehalten.

GNTM: Juror Michale Michalsky gerät mit Heidi Klum aneinander

GNTM-Juror Michael Michalsky ärgert sich über Heidi Klums Model-Auswahl. Weil immer der gleiche Typ Mädchen die ProSieben-Show gewinnt, gerät der Designer des Öfteren mit der Modelmama aneinander. Er findet Models sollten vielfältig sein. Groß, klein, dick, dünn, hell, dunkel.